Am Sonntagabend redet Franziska Giffey (SPD) im Bad Saarower Hotel Esplanade über „30 Jahre deutsche Einheit“. Der Auftritt der Bundesfamilienministerin ist der offizielle Auftakt des 5. Ostdeutschen Wirtschaftsforums, einem Spitzentreffen von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. So etwas wie der inoffizielle Beginn dieser auch „Davos des Osten“ genannten dreitägigen Veranstaltung findet allerdings zuvor schon am Nachmittag statt: Um kurz vor 15 Uhr trifft sich Bad Saarows Bürgermeister Axel Hylla (Linke) mit Teilnehmern des Treffens an der Schwanenwiese. Von dort geht es bei bestem Ausflugswetter passenderweise mit dem Schiff „Bad Saarow“ auf eine Scharmützelsee-Runde.

Bei „Talk übern See“ Attraktivität des Ortes aufgezeitg

„Ich bin grundsätzlich für solche Anfragen offen“, so Axel Hylla über sein Engagement, „vielleicht kann ich der Tour auch etwas Würze geben und Bad Saarow noch bekannter machen.“ Unter der Überschrift „Talk übern See“ sollen sich die teilnehmenden Wirtschaftsvertreter und Politiker von der Attraktivität des Kurorts überzeugen. „Wir haben das in den vergangenen Jahren auch schon gemacht“, sagt Mit-Organisatorin Helga Nehring. „Wer zum Ostdeutschen Wirtschaftsforum kommt, soll auch Bad Saarow kennenlernen – und das geht vom Wasser aus besonders gut.“

Rund 300 Segelboote umlagern den Scharmützelsee

Fakten und Daten erläutert dabei zunächst ein anderer Experte: Schiffsführer Falk Drescher erzählt übers Bord-Mikrofon beispielsweise, dass an den Anlegern des Scharmützelsees rund 300 Segelboote liegen. Bei Bürgermeister Axel Hylla geht es im persönlichen Gespräch anschließend eher um die Wirkung des Kurorts auf Bewohner und Gäste. „Für mich ist Bad Saarow die Top-Destination für Tagungen“, sagt er, „zumindest, wenn sie nicht ins urbane Umfeld wollen.“ Von einem guten Mix aus Alteingesessenen und Zugezogenen in seiner Gemeinde spricht der Linken-Politiker, während draußen Villen und Strände vorbeiziehen. „Gerade neue Einwohner haben manchmal auch weniger Betriebsblindheit wie ich nach vielen Jahren.“

Großer Zuzugsdruck überrollt Bad Saarow fast schon

Nach der Entwicklung der Bevölkerungszahl des Orts fragt Tobias Grohmann, Geschäftsführer einer Berliner Personalentwicklungs-Firma. Der Bürgermeister holt in diesem Fall aus: Es gebe einen großen Zuzugsdruck, der sich noch verstärken dürfte, wenn der BER-Flughafen und die Tesla-Fabrik im 30 Kilometer entfernten Grünheide an den Start gehen. „Wir haben in den zurückliegenden Jahren geradezu eine Explosion der Bodenrichtwerte erlebt“, so Hylla, „der Andrang überrollt uns fast.“ Hier bestehe aus seiner Sicht Steuerungsbedarf: „Denn wir wollen, dass junge Menschen, die in Bad Saarow bleiben wollen, hier auch eine Wohnung finden.“

Ausflug findet großen Anklang

Die Idee mit dem Ausflug zu Beginn des Wirtschaftsforums findet nach einer knappen Stunde Fahrt großen Anklang. „Das ist eine tolle Idee, so etwas anzubieten“, so Tobias Grohmann, „und wir haben ganz klar davon profitiert, dass der Bürgermeister als Fachmann dabei war.“ Für die Teilnehmer der Schifffahrt geht es nach diesem entspannten Auftakt mit der Rede von Franziska Giffey (SPD) auf der Außenterrasse des Hotels „Esplanade“ weiter. Die Bundesfamilienministerin spricht sich dort unter anderem dafür aus, dass mehr Menschen mit ostdeutscher Biografie Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft bekleiden müssten. Eine Forderung, die auch Bad Saarows Bürgermeister Axel Hylla gern gehört haben dürfte.