Tesla in Grünheide: Protest von Klimaaktivisten – Mahnwache vor Gericht in Fürstenwalde

Vor der Verhandlung gegen die Klimaaktivisten, die die Eröffnung der Tesla-Gigafactory in Grünheide gestört haben sollen, gibt es aktuell (7. September) eine Mahnwache in Fürstenwalde vor dem Gericht.
Manja WildeAls am 22. März 2022 die Gigafactory von Tesla in Grünheide eröffnete, waren nicht nur Elon Musk und geladene Gäste vor Ort, sondern auch Klimaaktivisten. Einige von ihnen seilten sich von Schildern über der Autobahn A10 ab – in unmittelbarer Nähe der Fabrik.
Am heutigen Donnerstag (7. September) beginnt die Verhandlung gegen drei von ihnen vor dem Amtsgericht Fürstenwalde. Für 13 Uhr ist der Prozess angesetzt. Zuvor haben sich einige Aktivisten und Angeklagte vor dem Gerichtsgebäude niedergelassen. Sie halten dort eine Mahnwache ab.
Gegen 11.30 Uhr sitzen drei junge Frauen mit großen Rucksäcken auf dem Boden. „Wir sind mit dem Zug aus Berlin gekommen“, sagt eine von ihnen. Sprecher der kleinen Gruppe ist ein Mann, der sich als Quentin vorstellt, und eben noch Absprachen mit der Polizei getroffen hat. „Es haben sich auch Vertreter der Bürgerinitiative Grünheide angekündigt“, sagt der 29-Jährige. Er gehört zu den Angeklagten.
In Fürstenwalde keine Straßen-Blockade geplant
In Fürstenwalde sei nur die Mahnwache geplant. „Laut Polizei dürfen wir Fußgänger blockieren, Autofahrer aber nicht“, sagt Quentin. Verschiedene Transparente hat das Grüppchen dabei. Die Aktion solle darauf aufmerksam machen, dass es die Verhandlung gibt. Aber auch darauf, dass eine Verkehrswende nötig sei. „48 Millionen Pkw in Deutschland sind zu viel“, sagt der junge Mann. Und darum sind die Aktivisten auch gegen die Tesla-Fabrik. Zumal auch dafür Flächen versiegelt werden.
Auch die Polizei ist vor Ort. „Wir haben eine Fläche auf der anderen Straßenseite als Versammlungsort zugewiesen“, sagt ein Polizist. Die Veranstaltung sei angemeldet. Die Straße könne für das Grüppchen nicht gesperrt werden. „Zu gefährlich“, sagt der Beamte. Und wenn sich jemand auf dem Asphalt festklebt? „Dann sind wir vorbereitet“, erklärt ein anderer Polizist.
An jenem 22. März hatten sich Protestierende in zwei Fünfer-Gruppen aufgeteilt. Eine seilte sich gegen 12.15 Uhr von einer Autobahn-Brücke zwischen Erkner und der Tesla-Abfahrt Freienbrink ab und brachten Transparente an, die andere tat das Gleiche an einer Schilderbrücke in Höhe der Spreewiesen bei Steinfurt, also zwischen dem Dreieck Spreeau und Freienbrink. Die Aktion sorgte dafür, dass die Autobahn stundenlang in beiden Richtungen gesperrt blieb.
Quentin: „Ich lebe ohne Eigentum.“
Für Quentin ist es indes nicht die erste Gerichtsverhandlung gegen Klima-Aktivisten, die er begleitet. In München, Braunschweig, Frankfurt am Main und Wolfsburg sei er auch schon dabeigewesen, berichtet er. Wie finanziert er seinen Lebensunterhalt, wenn er so viel unterwegs ist? „Ich lebe ohne Eigentum, habe kein eigenes Zimmer“, erklärt Quentin, der aus Südniedersachsen stammt. Essen hole er sich aus Containern, schlafen könne er in „Projekthäusern“, die es in verschiedenen Städten gebe.
Eine junge Frau, die sich Caro nennt, 27 Jahre alt ist, lila gefärbte Haare hat und aus Mecklenburg-Vorpommern stammt, ist ebenfalls angeklagt. Für Umweltschutz habe sie sich schon immer interessiert, „Teil der Klimagerechtigkeitsbewegung bin ich seit vier Jahren“, berichtet sie. Aktuell mache sie Bundesfreiwilligendienst und habe sich für die Verhandlung Urlaub genommen. „Es ist nicht das erste Mal, dass ich angeklagt bin“, sagt Caro.
Gespräche mit Passanten
Vor dem Gericht zieht die Gruppe Blicke von Passanten auf sich. „Wir suchen noch zwei Mitarbeiter, wenn ihr Interesse habt...“, sagt ein Mann in Arbeitsklamotten, der zufällig vorbeikommt. „Wollen Sie damit sagen, dass ich nicht arbeite?“, fragt ein weiterer junger Aktivist. Eine Polizistin stellt sich zwischen die beiden. Auch eine Radfahrerin hält an und sucht das Gespräch. „So wenige können die Welt nicht ändern“, hält sie den Mahnenden entgegen. Eine Autofahrerin ist weniger zimperlich gegenüber den Aktivisten. Zweimal fährt sie hupend am Fürstenwalder Amtsgericht vorbei, zeigt eine beleidigende Geste und beschimpft die Gruppe.
Bürgerinitiative: „Die falschen stehen vor Gericht.“
Unterstützung erhalten die Angeklagten von einigen Vertretern der Bürgerinitiative Grünheide (BI), die mit einem weiteren Transparent hinzugekommen sind. Steffen Schorcht von der BI sagt: „Hier stehen die Falschen vor Gericht.“ Nach seiner Auffassung müssten Vertreter der Landespolitik, der Aufsichtsbehörden und von Tesla angeklagt werden. Als Grund nannte er zahlreiche Störfälle, die es seit der Inbetriebnahme von Tesla gegeben habe und die er auch auf den schnellen Produktionsstart der Autofabrik mit zahlreichen Ausnahmegenehmigungen zurückführt.

Leichte Verzögerung vor dem Prozessstart in Fürstenwalde: Um 13 Uhr sollte die Verhandlung gegen die Klimaaktivisten, die bei der Eröffnung der Tesla-Gigafactory die Autobahn A10 blockierten, losgehen. Doch kurz nach 13 Uhr hatten noch nicht alle den Einlass passiert. Auch Steffen Schorcht von der Bürgerinitiative Grünheide (mit grüner Tasche) ist dabei.
Manja WildeGegen 13 Uhr betreten die Angeklagten und ihre Unterstützer unter den wachsamen Blicken der Polizisten und Justizbeamten das Gebäude des Amtsgerichtes.


