Polizei in Fürstenwalde: Stadtführer mit Axt und Maske löst Einsatz im Stadtzentrum aus

Scharfrichter Gutschlag, eine historische Figur aus der Stadtgeschichte von Fürstenwalde, hat einen Polizeieinsatz in der Stadt ausgelöst.
Kerstin SchreiberTotal in schwarzen Klamotten gewandet, mit einer furchteinflößenden Haube über dem Kopf und einer großen Waffe in der Hand ist am Mittwochvormittag ein Mensch vom Tourismusbüro in der Rathausstraße zum Städtischen Museum am Dom von Fürstenwalde gelaufen. Passanten reagierten verwundert und verängstigt. Logische Folge: Sie riefen die Polizei an und lösten damit einen Einsatz inklusive Polizeihund aus.
Burkhard Teichert ist für den Tourismusverein Fürstenwalde als Stadtführer in der Domstadt im Einsatz. Regelmäßig begleitet er Gruppen von Neugierigen durch die Gassen des Ortes, hat Stationen wie den Galgenberg auf seiner Tour.
Stadtführung mit historischen Figuren durch Fürstenwalde
Meist läuft es im doppelten Sinne des Wortes normal ab. Teichert kennt die Fakten, beantwortet Fragen, verweist auf Anekdoten und Schmunzetten aus der Historie. Mitten in einer Besuchergruppe hält er seine bürgerliche Identität versteckt: Denn der 73-Jährige agiert immer in einem Kostüm, ist als – historisch verbürgte – Figur des Scharfrichters Gutschlag unterwegs.
Am Mittwochvormittag (8. November) aber, da lief sein Einsatz kurzzeitig ein wenig aus dem Ruder und seine Verkleidung wurde ihm zum Verhängnis: Plötzlich sah er sich von einigen Polizisten umstellt, die auch einen Hund dabei hatten.
„Normalerweise“, erzählt er im Gespräch mit MOZ.de noch sichtlich überrascht einige Minuten später, „gehen wir immer direkt am Tourismusbüro los, zusammen als Gruppe mit den Gästen der Führung.“
Scharfrichter lief allein durchs Zentrum von Fürstenwalde
Diesmal aber sei vereinbart gewesen, dass er seine Zuhörer, eine Gruppe von Mitarbeitern der Samariteranstalten Fürstenwalde, am Stadtmuseum abhole. Den Weg dahin legte er allein zurück – kostümiert und bewaffnet.
Genau dies ließ bei Fürstenwaldern die Alarmglocken und dann augenblicklich später das Telefon in der Polizeiwache Fürstenwalde läuten. Die Beamten rückten mit mehreren Fahrzeugen und Blaulicht zum Städtischen Museum Fürstenwalde aus, wie von einem Polizeisprecher auch gegenüber MOZ.de bestätigt wurde.
Die Anrufer hätten die Situation merkwürdig und bedrohlich gefunden, heißt es von der Polizei auf Nachfrage. Das Missverständnis habe aber schnell geklärt werden können.

Burkhard Teichert aus Grünheide ist im Auftrag des Tourismusbüros Fürstenwalde als Scharfrichter Gutschlag unterwegs. Die Maske, die er beim Einsatz über dem Kopf trägt, hält er in der Hand.
Kerstin SchreiberDas bestätigt auch Burkhard Teichert. Er habe seine Tour dann auch ganz normal weiter veranstaltet. Dabei habe er unter anderem an die verbrannte Hexe Dorothea von Reppen erinnert, den Galgenberg vorgestellt, sei am Scharfrichterhaus vorbeigegangen und wie üblich seine Geschichten erzählt.
Seine Waffe, ein Richtbeil, sei eine Spezialanfertigung und bei der Polizei gemeldet, erzählt er. Und das furchteinflößende Kostüm? „Mehr oder weniger eine Faschingsausstattung“, ergänzt er schmunzelnd.

