Fleischer in Heinersdorf: Schlachthof hautnah – Kinder stellen selbst Wurst her

Stolz auf ihre erste selbstgemachte Wurst: Lennis (v.l.), Mats und Levi vom Heinersdorfer Schulhort haben beim Landschlachthof Lehmann selbst Hand anlegen dürfen. Was das besondere an dem Lebensmittel ist und wie sie den Kindern wohl schmeckt?
Cornelia Link-Adam„Das riecht hier schon ein bisschen komisch, aber daran gewöhnt man sich“, sagt Alea. Das zierliche Mädchen ist das erste Mal beim Landschlachthof Lehmann bei Heinersdorf. Bevor die Kinder aus dem Verkaufs-Hofladen überhaupt die Produktionsräume betreten dürfen, bekommen sie wegen der Hygiene-Vorschriften allesamt Häubchen, blaue Schürzen und Schuh-Überzieher verpasst.
Und dann stehen sie staunend im sogenannten Wurst-Raum. Dort erklärt ihnen Fleischemeister Lutz Lehmann – der seinen Landschlachthof seit 2003 an der B5 zwischen Heinersdorf und Müncheberg betreibt, wie er aus Tieren Lebensmittel herstellt. Führungen für den Nachwuchs, das macht das Familienunternehmen – aktuell gibt es zwei Lehrlinge und eine Verkäuferin – schon lange.
Lebensmittel ohne Zusatzstoffe herstellen
Und die Heinersdorfer Hortkinder sind ganz bewusst hergekommen, haben sie sich doch schon die ganze Woche mit der Fragestellung „Fertigessen - schnell, gut, preiswert?“ beschäftigt. Da wurde schon Tiefkühlpizza selbst gemacht, eigener Ketchup aus Tomaten aus dem Hortgarten hergestellt, ebenso Kartoffeln geerntet, die zu Pommes werden sollen. Wie Bio-Gemüse angebaut wird, haben sie tags zuvor beim Landgut Neuendorf erfahren und nun wollen sie alle ihre eigene Wurst herstellen.
„Uns geht es darum, den Kindern zu zeigen, wo überall Zusatzstoffe drin sind. Die man eigentlich nicht braucht. Man kann auch frisch, naturbelassen und gesund kochen“, erklärt Manuela Mosters, die Leiterin der Kita „Pfiffige Kobolde“ und Chefin des Schulhorts der Heinersdorfer Grundschule. Gelernt haben die Kinder auch, dass Apfelreste nach dem Auspressen noch nutzbar sind. „Genau sowas muss man essen, das sind viele gesunde Ballaststoffe drin“, erzählen sie.
Fleischberge wandern durch die Maschinen
Im Wurstraum zeigt Lutz Lehmann den Jungen und Mädchen, darunter 14 Vorschulkinder, wie praktisch seine Arbeit angelegt ist. In einem großen Bottich hat er bereits reines Rindfleisch durchgewolft. Aus der Schnecke fallen lange Fäden. „Das ist perfektes Material für Burger und Hackepeter“, sagt Lehmann.

Zu Besuch bei Landfleischerei Lehmann: Lutz Lehmann zeigte den Hortkindern aus Heinersdorf, wie Rindfleisch durch den Wolf gedreht wird.
Cornelia Link-AdamEr trägt den Berg an Fleisch weiter zum sogenannten Kutter. Das ist eine Misch-Maschine mit Messern. Zum Fleisch gibt er nur Salz und Gewürze dazu wie Pfeffer und Majoran. „Aber keine weiteren Zusatz- oder Konservierungsstoffe“, stellt er klar.

Was kommt in die Masse für die Wurst? Lutz Lehmann zeigt es den Hortkindern aus Heinersdorf - nur Salz und Gewürze, keine Konservierungsstoffe.
Cornelia Link-AdamZuerst wird die Masse mit 150 Umdrehungen die Minute für eine paar Minuten durchgeknetet, dann reguliert er die Geschwindigkeit. „Das Fleisch muss geschmeidig werden. Die Fette sich verbinden. Das gelingt am besten mit wenig Hitze, bei 2 Grad wie jetzt, oder gar Minusgraden.“ Die Kinder staunen, wie schnell das funktioniert.

Warten auf die richtige Konsistenz: Die Heinersdorfer Kids vor dem sogenannten Kutter, worin die Wurstmasse mit Gewürzen und Salz mehrere Minuten durch Messer-Einsatz und Bewegung zu einer gleichmäßigen Masse verarbeitet wird.
Cornelia Link-AdamRan an den Darm – Kinder eifrig dabei
Der Bouletten-Klops wandert in den Wurst-Vakuum-Füller, wird durch die Maschine gedrückt. Und an der Seite wartet schon der aufgefädelte Darm darauf, gefüllt zu werden. „Jetzt machen wir Wurst. Wer will zuerst?“, fragt Lehmann. Die Kinder reißen die Arme hoch. Nach und nach kommt jeder ran. Mit etwas Hilfe vom Chef und Schwung zum Verknoten der Enden entstehen tatsächlich ansehnliche Würste. Jede gut 100 bis 110 Gramm schwer.

Wurst selbst machen: Lutz Lehmann lässt jedes Kind seine eigene Wurst herstellen, hilft auch Florian (7) am Vakuum-Füller beim Einfüllen der Wurstmasse in den Darm.
Cornelia Link-AdamUnd die Kinder bringen ihre selbst hergestellte Wurst stolz nebenan zum Tablett. Dort bekommen sie auch jeweils einen Namenszettel dazu. „Ich habe sowas ja noch nie gemacht“, erklärt Romy (6) aus Behlendorf. Wurst esse sie gerne, fügt auch Antonia an.

Handgemacht von Kinderhand: Die von den Heinersdorfer Hortkindern erstellten Würste wurden jeweils auch mit Namen versehen - dann gings Richtung Grill.
Cornelia Link-AdamSelbst anfangs schüchterne Kinder machen mit
Auch Florian (7) strahlt über sein Ergebnis. Und Lennis, Mats und Levi finde ihre Würste schon jetzt „zum Anbeißen.“ Selbst ein Mädchen, dass zuerst von der ganzen Atmosphäre wenig angetan war, hat nach gut einer halben Stunde als eines der letzten Kinder sich dann doch noch getraut – und bringt ihre Wurst zu den Erziehern und Helfern der Fleischerei.

Ich mach mir meine eigene Wurst im Darm: Das schafft auch Romy (6, Behlnedorf) dank Unterstützung vom Heinersdorfer Fleischermeister Lutz Lehmann an dessen Vakuum-Füller.
Cornelia Link-AdamBlick in die Zerlege-Abteilung – kein Ekel
Etwas ehrfürchtig und dennoch sehr interessiert beobachten die Hortkinder auch die angrenzende Zerlege-Strecke. Da hängen halbe Schweine am Haken, werden Fleischstücke von Mitarbeitern fachgerecht zerlegt.

Blick in die Zerlege-Strecke: Schweine am Haken und wie sie in verschiedene Portionen zerteilt werden, auch das konnten sich die Heinersdorfer Hortkinder beim Besuch des Landschlachthofs Lehmann ansehen.
Cornelia Link-AdamDass der Landschlachthof nicht nur Rinder, Schweine, Ziegen und Pferde aus konventioneller Haltung ankauft und deren Wurst und Fleisch im Hofladen anbietet, berichtet Chefin Bettina Lehmann. Das Unternehmen sei aber auch bio-zertifiziert, schlachte Tiere für den Bad Saarower Hof Marienhöhe, den Landhof Jahnsfelde oder Demeterhof Dannenberg. Deren Mitarbeiter portionieren dann selbst im Haus, holen ihre Waren ab.
Erzeugnisse kommen auf den Grill
Während dessen ist draußen auf dem Hof der Grill schon heiß. Die Grillwürste kommen nach und nach auf den Rost. Die Namen hallen über den Platz – das jeweilige Kind holt sich sein Essen ab. Dazu gibt es selbstgemachte Pommes und Ketchup. „Schmeckt lecker“, findet Jamiro Koch (6) aus Arensdorf. Auch Kira fand den Ausflug zum Fleischer sehr interessant.

Schmeckt lecker: Begeistert über ihre selbstgemachte Rindswurst vom Grill mit Pommes sowie Ketschup, geschaffen aus Kartoffeln und Tomaten aus dem Hortgarten, waren die Heinersdorfer Hortkids Kira (6, Heinersdorf) und Jamiro (6, Arensdorf) zum Abschluss des Besuchs beim Landschlachthof Lehmann.
Cornelia Link-AdamSchlachtefest für Jedermann am 10. September
Dennoch seien die Zeiten schwierig geworden, fügt Bettina Lehmann beim Pommes-Machen an. Das liege nicht nur am Mindestlohn, sondern auch an gestiegenen Kosten für alle Bereiche. „Fleischer ist ein Job, den kaum noch einer machen will“, sagt sie. Wer sich ansehen will, wie Produkte aus regionaler Herstellung entstehen – am 10. September ist wieder Schlachtefest auf dem Hof, mit Essen, Musik und Führungen.



