Seit 2015 haben 17 Betriebe im Kreis Oder-Spree das Handtuch geworfen. Symbolisch für jeden dieser Bauern, hat Benjamin Meise ein Paar Gummistiefel mit dem Ort vor einem Feld aufgereiht. Reichenwalde, Beerfelde, Buchholz und Demnitz sowie Standorte im Bereich Beeskow und Eisenhüttenstadt gehören dazu. "Ich kenne die Probleme. Deshalb bin ich hier, um Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren", sagt der Minister. Die Landesregierung sei dabei, ein Agrarstrukturgesetz auf die Beine zu stellen.
Beim Rundgang durch die modernen Ställe zeigt sich Axel Vogel beeindruckt. "Wir brauchen die Basisförderung für Investitionen in das Tierwohl", betont Meise. Große Sorgen macht sich der Geschäftsführer, der auch im Vorstand des Kreisbauernverbandes aktiv ist, über die angekündigte Kappung der EU-Direktzahlung, die bis dato noch nach Fläche berechnet wird. Fließen dann nur noch 100 000 Euro, statt das Sechsfache im Jahr, würde das große, konventionelle Landwirtschaftsbetriebe wie die Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH Buchholz mit hohen Personalkosten vor existentielle Probleme stellen.
Einen ganz anderen Ansatz wie Landwirtschaft aussehen kann, sieht Vogel wenig später bei der Schlossgut Alt Madlitz GmbH. Benedikt Bösel hat sich dort der Erforschung der syntropischen Landwirtschaft verschrieben. Das heißt: Er testet, wie sich verschiedene Pflanzen, die zusammen auf einem Acker stehen, gegenseitig ergänzen.
So stehen auf dreieinhalb Hektar 19 Versuchsreihen, in denen jeweils unterschiedliche Obst- und Baumarten kombiniert sind, wie Bösels Mitarbeiter Renke de Vries erklärt. In der ersten Reihe wächst neben Feldahorn Wein, der sich später an den Bäumen hochranken soll. Direkt daneben gedeihen Kartoffeln, die eine schützende Deckschicht bilden. Mittendrin sprießt Meerrettich, der den Wein vor Pilzen schützen soll. Zwischen diesen Reihen ist Platz für Getreide. Wächst dort gerade kein Getreide, ziehen Hühner im mobilen Stall hindurch. Sie fressen die Schädlinge und düngen gleichzeitig den Boden. Die Bäume helfen, Humus aufzubauen und Feuchtigkeit im Boden zu halten.
Kosten für Dünger entfallen
Ziel sei eine multifunktionale Nutzung, die über das Jahr mehrere Ernten ermöglicht, erklärt Benedikt Bösel. Um den Nährstoffkreislauf möglichst geschlossen zu halten, setzt der Betrieb inzwischen 68 Kühe ein. Die stehen gerade auf einem anderen Feld – fressen, düngen und lockern mit ihren Hufen den Boden auf. Auch sie sind Bestandteil der Fruchtfolge und wechseln täglich die Fläche. Dadurch entfallen Kosten für den Dünger und dessen Ausbringung, erklärt Bösel.
Mit seinen 20 Mitarbeitern sucht er nach ökologisch und ökonomisch sinnvollen Wegen, den sandigen Boden zu bereichern und Lösungsansätze für die Trockenheit zu finden. "Ein guter Boden ist die beste Versicherung", sagt Bösel. Aktuell deckt der Betrieb mit dem Anbau von Getreide auf etwa 1000 Hektar seine Kosten.
Im November will sich ein Sonderkreistag mit Vorschlägen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft befassen. Vielleicht eine Gelegenheit für Benjamin Meise und Benedikt Bösel ihre Vorstellungen einzubringen.