Umwelt
: Ein Katamaran im Dienste der Forschung

Vom Lehrstuhl Gewässerschutz werden seit 1993 in Bad Saarow wichtige Daten über den Scharmützelsee aufgezeichnet.
Von
Bettina Winkler
Bad Saarow
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  • Für das hauseigene Labor:  Ingo Henschke nimmt regelmäßig Wasserproben aus dem Märkischen Meer. Diese werden analysiert, die Ergebnisse aufgezeichnet.

    Für das hauseigene Labor:  Ingo Henschke nimmt regelmäßig Wasserproben aus dem Märkischen Meer. Diese werden analysiert, die Ergebnisse aufgezeichnet.

    Bettina Winkler
  • Blick aufs Wasser: Biologin Jacqueline Rücker an der Multiparameter-Sonde.

    Blick aufs Wasser: Biologin Jacqueline Rücker an der Multiparameter-Sonde.

    Bettina Winkler
  • Liegeplatz mit Messstation: Der Forschungskatamaran ist neben dem Seebad festgemacht.

    Liegeplatz mit Messstation: Der Forschungskatamaran ist neben dem Seebad festgemacht.

    Bettina Winkler
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Er misst zu jeder Jahreszeit auch mit Secci–Scheibe und Aquaskop an mehreren Stellen im Scharmützelsee die Sichttiefe. „Sichttiefe ist ein Maß für die Trübung, die meist durch mikroskopisch kleine Algen hervorgerufen wird. Das sind kleine Pflanzen, die im Wasser schweben. Je mehr Nährstoffe vorhanden sind, desto mehr Algen wachsen und desto schlechter die Wasserqualität“, erläutert Biologin Jacqueline Rücker.

Parameter für Wasserqualität

Außerdem werden regelmäßig Wasserproben abgefüllt, die im Labor auf Nährstoffkonzentration und unter dem Mikroskop auf vorhandenes Phytoplankton wie Blaualgen untersucht werden. Mit der Multiparameter–Sonde, ein Metallrohr, das direkt vom Schiffsboden ins Wasser ragt, wird ein jeweiliges Tiefenprofil von Sauerstoffgehalt, ph–Wert, Leitfähigkeit und Trübung erstellt. Über das Redox–Potential erhalten die Wissenschaftler Auskunft über die Schwefelwaserstoffkonzentration im See. Ist diese zu hoch, gibt es weniger Sauerstoff für wichtige Fischnährtiere  wie Muscheln und Insektenlarven, was wiederum den Fischbestand reduziert.

„Die jahreszeitbedingten Phasen von erhöhtem Schwefelwasserstoff sind kürzer geworden und reichen nicht mehr soweit an die Wasseroberfläche“, erläutert die Biologin. War zu Beginn der Aufzeichnungen in schon sechs Metern Tiefe Schwefelwasserstoff nachweisbar, sind es jetzt sieben Meter. Damit ist mehr Lebensraum für die Wasserbewohner gewonnen. Die Fischer von Schwarzhorn erhalten dazu regelmäßig Grafiken.

„Wir haben bei der Konstruktion des Bootes unsere 20–jährige Erfahrung mit eingebracht“, sagt Ingo Henschke stolz. Vorher waren die Wissenschaftler mit drei kleinen Booten unterwegs, was die Aufgabe erschwerte.  Mit  dem elektrobetriebenen Katamaran haben sich die Arbeitsbedingungen enorm verbessert. Auf dem Dach hat er eine solarbetriebene Wetterstation, die kontinuierlich Daten aufzeichnet, die online abrufbar sind. „Das Boot kann auch als autarke mobile Messstation eingesetzt werden“ erläutert Henschke. An Deck befindet sich eine Art Galgen mit Hand– und Motorwinde für schwere Werkzeuge oder Anker. Zudem sind Messgeräte an Bord, die unerlässlich für die Ermittlung der Langzeitdaten über den Scharmützelsee sind.

Seit 1993 ist der  Lehrstuhl Gewässerschutz der BTU Cottbus–Senftenberg in der Seestraße in Bad Saarow ansässig. Seitdem werden das Märkische Meer und weitere elf Gewässer der Seenkette — bis sie in die Dahme mündet — untersucht und die Ergebnisse dokumentiert. Dazu gehören auch Storkower See und Langer See bei Prieros. „Es ist eine erstaunliche und fast einzigartige  Langzeitdatenbank entstanden, die Informationen zu den verschiedensten Jahreszeiten liefert“, sagt Jaqueline Rücker stolz.

Studenten der BTU Cottbus–Senftenberg nutzen die Ergebnisse bei ihren Praktika vor Ort oder für Master– und Bachelorprojekte. Es gibt Zeiten, da sind bis zu zwölf Studenten im Lehrstuhl für Gewässerschutz aktiv. Es kommen aber auch  Anfragen von anderen Forschungsinstituten.  Amerikaner haben zum Beispiel eine Studie erstellt, wie sich der Winter auf die Wasserqualität in Seen auswirkt.

Die Bad Saarower Forscher konnten helfen. Denn Ingo Henschke ist auch im Winter bei Eis auf dem See unterwegs. Dafür nutzt er einen speziellen Schlitten, der aus Sicherheitsgründen — falls das Eis bricht — mit einem Schlauchboot bestückt ist. Für die Messungen und Wasserproben wird dann mit einer Kreissäge  ein großer viereckiger Block aus dem Eis gesägt. Bei einer Dicke von 40 Zentimetern — in dem strengen Winter 1996/97 keine Seltenheit — ein Knochenjob. Die Amerikaner haben die Scharmützelseedaten über Eisbedeckung und Schneeauflagen in einer internationalen Publikation veröffentlicht. Die Forscher geben auch gern Auskunft an Interessierte. Vor allem Urlauber wollen oft wissen, warum der Katamaran im Einsatz ist.