Jugendtreff
: Stadtpark ist freitags Partymeile

Bis zu 120 Jugendliche treffen sich abends im Fürstenwalder Stadtpark. Dort hören sie Musik und trinken Alkohol.
Von
Annemarie Diehr
Fürstenwalde
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Nachts wird es am Brunnen voll: die Streetworker Ingo Taboga und Bert Dausel (v.l.) an einem Freitagabend im Stadtpark.

Annemarie Diehr

„Wir sind hier, um zu trinken, und um neue Leute zu treffen“, sagt ein 19 Jahre altes Mädchen. Ingo Taboga und Bert Dausel, beide Streetworker bei der Caritas, stehen bei der Mädchengruppe. Wären sie nicht dabei, würden die jungen Frauen wahrscheinlich nicht reden. Sie tun es unter der Bedingung, dass ihr Name nicht öffentlich wird. Nicht jede von ihnen ist volljährig. „Wir Jugendlichen haben keinen Ort, wo man chillen kann. Für Jugendclubs sind wir zu alt“, sagt ein Mädchen.

Bis zu 120 Jugendliche von den verschiedensten Schulen, schätzen die Streetworker, treffen sich an den Wochenenden, vor allem freitags, im Stadtpark. Seit Anfang des Jahres haben sie den Springbrunnen als Treffpunkt für sich entdeckt. Hier sind sie ungestört und stören selbst niemanden: „Vom Mühlenberg wurden wir vertrieben, da haben sich die Anwohner aufgeregt. Hier stören wir keinen“, sagt ein 17–Jähriger.

So ganz stimmt das allerdings nicht. „Wir haben im Stadtpark verstärkt Probleme mit Vandalismus“, sagt Stadtsprecherin Anne–Gret Trilling und zählt auf: kaputte und beschmierte Bänke, abgerissene Papierkörbe, Scherben im Brunnen. Spaziergänger und Mitarbeiter des Kommunalservice seien betrübt über zurückgelassene Bierdeckel und Flaschen.

Glasscherben gefährden Kinder

„Vor allem für Kinder sind Glasscherben gefährlich“, sagt ein 15–jähriges Mädchen. „Aber wir können ja gegen die, die Blödsinn anstellen, nichts machen.“ Auch Taboga und Dausel wehren sich gegen Pauschalisierungen: „Von 100 Jugendlichen benehmen sich 98 normal“, sagen sie. Vom Parkclub aus verfolgen sie das abendliche Treiben, schauen ab und zu vorbei, etwa um auf übermäßigen Alkoholkonsum hinzuweisen oder darauf, dass Mädchen die Toiletten im Parkclub benutzen können. Ganz dorthin umziehen wollen die Feiernden nicht. „Hier ist man in der Natur, es ist ne schöne Atmosphäre. In die Disco kommen manche noch nicht rein“, sagt ein Mädchen.

Anstatt den Platz zu sperren, wie es von Bürgermeister Matthias Rudolph (BFZ) angedroht worden sei, wünschen sich die Streetworker, dass er sein Wahlversprechen wahr macht und für die Jugendlichen, statt sie zu verdrängen, einen Ort schafft, an dem sie sich aufhalten können. Auf Nachfrage bekräftigt Rudolph dieses Anliegen: „Auch Jugendliche brauchen einen Platz, an dem sie sein können wie sie wollen. Mir ist wichtig, dass keine Straftaten verübt werden. Die Vandalismusschäden können wir nicht hinnehmen“. Demnächst, sagen die Streetworker, gebe es zu dem Problem eine Runde mit Jugendlichen, Vertretern der Verwaltung und Polizei.