Kormorane am Scharmützelsee
: Keine Brutpaare in Sicht - Vögel fliehen von Inseln

Schon seit Jahren bevölkern Kormorane in großer Zahl die Region am Scharmützelsee. Auszählungen zeigen einen starken Rückgang auf. Woran das liegen kann.
Von
Susanne Hübscher
Bad Saarow
Jetzt in der App anhören
Vertrieben vom Scharmützelsee: die Kormodore. Sie werden noch täglich in Scharen gesichtet, aber ihre Brutstätten haben sich in den letzten Jahren drastisch verkleinert.

Vertrieben vom Scharmützelsee: die Kormorane. Sie werden noch täglich in Scharen in den Baumkronen gesichtet, aber ihre Brutstätten haben sich in den letzten Jahren drastisch verkleinert.

Marcel Gäding

Das klare Wasser des Scharmützelsees lockt neben Anglern auch eine Vielzahl von Tieren an. Ganz unbekannt sind die kleinen Inseln und ihre tierischen Bewohner nicht. Kapitäne drehen manchmal eine Extrarunde um die Inseln. Kormorane sind seit vielen Jahren dort zu bestaunen. Sie sind aus dem Scharmützelsee-Bild nicht mehr wegzudenken. Doch seit geraumer Zeit gibt es weniger Jungtiere und weniger Brutpaare. Woran das liegt.

Das Land Brandenburg lässt in regelmäßigen Abständen die Brutbestände der Kormorane durch das Landesamt für Umwelt (LfU) auszählen. Karolin Ring, Leiterin Presse und Kommunikation, weist auf die Statistiken und Analysen hin.

Das in der Region bekannteste Kormoran-Gebiet auf dem Scharmützelsee ist der Kleine Werl. Vor vier Jahren hatte die kleine Insel 459 Kormoran-Brutpaare in den Bäumen und Kronen zu sitzen. Damals wurde bereits ein kleiner Rückgang zum Vorjahre aufgezeigt. Dafür gab es im selben Jahr eine Ansiedlung (54 Brutpaare) auf dem Großen Werl. Im Folgejahr verzeichnete der Kleine Werl fünf Brutpaare weniger (454 Brutpaare).

Den stärksten Rückgang gab es 2022– bei der ersten Jahreszählung waren es noch 111 Brutpaare, später im Mai nur noch 56 besetzte Nister. Anfang Juni konnten Beobachter nur noch herunterhängende und zerstörte Nester auf der Insel entdecken. Die Insel war, bis auf 21 teilnahmslose Altvögel am Rande der Kolonie, verlassen.

Kurze Dauer auf dem Großen Werl

Auf dem großen Bruder – dem Großen Werl – wurden 2020 noch 54 Brutpaare gezählt, die sich dort zur Aufzucht niedergelassen haben. 2019 waren es 42 Nestern weniger. Schon im Folgejahr (2021) wurden keine Brutpaare mehr gesichtet – eine Besiedlung der Teilkolonie blieb auf dem Großen Werl aus.

Mit dem starken Rückgang vor zwei Jahren auf dem Kleinen Werl, siedelte sich eine kleine Kolonie an der Dorfstelle in Saarow an. 233 Brutpaare wurden 2022 gezählt. Das LfU nimmt an, dass sich zwei Drittel der Scharmützelsee-Kormorane dorthin umsiedelten. Anfang Juni wurden damals alle Nester, bis auf zwei, geplündert. Letztes Jahr im Frühjahr probierten zehn balzende Kormorane noch ihr Glück, bauten aber keine Nester und verließen die Insel.

„Der aktuelle Stand aus dem Sachbereich Artenschutz ist der, dass die Kolonie auf dem Kleinen Werl erloschen ist. Auch Ansiedlungsversuche auf dem Grüßen Werl und auf der Eibenhof-Halbinsel waren nur von kurzer Dauer“, teilt Karolin Ring mit.

Waschbären könnten am Brutverlust Schuld sein

„Eines zeigen die Berichte aber überdeutlich: Der Kormoran hat in nur kurzer Zeit in Brandenburg Bestandseinbrüche hinnehmen müssen“, erklärt Ring. Am Großen sowie Kleinen Werl – die Vermutung seitens des Sachbereichs Artenschutz liegt nahe, dass Waschbären die Ursache für die Brutverluste den Kormoranen sein könnten. Waschbären sind gute Schwimmer und können theoretisch, laut Ring, jede Insel in einem See in Brandenburg schwimmend erreichen.

Oliver Kobelt, der Fischer vom Scharmützelsee auf dem Weg zu seiner Reuse am Kleistpark in Bad Saarow.

Oliver Kobelt, der Fischer vom Scharmützelsee auf dem Weg zu seiner Reuse am Kleistpark in Bad Saarow.

Ruth Buder

Ring erklärt, dass die Waschbären soviel Nahrung in unserem Zivilisationsmüll finden und sie nicht auf den Kormoran angewiesen sind. Solange sie aber in einer Kormorankolonie satt werden, haben sie keinen Grund aus dem Schlaraffenland auszuwandern.

„Außer dem Menschen hat es bisher keine Art geschafft, seine eigene Nahrungsbasis auszurotten. Auch wenn der Einfluss des Waschbären einzelne Brutkolonien zum Erlöschen bringen kann, wird er die Art nicht ausrotten“, so die Pressesprecherin.

Scharmützelsee-Fischer begrüßt weniger Kormorane

„Zurzeit sieht man teilweise mehr als 400-500 Kormorane früh, um halb 9 zum Frühstück auf dem See einfliegen“, berichtet Oliver Kobelt von der Fischerei Scharmützelsee. „Die schwarzen Vögel sind auf jeden Fall da“, aber wo sich der Aufenthaltsort der Tiere befinde, weiß Kobelt nicht. Auch Jungvögel seien dabei – die erkennt Kobelt an dem weißen Hals. „Auch größere Ansammlungen von Kormoranen sind da ganz normal und außerhalb der Brutzeit kein Indiz für eine beginnende Ansiedlung einer Kolonie“, erklärt Ring.

Seit vielen Jahren teilt er den Scharmützelsee mit den schwarzen Vögeln, denn die Tiere stehen unter Naturschutz – da könne Kobelt sowieso nichts machen, denn sein Pachtvertrag will er natürlich behalten. „Mein Wunsch wäre es, die Kormorane zu dezimieren, nicht gänzlich verschwinden zu lassen“, erwähnt der Berufsfischer.

„Eine Anfrage bei einem örtlichen Ornithologen hat ergeben, dass auf dem Großen Werl aktuell vor allem von einem Tagesrastplatz auszugehen ist“, teilt Ring mit. „Die Vögel fliegen regelmäßig über 40 Kilometer von ihren Brutkolonien zu Nahrungsgewässern.“