Aufbruchstimmung herrscht bei den Mitgliedern des Vereins „Draußen Spielend Lernen“. Sie betreiben die freie Naturschule Fürstenberg. Ab dem kommenden Schuljahr voraussichtlich an einem völlig neuen Standort, der zentral in der Wasserstadt weitaus mehr Möglichkeiten für die Naturschule eröffnen könnte: im ehemaligen Forstmuseum in der Rathenaustraße.

Entscheidung erst kürzlich getroffen

Mark Butler vom Vereinsvorstand bestätigte, dass die Entscheidung kürzlich getroffen wurde. Nicht etwa, weil man an dem aktuellen Schulstandort, die Bildungseinrichtung befindet sich zurzeit auf dem Areal der LPG-Ranch, unzufrieden mit den Bedingungen sei. Vielmehr biete der künftige Standort bessere Optionen. „Es ist schön, dass unsere Bestrebungen ins Forstmuseum zu ziehen, von Erfolg gekrönt waren“, erklärte Marc Butler.
Freilich müsse noch eine Menge umgebaut werden im Forstmuseum. Man denke nur an die Modernisierung und an Schüler anzupassenden sanitären Anlagen. Aber auch anders zugeschnittene Räumlichkeiten seien denkbar. Wie auch immer, Grundlage all dessen sei selbstverständlich ein Bauantrag, betonte Marc Butler. Die Formulare seien inzwischen eingereicht worden beim zuständigen Bauordnungsamt in Oranienburg.

Kommune begrüßt den Umzug

Grundlage war freilich eine Übereinkunft mit dem Eigentümer des Grundstückes, der Stadt Fürstenberg. „Wir haben einen Erbbaupachtvertrag gemeinsam abgeschlossen mit einer Laufzeit über mehrere Jahrzehnte“, erklärte der Pädagoge.
Das bestätigt Fürstenbergs Bürgermeister Robert Philipp (parteilos). Die Stadtverordneten haben danach der Vereinbarung mit der Naturschule per Beschluss bestätigt. „Und es gab bereits eine Bauvoranfrage, bei der sich herausstellte, baurechtlich funktioniere die Idee der Naturschule, im Forstmuseum zu öffnen“, erläuterte der Bürgermeister.
Mark Butler dämpft bei der Gelegenheit aber Erwartungen interessierter Eltern, der Umzug könnte alsbald über die Bühne gehen. Die gesamte Gesellschaft befinde sich in einem gewissen Ausnahmezustand wegen Corona, merkt Butler an. „Es werden sich die Umbauarbeiten und der Umzug sicher deshalb noch etwas hinziehen“, erklärt er. Realistisch sei daher, dass man von einer Eröffnung der Schule an dem neuen Standort zu Beginn des kommenden Schuljahres ausgeht, vorher klappt es nicht.

Eine echte Erfolgsgeschichte

Rund ein Jahr bereits betreibt der Vereins „Draußen Spielend Lernen“ seine freie Naturschule Fürstenberg. Am 20. September 2019 fand die Eröffnung statt. Ein erstes Fazit fällt positiv aus. „Das gesamte Vorhaben ist ein richtiger Erfolg“, freut sich der Mit-Initiator des Projektes. Die Resonanz bei Eltern, die ihrem Nachwuchs eine alternative und zugleich kostengünstige Bildung zukommen lassen möchten, sei sehr groß. „Und die reicht bis Berlin“, merkt Marc Butler an.
Grundlage der pädagogischen Arbeit in der Naturschule ist nach wie vor die Gewissheit, der Mensch verfügt über einen „angeborenen Wissensdrang“. Das betonte Butler bereits im Stadtrat, als er vor anderthalb Jahren des Vorhaben näher erläuterte: Aus eigener Motivation Tätigkeiten und Prozesse mitgestalten, sei eine Grundlage auch des Lehren und Lernens in der Freien Naturschule. Erwachsene, sprich die Lehrer und Erzieher würden diesen Wissensdrang behutsam und beharrlich unterstützen, dazu anregen und zugleich das Ausprägen von Beziehungskompetenz, Respekt und Vertrauen fördern. Hervorragendes Mittel, dies zu tun, sei das gemeinsame Spiel, das für Kinder eine ernsthafte Arbeit und die optimale Lernform darstellt – ohne Leistungsdruck, abseits von Stress und in Angstfreiheit Vertrauen in sich selbst ausbilden, dies könnten die Kinder. Wichtig sei die Umgebung: Wald- und Wildnispädagogik seien Bestandteile der Naturschule, ebenso die Inklusion, digitale Medien gelten als Werkzeuge.

Nicht das einzige Gebäude auf dem Grundstück

Einen Haken hat aber auch die Idee vom Umzug nach Überzeugung alteingesessener Fürstenberger: Auf dem Grundstück befindet sich nicht allein das moderne und schicke, um die Jahrtausendwende errichtete Hauptgebäude, in dem bis 2013 das Brandenburger Forstmuseum geöffnet war. Es gibt ein älteres und heruntergekommen wirkendes Nebengebäude, das einem Fass ohne Boden gleicht. Marc Butler ist sich dessen bewusst. „Also für dieses Nebengebäude, da brauchen wir sicher einen anderen Planungshorizont“, erklärt er.
Was das Team vom Verein dagegen freut, ist die idyllische Umgebung der Wasserstadt, die auch vom ehemaligen Forstmuseum aus gut zu erreichen sein werde, ist sich der Pädagoge sicher. „Fürstenberg ist schön von Seen und Wäldern umgeben, das ist ideal für unsere Naturschule“, betont er. Zu Fuß gelange man ohne Tagesmärsche auf sich nehmen zu müssen in den Havelpark oder an der Festwiese vorbei in den Wald. Man blicke daher mit großer Freude in die Zukunft.

Freie Naturschule als Alternative zum Leistungsdruck


– Mit der Gründung der Freien Naturschule hat der Verein "Draußen Spielend Lernen" einen Beitrag dazu geleistet, dass „Kinder bestmöglich auf die Herausforderungen der heutigen Zeit vorbereitet werden und dabei ihre Integrität bewahren und ihre Potenziale entfalten“, wie es konzeptionell heißt.

– Es handelt sich um eine kleine Oberschule mit integrierter Grundschule in freier Trägerschaft, in der Schüler in altersgemischten Lerngruppen ihren individuellen Lernpfaden folgen können.

– Die vier Leitgedanken der Freien Naturschule in Fürstenberg sind selbstbestimmtes Lernen, Beziehungskompetenz, Spiel und Naturmentoring.

- Am 26. September laden die Mitglieder des Vereins zu einem Tag der offenen Tür in die LPG-Ranch ein. Von 11 bis 14 Uhr können sich Eltern und selbstverständlich auch Kinder über die Lerninhalte und Bedingungen an der Schule in lockerer Form und mit viel Spaß informieren. red