Markthändler
: Der Schrei nach Kundschaft

Mit Käse und Wurst gefüllte Tüten wechselten auf dem Marktplatz die Besitzer: Der Andrang hielt sich in Grenzen.
Von
Annemarie Diehr
Fürstenwalde
Jetzt in der App anhören
  • Chorizo und 24 andere Sorten Salami: Joachim Pfaff, alias Wurst-Achim, ist Deutscher Marktschreier-Meister. Lauthals preist er auf dem Fürstenwalder Marktplatz seine Waren an. Besonders beliebt seien Salamis mit Knoblauch oder Chili.

    Chorizo und 24 andere Sorten Salami: Joachim Pfaff, alias Wurst-Achim, ist Deutscher Marktschreier-Meister. Lauthals preist er auf dem Fürstenwalder Marktplatz seine Waren an. Besonders beliebt seien Salamis mit Knoblauch oder Chili.

    Annemarie Diehr
  • Gorgonzola, Camembert und Brie: Michael Thamm, alias Käse-Maxx, ist seit 37 Jahren Marktschreier; angefangen hat er mit Obst.

    Gorgonzola, Camembert und Brie: Michael Thamm, alias Käse-Maxx, ist seit 37 Jahren Marktschreier; angefangen hat er mit Obst.

    Annemarie Diehr
1 / 2

„Eine Lange drauf, eine schöne Dicke, eine Würzige und noch eine Italienische.“ Wenn Wurst–Achim loslegt, dringt seine Stimme bis in den hintersten Winkel des Marktplatzes; verstärkt durch ein Mikrofon soll sie auch noch die anlocken, die nicht sehen können, wie der Duisburger eine Salami nach der anderen in eine Plastiktüte gleiten lässt. Drei Kilo Wurst für 15 Euro lautet die Rechnung, die für Joachim Pfaff auch in Fürstenwalde aufgehen soll.

Zum ersten Mal gastiert die Gilde der Marktschreier in der Stadt. 1970 hat sie sich gegründet; 46 Mal im Jahr wechseln die 45 ihr angehörenden Händler ihren Standort. „Wir kommen gerade aus dem Urlaub“, sagt Pfaff, der mit seinem Talent fürs lautstarke Anpreisen von Wurst schon Deutscher Marktschreier–Meister wurde.

Der Saisonauftakt beginnt klein: Nur drei Marktschreier haben ihre Verkaufswagen zwischen den üblichen Wochenmarktständen positioniert. „Für den holländischen Blumenkönig und Bananen–Didi ist es zu kalt“, sagt Milena Haase von der Event– und Werbeagentur Jobo. Wegen der Witterung fiel auch die angekündigte Eröffnung mit Freibier flach. „Über Nacht würden die Leitungen im Bierwagen einfrieren.“

Bianca Bauerfeind und Sylvia Mirbach stört das nicht. Mutter und Tochter haben zufällig das Geschrei gehört und sind nun Besitzerinnen von Salamis verschiedener Sorten. „Die teilen wir mit der Familie“, sagen sie und ziehen weiter zu Käse–Maxx. Camembert, Brie, Gorgonzola, Alpen– und Frischkäse wandern dort in eine Tüte; Michael Thamm kassiert 15 Euro und packt auch noch eine Packung Joghurt oben drauf. „Ich habe nicht nachgerechnet, ob es günstiger ist als im Supermarkt“, sagt Manfred Schneider, der seine Käse–Tüte ebenfalls mit Freunden teilen will. Michael Thamm, alias Käse–Maxx, meint, dass man dort für die gleichen Artikel locker 25 Euro zahlen würde.

Ines Göbel aus Reichenwalde kann sich zum Kauf nicht durchringen. „Ich gucke, ob auch hochwertige Produkte dabei sind. Der Fisch ist wahrscheinlich interessanter“, sagt sie und deutet auf die Theke von Aal–Ole, hinter der nicht der Original–Ole, sondern Frank Küster steht und geräucherte Makrelen, Forellen und Bücklinge liegen — fünf für 15 Euro.

Hier und da gehen am Donnerstagmittag Tüten über die Theke; der große Ansturm bleibt aus. „Ist doch auch viel zu kalt. Schade, sie hätten später im Jahr kommen sollen“, meint eine Fürstenwalderin, die die Szene an einem Stehtisch vor dem Quarkkäulchen–Stand beobachtet. Auch Crêpe–, Bratwurst– und Gewürze–Verkäufer sind mit den Marktschreiern gekommen.

„Ginge es nach der Kaufkraft, müssten die Leute bei uns Schlange stehen“, so Thamm. Seit 37 Jahren zieht er als Marktschreier von Stadt zu Stadt, übernachtet in seinem Wagen. Tatsächlich,  sagt er, gingen die Umsätze seit der Wende zurück.

Heute und Sonnabend, 10 bis 18 Uhr, Sonntag, 11 bis 18 Uhr.