Tierheim Märkisch Buchholz: Hund Percy jahrelang ohne Besitzer – warum findet er kein Heim?

Percy ist seit drei Jahren im Tierheim Märkisch Buchholz. Bis heute fand sich kein neuer Besitzer.
Marcel GädingVom Hauptgebäude des Tierheims Märkisch Buchholz (Dahme-Spreewald) geht es über zugeschneite Wege, vorbei an vielen Hundezwingern, zu Percy. Der Himmel ist blau, Schnee hat sich auf die Äste der riesigen Kiefern gelegt. Dr. Burkhard Wendland schreitet zügig zum hinteren Teil des Tierasyls, wo er schon sehnsüchtig erwartet wird. „Mehrmals in der Woche gehe ich zu Percy, beschäftige mich mit ihm“, sagt der Vorsitzende des Tierschutzvereins Königs Wusterhausen. Für ein Leckerli macht Percy Sitz oder Platz. In jedem Fall genießt er die Aufmerksamkeit seiner Pflegerinnen und Pfleger.
Der Rüde, der im Mai fünf Jahre alt wurde, hat die meiste Zeit seines Lebens im Tierheim verbracht. An einem kalten Februarmorgen 2020 war er einem Passanten am Nottekanal in Königs Wusterhausen quasi in die Arme gelaufen. Die Feuerwehr brachte den Streuner schließlich ins Tierheim nach Märkisch Buchholz. Allem Anschein nach hatten die früheren Besitzer den Hund ausgesetzt und sich ihm selbst überlassen.
Hundehalterverordnung Brandenburg sorgt für große Probleme
Dass es ihm an Grunderziehung fehlt, ist wohl Percys geringstes Problem. Der Rüde gehört zu den Rassen, die nach der derzeit gültigen Hundehalterverordnung von Brandenburg als gefährlich einzustufen sind. Hohe Auflagen sorgen dafür, dass sogenannte Listenhunde oft Jahre in Tierheimen verbringen müssen. In Märkisch Buchholz trifft das auf 10 der derzeit 20 untergebrachten Vierbeiner zu.

Der Pittbull-Mix Loui kam im September 2019 ins Tierheim Märkisch Buchholz. Auch er sucht dringend ein neues Zuhause.
Marcel Gäding„Percy hat noch nie gebissen“, sagt Burkhard Wendland. „Allein wegen seiner Rasse ist er gebrandmarkt.“ Finden sich Hundefreunde, die Percy ins Herz schließen, schrecken sie vor den Hürden einer möglichen Vermittlung zurück. So werden ein polizeiliches Führungszeugnis, Sachkunde des neuen Halters und ein Wesenstest verlangt. Das macht den Umzug des Rüden in ein neues Zuhause so gut wie unmöglich.
Weil jedes Bundesland eigene Regeln zum Halten und Führen von Hunden aufstellt, gibt es noch eine letzte Chance. Kämen Interessenten aus Berlin oder Niedersachsen, könnte der Hund dort gehalten werden. Denn diese Bundesländer haben Hunde nicht qua Rasse als gefährlich eingestuft.
Viele Hunde sind im Tierheim Märkisch Buchholz schwer vermittelbar
Auf gut anderthalb Seiten hat Tierheimleiterin Maria Schwarz mit ihren Kolleginnen die Namen und Daten der Hunde erfasst, die wegen ihrer Rasse, ihres Alters oder ihrer Erkrankungen als schwer bis gar nicht vermittelbar eingestuft sind. Langsitzer werden diese Vierbeiner gern bezeichnet. „Mir tun diese Hunde leid“, sagt Burkhard Wendland. Der promovierte Tierarzt hatte 1991 gemeinsam mit seiner Frau und fünf weiteren Mitstreitern den Tierschutzverein Königs Wusterhausen gegründet, 1994 auf einem einst von den DDR-Grenztruppen genutzten Areal in Märkisch Buchholz das dringend benötigte Tierheim eröffnet.
Tierheim auch für Storkow und Lieberose zuständig
Das Tierheim Märkisch Buchholz hat mit 14 Kommunen – von Schönefeld im Norden, Storkow im Osten, Rangsdorf im Westen und Lieberose-Oberspreewald im Süden – sogenannte Fundtierverträge abgeschlossen. Die Städte und Gemeinden zahlen für einen gewissen Zeitraum Pauschalbeträge für die herrenlosen Hunde, Katzen, Kleintiere oder Stubenvögel. Meldet sich kein rechtmäßiger Besitzer, gehen die Tiere in die Vermittlung. Derzeit ist das Tierheim das Einzige im gesamten Landkreis Dahme-Spreewald. Eine ähnliche Einrichtung in Langengrassau bei Luckau hatte im Sommer 2023 ihren Betrieb eingestellt.

Katzenmädchen Elly kam im Oktober verletzt ins Tierheim. Die drei Monate alte Samtpfote sucht ein Zuhause ohne Freigang. Ungewiss ist, ob ihr eine Pfote amputiert werden muss.
Marcel GädingTierheim Märkisch Buchholz ist auf Spenden angewiesen
„35.000 Euro müssen wir im Monat aufbringen, unter anderem für Personal, Tierarztkosten, Futter, Energie“, sagt Burkhard Wendland. Nicht einmal 15 Prozent der Kosten werden über die Kommunen gedeckt. Ein Großteil des benötigten Geldes stammt aus Spenden, Erbschaften oder Mitgliedsbeiträgen, Abgabe- oder Vermittlungsgebühren. Hin und wieder fließt auch Fördergeld vom Land. Nur so war es beispielsweise möglich, im vergangenen Jahr einen Erweiterungsbau für Hunde und Katzen zu errichten, der den neuesten Standards entspricht. Geld aber für Tiere, die länger im Tierheim bleiben, zahlt der Staat nicht.
Neues Hundegesetz für Brandenburg könnte Erleichterung bringen
Deutlich schneller könnten Langsitzer, die wegen ihrer Rasse kaum eine Alternative zum Tierheim haben, vermittelt werden. Aktuell ist im Gespräch, in Brandenburg ein Hundegesetz einzuführen, das die bisherige Verordnung ersetzt. „Neben einer Sachkunde fordern wir unter anderem die Abschaffung der Liste sogenannter gefährlicher Hunde“, sagt Burkhard Wendland. Das würde die Vermittlung deutlich erleichtern, die Aufenthaltsdauer im Tierheim enorm verkürzen und den von aktuell 243 Mitgliedern getragenen Tierschutzverein finanziell entlasten.
Noch ist unklar, ob die Forderungen der Tierschützer vom Land Brandenburg übernommen werden. Klar ist aber: Ändert sich nichts, heißt das für Percy und seine Artgenossen, womöglich ihren Lebensabend im Tierheim zu verbringen. Einen kleinen Trost gibt es für die armen Vierbeiner – in Form von ehrenamtlichen Tierfreunden, die mehrmals in der Woche mit ihnen Gassi gehen.
Weihnachtsfest der Tiere
Der Tierschutzverein Königs Wusterhausen lädt am 2. Dezember von 10 bis 15 Uhr zu seinem Weihnachtsfest für die Tiere ein. Wer möchte, kann an diesem Tag Futter spenden, aber auch Katzenstreu, Spielzeug oder Geld. Das Tierheim, Am Tierheim 1, 15757 Halbe, ist darüber hinaus dienstags und donnerstags von 10 bis 12 Uhr sowie 15 bis 17 Uhr und sonnabends von 10 bis 12 sowie 13 bis 15.30 Uhr geöffnet.
Steuerabzugsfähige Spenden sind möglich: IBAN: DE81 1009 0000 7213 9490 09, BIC: BEVODEBB, Empfänger: Tierschutzverein – Tierheim. Informationen, auch zu Percy und den anderen 118 Tierheimbewohnern, gibt es im Internet unter www.tierschutzverein-kw.de oder unter Tel. 033765 80689. (gäd)



