Leichtathletik
: Dramatik pur bis zum Ende

Mit einer Bronzemedaille im Siebenkampf ist die Fürstenwalder Leichtathletin Libby Buder von der U-16-DM zurückgekehrt.
Von
Joachim Weihrich
Mainz
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In der vorletzten Disziplin schleudert die Bad Saarowerin Libby Buder den Speer auf sehr gute 39,32 Meter.

Ralf Görlitz

Die Vorzeichen standen für die Bad Saarowerin als Titelverteidigerin beim Jahreshöhepunkt nach einer kurzen, aber intensiven Wettkampfsaison mit mehreren Blessuren nicht gerade gut.  Schnell kristallisierte sich der engere Kreis für die Medaillenvergabe heraus. So übernahm standesgemäß Laura Raquel Müller von der Unterländer LG als frische gekürte Deutsche Meisterin über 100 Meter (11,74 Sekunden, deutsche W15-Bestleistung) nach der ersten Disziplin (12,10) die Führung. Libby Buder lief als Fünfte für sie sehr gute 12,55.

Bestleistung im Weisprung

Dann ging es zum Weitsprung, der Parade-Disziplin der Fürstenwalderin, in Bremen mit 5,84 m Deutsche Meisterin. Libby setzte noch einen drauf und flog bei leichtem Gegenwind (-0,2 m/s) auf 5,93. „Das war ein prima Mehrkampfauftakt“, sagt ihr Trainer Joachim Weihrich. Sandrina Sprengel von der LG Steinlach-Zollern sprang mit 5,83 ebenfalls persönliche Bestleistung und übernahm die Gesamtführung.

Es folgte das Kugelstoßen. Im Trainingslager in Kienbaum hatte Libby mehrmals über elf Meter gestoßen. In Mainz blieb sie bei 10,47 m hängen, was für sie einem Einbruch gleichkam. So war die Zeit für Kajsa Zimmermann vom SV Halle gekommen. Als gute Kugelstoßerin bekannt, stieß sie das Drei-Kilo-Gerät auf 13,97 m. Libby stürzte in der Gesamtwertung auf Platz 6 ab.

Pech im dritten Versuch

In der vierten und letzten Disziplin des ersten Tages, dem Hochsprung, gab sich keine der Medaillenkandidatinnen eine Blöße. Sandrina Sprengel, Laura Raquel Müller und Libby Buder übersprangen die 1,64 Meter. Der Gaselanerin fehlte ein wenig Glück beim dritten Versuch über 1,67. „Die Höhe schien schon geschafft, aber die Waden touchierten die Latte, sie rutschte von den Auflagen“, erklärt Weihrich. So beendete sein Schützling mit 2893 Punkten als Gesamtfünfte Teil 1 des Siebenkampfes.

Mit Medaillenambitionen trotz aller Verletzungsgeschichten im Kopft, hatte die Gaselanerin keine ruhige Nacht. „Und zum Hürdenlauf, der ersten Disziplin des zweiten Tages, hatte sie nicht gerade ein freundschaftliches Verhältnis nach dem Sturz 2018 und Beinahe-Sturz im Trainingslager“, berichtet ihr Trainer. „Hinzu kamen für sie plagende Kreislaufprobleme. Ohne die nötige Angriffslust absolvierte Libby den 80-Meter-Hürdenlauf in 12,44 Sekunden – eine eher mäßige Zeit.“ Dies vergrößerte den Abstand zu den vor ihr Liegenden noch.

Mit einer völlig gelösteren Körpersprache nahm sie die sechste Disziplin, das Speerwerfen, in Angriff. Im dritten Versuch schleuderte sie das 500-Gramm-Gerät auf sehr gute 39,32 Meter. Diese Weite überbot nur Marisa Jurtz vom LC Überlingen mit 40,23. Damit festigte Letztere Platz 4 in der Gesamtwertung.

Das große Rechnen vor dem abschließenden 800-Meter-Lauf war in vollem Gange. Gold und Silber schienen vergeben zu sein zwischen Sandrina Sprengel und Kajsa Zimmermann. Auf Platz 3 lag Laura Raquel Müller, die aber als schwache 800-m-Läuferin bekannt ist. Nah an Bronze war Marisa Jurtz – 36 Punkte hinter Müller und 22 Punkte vor Libby Buder.

Kreislauf spielt verrückt

„Eine harte, aber nicht aussichtslose Situation für Libby. Doch ihr Kreislauf spielte total verrückt, der Start stand auf der Kippe“, erzählt Joachim Weihrich. „Sie entschied sich für den Kampf auf den zwei Stadionrunden und setzte alles auf eine Karte.“ Mutig übernahm sie nach dem Start die Führung. Nur Kajsa Zimmermann und Sandrina Sprengel konnten folgen. Durchgangszeit bei 400 Metern 68 Sekunden – ein Höllentempo. Kajsa zog vorbei, ebenso Sandrina.

Trainer Weihrich, Großeltern, Eltern und Bruder Alec auf dem Stadionrund verteilt, feuerten Libby lautstark an. Kajsa zog davon und durchlief in 2:23,10 Minuten das Ziel. Libby mobilisierte alle Kräfte, lief an Sandrina vorbei und kam mit persönlicher Bestzeit von 2:27,83 ins Ziel –  14 Sekunden vor Marisa Jurtz und gar 41 vor Laura Raquel Müller. Das war die Bronzemedaille! „Libby hatte einen Kampf auch mit sich selbst gewonnen“, freut sich der Coach.

Gold holte sich Kajsa Zimmermann mit 4088 Punkten vor Sandrina Sprengel (4062). Libby Buder kam auf 3993 Zähler, zwei Punkte mehr als beim Qualifikations-Mehrkampf in Berlin, und lag am Ende 50 Punkte vor der Vierten Marisa Jurtz.

Die Leistungen derMedaillengewinnerinnen

1. Kajsa Zimmermann 4082 Punkte (100 m: 12,30 Sekunden, Weit: 5,66 Meter, Kugel: 13,97, Hoch: 1,52, 80-m-Hürden: 11,97, Speer: 36,13, 800 m: 2:23,10 Minuten), 2. SandrinaSprengel 4062 (12,40, 5,83, 12,20, 1,64, 11,86, 35,70, 2:30,26), 3. Libby Buder 3993 (12,55, 5,93, 10,47,1,64, 12,44, 39,32, 2:27,83)