Ärzte helfen: Granseer Spendengeld gut angelegt

Schilderte Eindrücke seiner Reise: Dr. Matthias Bormeister, Vorsitzender des Vereins "Ärzte helfen" und auch Chef des Schul-Fördervereins mit Schulleiter Dr. Uwe Zietmann (von rechts)
Matthias HenkeEin lang gehegter Wunsch sei es gewesen, für die Klinik des Arbeiter-Samariter-Bundes in Serekunda, die seit Jahren vom Verein „Ärzte helfen“ unterstützt wird, ein Großröntgengerät anzuschaffen. Listenpreis: 26 500 Euro. "Damit wäre die gesamte Summe, die beim Spendenlauf im vergangenen Jahr zusammenkam, aufgebraucht gewesen“, so Bormeister. Doch schließlich gelang es, die Summe um 10 000 Euro zu drücken. Für das gesparte Geld konnten Fachleute zur Installation des Gerätes nach Gambia geschickt werden. Als weiteres Hindernis entpuppte sich der Schiffsverkehr. Das Container-Schiff musste auf dem Weg nach Gambia auf den Kanaren eine Zwangspause einlegen, erreichte den Zielhafen dann aber noch noch kurz bevor das neue Gerät zum Einsatz kommen sollte. Es passte gerade so durch die durch. „Zwei Millimeter Platz war da noch, um es ins Behandlungszimmer zu rangieren, sonst hätten sie die Zargen rausstemmen müssen“, schilderte Bormeister die Platzverhältnisse. Nicht müde wurde der Vorsitzende von „Ärzte helfen“ mit Blick auf die Schüler von „eurem Röntgengerät“ zu sprechen, haben sie doch mitgeholfen, es zu finanzieren.
Am Freitag, 15. März, flog Matthias Bormeister via Brüssel und Dakar (Senegal) nach Gambia – für zehn Tage. „Kaum angekommen, stand schon die Teambesprechung an“, sagte er. Das Team vor Ort hatte bereits eine lange Liste operationswürdiger und -williger Patienten zusammengestellt. Vier Chirurgen und eine Anästhesistin sowie einheimisches Personal waren im Einsatz. „Es sind oft unbehandelte Entzündigungen, die zu Tumoren und Kieferklemmen führen“, so Bormeister. Einer Frau wurde etwa ein handballgroßer und zweieinhalb Kilogramm schwerer Tumor entfernt. Nun hat sie keinen Unterkiefer mehr, ist aber dennoch glücklich. Einer anderen Frau musste ein falsch zusammengewachsener Kieferknochen mit Hammer und Meißel wieder gebrochen werden, damit sie ihren Mund wieder öffnen konnte.
Mehrere Babys mit Gaumenspalten wurden ebenfalls operiert. In Deutschland würde ein derartiger Eingriff 10 000 bis 12 000 Euro kosten. Die in Gambia in der ASB-Klinik operierenden Ärzte tun dies aber ehrenamtlich. „Die Gambianer wollen aber unbedingt etwas als Gegenleistung geben, nach dem Motto ,Was nichts kostet, ist auch nichts wert’“, so Bormeister. Das kann dann auch mal eine riesige Pfanne mit Reis, Hühnchen, Knoblauch und allerlei Gewürzen sein, um die die Fliegen brummen.
Eindrucksvoll bebilderte der Zahnarzt seinen Vortrag mit Aufnahmen der Missbildungen, Operationszenen und Fotos der einst entstellten Patienten nach erfolgreichem Eingriff. Umfangreich sei der Einsatz dokumentiert worden, doch viele Aufnahmen seien wohl nur für Mediziner geeignet, begründete Bormeister seine Auswahl.
Einige Dinge gingen auch ihm nahe. Ein kleines Mädchen etwa mit komplett verbranntem Rücken, von dem die eigene Familie nichts mehr wissen wollte. Eine Tante, die selbst keine Kinder bekommen konnte, nahm sich der Kleinen an und brachte sie in die Klinik. Sechs Stunden dauerte die Operation. „Da habe ich sehr mit mir zu tun gehabt, die Emotionen nicht voll rauszulassen“, gab Bormeister zu.
Dass es auch Hilfe aus dem Granseer Strittmatter-Gymnasium war, die diese Operationen ermöglichte, ist, daran erinnert übrigens ein Plakat an der Fassade der Klinik. In Serekunda sprechen sie aber lieber von der „S-Matter Highschool“, der korrekte Name geht ihnen hin-gegen nur schwer über die Lippen.
Hilfe vor Ort
■ Das Face-Projekt des ASB Gambia wurde 2005 ins Leben gerufen. PD. Dr. Dr. Lei Li (Direktor der Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und plastische Operationen in Oldenburg) und Dr. Dr. Joachim Siegert (Mund-Kiefer-Gesichtschirurg aus Gifhorn) und ihre Kollegen operieren seitdem jährlich Patienten jedes Alters, die dringend auf eine Operation angewiesen sind.
■ Vorwiegend werden hierbei Kiefer-Gaumen-Spalten und verschiedenste Gesichtstumore sowie Gelenkfehlstellungen operiert. Die Patienten für das Projekt werden über das laufende Jahr registriert.
■ Personen mit Fehlbildungen und Tumoren im Gesicht werden in der afrikanischen Gesellschaft dämonisiert und müssen ein Leben am Rand der Gesellschaft fristen. Mit teils simplen Operationen lassen sich große Erfolge erzielen, die den Patienten wieder zu einem menschenwürdigen Leben verhelfen.
■Die Operationen erfolgen bei Kindern kostenlos, als "Bezahlung" bekochen Erwachsene das Klinikpersonal mit afrikanischen Gerichten.