Sportlich: Als Rauen Treff der Wintersportler war

Verhelfen dem Rauener Wintersport zu späten Ehren: Heinz Vormelcher, Eckhard Wolff, Heinz Ortelbach, Uwe Myrrhe, Hans Panten, Horst Lucas, Eckhard Kultus und Gisela Berndt (v. l.) vor der Skihütte in den Rauener Bergen.
Ruth BuderRauen. Bis in die 1970er–Jahre, als es noch richtige Winter gab, waren die Rauener Berge Austragungsort für verschiedene Skisportarten. Meisterschaften im Langlauf, Springen und Patrouillenlauf wurden absolviert. Heute sagt man dazu Biathlon.
Dieses Kapitel Rauener Geschichte soll nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb trafen sich am vergangenen Sonnabend ehemalige Aktive in der alten Skihütte — sie ist das letzte Überbleibsel dieser Zeit — mit Kristina Geisler von der Burg Beeskow. Sie und der Leiter des Fürstenwalder Museums Guido Strohfeldt (er konnte nicht anwesend sein) interessieren sich für dieses Stück Regionalgeschichte, die öffentlich einen Platz bekommen soll.
Viele der damaligen Wintersportenthusiasten sind bereits gestorben. Aber Heinz Vormelcher (79), Hans Panten (82), Horst Lucas (88), Eckhard Kultus (78), Heinz Ortelbach (81), Uwe Myrrhe (62) , Eckhard Wolff (67) und Gisela Berndt (68) können sich an viele Einzelheiten noch erinnern. „Die Hütte, in der wir hier sitzen“, berichtet Heinz Vormelcher, „stammt aus Eggesin. In dem dortigen Armeestandort diente sie den Offizieren als Unterkunft. Wir haben sie zerlegt und 1977 in den Rauener Bergen wieder aufgebaut.“ Damals gehörte die Hütte mit Terrasse der Sportgemeinschaft (SG) Rauen, später befindet sie sich im Eigentum des Forstes. „Wir sind nur noch Pächter“, bedauert Heinz Vormelcher. Genutzt werde sie heute nur noch vom Heimatverein.
Das Highlight war die Waldschanze mit einem 18–Meter–Turm. 1999 wurde sie aus Mangel an Schnee und Nachwuchs abgerissen. Gebaut wurde sie 1955/56 in Eigenleistungen — nur die Rauener Firma Hartwig & Sohn sowie Technik „von den russischen Streitkräften für ’ne Flasche Wodka“ wurde zur Unterstützung geordert. Die Idee für eine große Schanze (eine kleine gab es bereits vor 1945, später eine zweite kleine) hatten der bereits verstorbene Thilo Schulze und Hans Panten. „Alles lief ohne Baugenehmigung und nur mit Handschlag“, berichtet der 82–jährige Petersdorfer. Das Holz für den 18 Meter hohen Anlaufturm kam aus dem Wald. Mit 20 000 DDR–Mark habe die damalige Sportvereinigung DTSB das Vorhaben unterstützt. Auch vom Rat des Kreises kam Geld. Eine technische Abnahme für die Schanze, auf der Kreis– und sogar Bezirksmeisterschaften ausgetragen worden sind, verraten die Wintersportler, habe es nie gegeben. Aber auch so gut wie keine Unfälle. Die Einweihung war Neujahr 1957.
Auf die Frage, in welchem Stil gesprungen wurde, können die Männer nur lachen. „Alles war erlaubt, da ist viel mit den Armen gerudert worden. Entscheidend waren die Weiten“, sagt Horst Lucas. Den Schanzenrekord habe der Bad Muskauer Steffen Wonde mit 33,50 Metern eingefahren. Der beste Rauener Springer sei Bäckermeister Werner Buchholz mit 30 Metern gewesen. Als die Winter immer schneeärmer wurden, entschlossen sich die Rauener Enthusiasten 1975/76, Matten auf die Schanze zu bringen. „Die Haken, die wir für das Einhängen der Matten brauchten, haben wir aus Maschendrahtzaun selber gebogen. Darunter kam Gummischrot aus der Reifenbude“, erzählt Heinz Vormelcher.
Am 1. Mai 1976 fand das erste Mattenspringen in den Rauener Bergen statt. Immer waren die Veranstaltungen sehr gut besucht. Die Schwarz–Weiß-Fotos, die Dirk Gnädig, Vorsitzender des Rauener Heimatvereins, zeigt, bestätigen das. Für Gäste von außerhalb hätten sich die Rauener außerordentlich freundlich gezeigt und diese mangels Hotel bei sich übernachten lassen. Sogar der Skispringer Hans–Georg Aschenbach, Olympiasieger von 1976, habe einmal den Rauenern seine Aufwartung gemacht.
Das letzte Skispringen auf der Waldschanze fand im Jahr 1988 statt. Den letzten Langlaufwettbewerb in den Rauener Bergen gab es 2010 auf einer 15 Kilometer langen Strecke. Der organisierte Wintersport, den viele Enthusiasten ausschließlich in ihrer Freizeit möglich gemacht haben, ist inzwischen nur noch Geschichte.