Pilzvergiftung: Vier Urlauber sind dem „Sachsentod“ entronnen

Glücklich und dankbar: Michaele und Rolf Steinbach mit Dr. Sigrid Lyding, Chefärztin für Kinder- und Jugendmedizin.
Helios KlinikumMit ihren Enkeln Joschua (10) und Fiona (7) wollen die Großeltern ein paar schöne Urlaubstage in Bad Saarow erleben. „Wir hatten ein Ferienhaus, direkt im Wald“, erzählt Michaele Steinbach. Am Montag sammeln die Vier auf einem langen Spaziergang Pilze, die sie sich am Abend schmecken lassen wollen. „Ich habe bis dahin immer gedacht, dass ich mich mit Pilzen ganz gut auskenne“, sagt die Chemnitzerin. Michaele Steinbach kämpft mit den Tränen, denn kurz nach der Pilzmahlzeit beginnen die schrecklichsten Stunden ihres Lebens.
Wie immer isst sie zuerst von den Pilzen. „Ich habe geglaubt, wenn irgendetwas damit nicht stimmt, wird mir zuerst schlecht und die anderen sind gerettet“, sagt die zierliche Frau. Doch es kommt anders. Eine Stunde nach dem Essen muss sich ihr Enkel übergeben. Kurz danach teilt er seinen Großeltern mit, dass er seine Beine nicht mehr spürt.
„Ich selbst konnte noch klar denken, aber nicht mehr gut laufen“, erinnert sich Michaele Steinbach. Ihr Mann sei schon weggetreten gewesen. „Er wäre eingeschlafen und man hätte ihn irgendwann tot gefunden.“
Michaele Steinbach ruft ihre Tochter an, danach die Giftberatungsstelle. „Da hat keiner abgenommen.“ Schließlich ist der Rettungsdienst am Telefon, doch der Handyempfang ist schlecht. „Ich hatte Angst, dass das Krankenauto uns im Wald gar nicht findet.“ Es kam einfach alles zusammen.
Rettungskräfte bringen Großeltern und Enkel ins nahe Helios Klinikum. Dort kommt die Familie auf die Intensivstation. „Das spezifische Gegengift, das in unserem Notfalldepot lagert, reicht aber nur für ein bis zwei Personen“, nennt Professor Olaf Schedler, der Leiter der zentralen Notaufnahme, ein Problem, mit dem er und seine Kollegen sich konfrontiert sahen. Per Helikopter wird der Rest aus Depots des Berliner Virchow Klinikums und aus Buch eingeflogen. Rechtzeitig.
Ärzten und Schwestern dankbar
Mittlerweile weiß Michaele Steinbach, dass sie den hochgiftigen Panther– mit dem Perlpilz verwechselte. „Den Perlpilz haben wir in Sachsen immer mitgenommen“, sagt die 61–Jährige noch immer fassungslos. Aber vielleicht sähen die Pilze in Brandenburg aufgrund der anderen Böden anders aus, überlegt sie. Für das Klinikpersonal sind Steinbachs nicht die ersten Patienten, die die Pilze verwechselt haben. „Ach, der Sachsentod“, habe es auf der Station gleich geheißen, sagt Michaele Steinbach.
Am Donnerstag konnten die Vier die Klinik wieder verlassen. Michaele und Rolf Steinbach werden sie in sehr guter Erinnerung behalten. „Die Ärzte, Schwestern und Pfleger haben sich hervorragend um uns gekümmert. Wir haben ein neues Leben geschenkt bekommen“, sagt die Chemitzerin. Und sie fügt an: „Wenn ich irgendwann mal wieder was habe, fahre ich nach Bad Saarow ins Krankenhaus.“
