Befreiung KZ Ravensbrück: Überlebende des Nazi-Terrors – Zeitzeugen in Fürstenberg

Die Skulpturen gegen das Vergessen stehen vor der „Mauer der Nationen“ am ehemaligen KZ Ravensbrück in Fürstenberg. Im Mai 2025 wird an 80 Jahre Befreiung gedacht, mehrere Überlebende haben sich angekündigt.
Carsten Koall/dpaDie Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und das Internationale Ravensbrück Komitee erinnern vom 1. bis 5. Mai an die Befreiung des Frauen-Konzentrationslagers vor 80 Jahren. Neun Überlebende haben ihre Teilnahme zugesichert. Wir stellen sie kurz vor.
Ab 1939 baute die SS in dem damaligen Dorf Ravensbrück das größte Frauen-Konzentrationslager auf deutschem Boden. 1941 wurde ein Männerlager angegliedert, ein Jahr später kam das „Jugendschutzlager Uckermark“ hinzu. Bis 1945 wurde das KZ stetig erweitert. Es gab über 40 Außenlager.
Ermordung, Hunger, Experimente und Gaskammer im KZ
Etwa 120.000 Frauen und Kinder, 20.000 Männer und 1200 weibliche Jugendliche wurden zwischen 1939 und 1945 als Häftlinge registriert. Zehntausende wurden ermordet oder starben an Hunger, Krankheit und medizinischen Experimenten.
1941 wurde Ravensbrück zur Hinrichtungsstätte. Die Nazis ermordeten eine bis heute unbekannte Anzahl an Häftlingen mit Schusswaffen. Einige sprechen von 28.000 Toten. 1945 wurde eine provisorische Gaskammer errichtet, in der bis zur Befreiung bis zu 6000 Häftlinge vergast wurden.
Am 30. April 1945 befreite die Rote Armee das Lager. Rund 3000 Häftlinge fand sie noch vor. Viele überlebten die kommenden Tage und Wochen nicht, sie starben an den Folgen der KZ-Haft. Zuvor hatten das Internationale, das Schwedische und das Dänische Rote Kreuz rund 7500 Häftlinge nach Schweden, in die Schweiz und nach Frankreich evakuiert. 20.000 weitere Häftlinge wurden auf die Todesmärsche getrieben.
Die Gedenkstätte Ravensbrück hat Überlebende zu den Veranstaltungen zum 80. Jahrestag der Befreiung eingeladen. Die Einladung der Überlebenden wurde vom Land Brandenburg, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft gefördert. Wir veröffentlichen an dieser Stelle die von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten erstellten Kurzbiografien.
Emmie Arbel überlebte als Kind zwei Konzentrationslager

Emmie Arbel ist nach der Befreiung 1945 nach Israel ausgewandert. Eine Graphic Novel basiert auf ihrem Leben.
Dr. Hildegard Hansche Stiftung, Carsten BüttnerGeboren 1937 in Den Haag, wurde Emmie Arbel mit ihrer jüdischen Familie 1942 von den Nationalsozialisten deportiert. Sie überlebte als Kind gemeinsam mit ihren Brüdern die Konzentrationslager Ravensbrück und Bergen-Belsen. Nach der Befreiung wanderte sie nach Israel aus. Ihre Geschichte ist Grundlage für die Graphic Novel „Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung“ (2023) von Barbara Yelin.
Janina Iwańska wurde im Außenlager Neustadt-Glewe befreit

Janina Iwańska wurde als Jugendliche von den Nazis gefangen genommen und deportiert.
Mahn- und Gedenkstätte RavensbrückJanina Iwańska wurde 1930 in Warschau geboren. Während des Warschauer Aufstands 1944 wurde sie verhaftet und im Durchgangslager 121 in Pruszków inhaftiert. Von dort gelangte sie 1945 in das KZ Ravensbrück und weiter in das Außenlager Neustadt-Glewe, wo sie schließlich befreit wurde und nach Warschau zurückkehren konnte.
Ib Katznelson kam mit zwei Jahren ins KZ Ravensbrück

Ib Katznelsons Weg führte über das KZ Ravensbrück ins Ghetto Theresienstadt.
Mahn- und Gedenkstätte RavensbrückIb Katznelson wurde 1941 in Kopenhagen geboren. Im Alter von zwei Jahren wurde er mit seiner Mutter nach Ravensbrück deportiert. Sie waren fünf Monate im Zellenbau des Lagers. Von dort wurden beide in das Ghetto Theresienstadt verschleppt, wo sie auf den Vater von Ib trafen. Im April 1945 wurde die Familie durch die Weißen Busse – unter schwedischer Flagge – befreit und konnte nach Dänemark zurückkehren.
Lili Leignel kam über das KZ Ravensbrück nach Bergen-Belsen

Die Französin Lili Leignel ist als Zeitzeugin aktiv und hat mehrere Bücher veröffentlicht.
Mahn- und Gedenkstätte RavensbrückLili Leignel wurde als Tochter einer ungarisch-jüdischen Familie in Croix in Nordfrankreich geboren. Nach der Verhaftung der Familie im Oktober 1943 kam der Vater nach Buchenwald, Lili Leignel wurde mit ihrer Mutter und ihren Brüdern zunächst nach Ravensbrück und 1945 nach Bergen-Belsen deportiert. Nach der Befreiung durch die britische Armee kehrten sie nach Frankreich zurück. Lili Leignel ist eine aktive Zeitzeugin und hat mehrere Bücher veröffentlicht.
Ivan Lefkovits' älterer Bruder wurde im KZ Ravensbrück ermordet

Ivan Lefkovits verlor fast seine ganze Familie im Holocaust. In Fürstenberg berichtet der Zeitzeuge über seine Erfahrungen.
Christian WinikerDer 1937 in Prešov in der Tschechoslowakei geborene Ivan Lefkovits wurde 1944 mit seinem älteren Bruder Paul und seiner Mutter ins KZ Ravensbrück deportiert. Sein Bruder wurde getötet, während Ivan und seine Mutter ins KZ Bergen-Belsen überführt wurden, wo britische Soldaten sie 1945 befreiten. Ivans Vater und der Rest der Familie kamen während des Holocaust ums Leben. Am Abend des 2. Mai wird ein Zeitzeugengespräch mit Ivan Lefkovits im Verstehbahnhof Fürstenberg stattfinden. Die Anmeldung dafür ist schon abgeschlossen.
Jean-Claude Passerat wurde im KZ Ravensbrück geboren

Jean-Claude Passerat kam im November 1944 im KZ Ravensbrück zur Welt. Seine Mutter war Widerstandskämpferin.
Mahn- und Gedenkstätte RavensbrückJean-Claude Passerat wurde im November 1944 im KZ Ravensbrück geboren. Seine Mutter Hélène war als Widerstandskämpferin im März 1944 nach einer Denunziation verhaftet und in das KZ Ravensbrück deportiert worden. Er konnte als Säugling überleben, weil seine Mutter bei der Arbeit in einem Sägewerk eine bessere Versorgung ihres Sohnes sicherstellen konnte als im Lager.
Barbara Piotrowska – verhaftet im Warschauer Aufstand

Barbara Piotrowska kehrte mit ihrer Mutter nach der KZ-Haft und Befreiung ins zerstörte Warschau zurück.
Mahn- und Gedenkstätte RavensbrückBarbara Piotrowska wurde 1930 in Lwów (heute Lviv/Ukraine) geboren. 1939 ging die Familie nach Warschau. Im Oktober 1944 wurde sie zusammen mit ihrer Familie während des Warschauer Aufstands verhaftet. Gemeinsam mit ihrer Mutter wurde sie zunächst in das Durchgangslager 121 in Pruszków, von dort aus in das KZ Ravensbrück deportiert. Gemeinsam kehrten beide 1946 in das zerstörte Warschau zurück.
Ingelore Prochnow erfuhr erst spät von ihrer Geburt im KZ

Ingelore Prochnow erfuhr erst als erwachsene Frau, dass ihre Mutter im KZ Ravensbrück war und sie dort geboren wurde.
Mahn- und Gedenkstätte RavensbrückIngelore Prochnow wurde im April 1944 im KZ Ravensbrück geboren. Im Dezember 1943 kam ihre Mutter, im fünften Monat schwanger und gerade mal 19 Jahre alt, in das KZ Ravensbrück. Der Grund ihrer Inhaftierung war der verbotene Umgang mit einem Polen. Erst als erwachsene Frau erfuhr Ingelore Prochnow vom Schicksal ihrer Mutter und dem Ort ihrer Geburt. Ingelore Prochnow wird bei der zentralen Gedenkveranstaltung eine Rede halten.
Witold Stefanowicz setzte sich spät mit der NS-Zeit auseinander

Witold Stefanowicz ist als Fernsehjournalist in Polen bekannt. Erst 50 Jahre nach seiner KZ-Jahr sprach er öffentlich darüber.
Mahn- und Gedenkstätte RavensbrückWitold Stefanowicz, geboren 1938 in Bielsko-Biała, wurde 1944 als sechsjähriges Kind mit seiner Familie ins KZ Ravensbrück deportiert und überlebte die Haft. In Polen ist er als Fernsehjournalist der 1970er- und 1980er-Jahre bekannt. Erst 50 Jahre nach seiner Deportation begann er, sich mit der NS-Zeit auseinanderzusetzen und öffentlich über seine Erfahrungen zu sprechen.
Zentrale Gedenkveranstaltung am 4. Mai 2025 in der Gedenkstätte
Termin: Sonntag, 4. Mai, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
10 bis 12 Uhr: Gedenkveranstaltung mit Ansprachen unter anderem von Gedenkstättenleiterin Andrea Genest, der Präsidentin des Internationalen Ravensbrück Komitees Ambra Laurenzi und der Überlebenden Ingelore Prochnow. Schauspielerinnen, darunter Maren Kroyman und Jasmin Tabatabei, lesen aus Erinnerungen und Selbstzeugnisse ehemaliger Häftlinge.
12 bis 16 Uhr: Markt der Erinnerung und Begegnung (Garagenhof)
12.30 Uhr: Katholischer Gedenkgottesdienst in polnischer Sprache (ehemaliger Zellenbau)
12.30 Uhr: Gedenkveranstaltung für die verfolgten und ermordeten lesbischen Frauen und Mädchen (Neuer Gedenkort)
13 Uhr: Geführter Rundgang zur Geschichte und Nachgeschichte des KZ Ravensbrück (Besuchsinformationszentrum)
14 Uhr: Chorkonzert zur Erinnerung an die über 290 Frauen und Männer aus Griechenland, die im KZ Ravensbrück inhaftiert waren (Bühne auf ehemaligem Lagergelände)
15 Uhr: Interreligiöses Gedenken „Mut zum Frieden“ („Mauer der Nationen“)
Das gesamte Programm für den 1. bis 4. Mai ist online zu finden.

