Ein gutes Beispiel ist ein Klient, der in den zurückliegenden Wochen ihre besondere Aufmerksamkeit erfordert hat. Der gebürtige Fürstenwalder versuchte sein Glück in den Altbundesländern. Den Verlust der Heimat, Einsamkeit, körperliche und psychische Probleme setzten dem Mann sehr zu. Er kehrte nach Fürstenwalde zurück und suchte bei der Haltestelle Hilfe. Nach mehreren Rückschlägen hat Ingrid Freninez dem 37-Jährigen eine Wohnung vermitteln können. Der Mann möchte anonym bleiben und nicht im Detail über seine Vergangenheit sprechen. Keinen Zweifel hat er daran, dass die Caritas Sozialberatung entscheidend dabei geholfen hat, dass er wieder Fuß gefasst hat. "Ohne die Haltestelle wäre ich jetzt sonst wo", betont er.
"Man muss aber auch wollen", stellt Freninez klar. Natürlich gebe es Menschen, die sich in ihr Schicksal ergeben haben, oder gar nicht mehr anders leben wollen.
Obdachlosigkeit nimmt zu
Im Sommer seien in Fürstenwalde Obdachlose anzutreffen die nur "auf der Durchreise" seien, so ihre Erfahrung. Dem Problem würde Beachtung geschenkt werden, wenn es besonders kalt sei. Obdachlosigkeit gebe es aber das ganze Jahr über, so Freninez.
Sehr dankbar ist sie für die Haltung der Fürstenwalder, die Obdachlose nicht pauschal verurteilen. Immer wieder fänden sich Bürger und Unternehmer, auf deren Hilfe sie bauen könne. An eine entscheidende Verbesserung der Situation glaubt Ingrid Freninez nicht - ganz im Gegenteil: Die Obdachlosigkeit habe unwahrscheinlich zugenommen. Sorge bereitet ihr, dass immer häufiger Familien oder Alleinerziehenden mit Kindern die Obdachlosigkeit drohe. Neben einer Verbesserung der Zusammenarbeit von Obdachlosenunterkünften fordert sie auch eine Änderung bei der Finanzierung der Caritas Sozialberatungsstelle.
Die Stadtverwaltung winkt ab. Die Stadt komme ihrer gesetzlichen Verpflichtung nach, Bedürftigen ein Dach über dem Kopf, im Wohnheim in der Luise-Hensel-Straße, zur Verfügung zu stellen, erklärt Anne-Gret Trilling auf Nachfrage. 2018 seien insgesamt 36, 2019 sogar 49 Personen untergebracht gewesen. Die Kapazität der 15 zur Verfügung stehenden Plätzen sei nahezu ausgelastet gewesen. Darüber hinaus wende die Stadt 150 000 Euro jährlich für Zuschüsse an Tafel, Kleiderkammer und Beratungsstellen auf. Angesichts der Gesetzeslage sei der Ruf nach der Stadt "nicht zielführend". Es gebe ein einheitliches Recht auf Grundsicherung. Sozialberatungsstellen stünden zur Verfügung. "Es gibt ein vielfältiges Netz, das Menschen davor bewahrt, alles zu verlieren", so Trilling. Viele würden dieses Angebot aus verschiedenen Gründen, nicht in Anspruch nehmen.