Bürgermeisterkandidatin: Amtsführung mit dem Blick einer Frau

Sie liebt das Wasser: Bürgermeisterkandidatin Sabine Barthel fühlt sich ihrer Wahlheimat Zehdenick eng verbunden und will für frischen Wind in der Kommunalpolitik sorgen.
Martin RiskenGeboren in Dessau, mit elf Jahren nach Grüneberg umgezogen, wo ihr Vater stellvertretender Betriebsdirektor beim damaligen VEB Grüneberger Spirituosenfabrik wurde. Ihr Abitur machte sie an der EOS in Gransee. Aus ihrem Wunsch, Medizin zu studieren, wurde nichts. Stattdessen standen ihr die Türen beim VEB Grüneberger offen, wo sie den Beruf des Wirtschaftskaufmanns erlernte, später noch berufsbegleitend ein fünfjähriges Studium zum Ingenieur-Ökonom belegte. "Familie, Job und Studium, das war eine anstrengende Zeit“, erinnert sie sich. „Ohne meine Eltern wäre das nicht gegangen.“
Projektleiterin im Museumspark
1983 Heirat, zwei Kinder gingen aus der mittlerweile geschiedenen Ehe hervor. Bis zur politischen Wende blieb sie in der Lehrlingsausbildung tätig. Mit der Marktwirtschaft kam das berufliche Aus. Auch Sabine Barthel musste den Betrieb verlassen. "Ich wollte aber nicht zu Hause rumsitzen.“ Im Mai 1990 gründete sie mit ihrem Mann in Grüneberg einen Groß- und Einzelhandel für Getränke. Anfangs liefen die Geschäfte blendend. Doch als die großen Filialketten in die Region kamen, war es schnell aus mit der Selbstständigkeit. Nach dem Motto „Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende“ schlossen sie 1992 ihren Laden. Die Hände in den Schoß zu legen, kam für sie nicht in Frage. Sie wurde Projektingenieurin des im Aufbau befindlichen Museumsparks Mildenberg unter Leitung von Bernd Tank. Sie leitete die vielen Hundert Frauen und Männer an, die das Arbeitsamt dorthin in ABM vermittelt hatte. An den Wochenenden stand sie hinterm Herd in der Küche der Ziegelei-Gaststätte. „Es hat super viel Spaß gemacht“, erinnert sie sich mit Freude an die Aufbauzeit, die wieder einmal jäh endete, als der Landkreis Oberhavel das Areal übernahm und sie nicht weiterbeschäftigt habe. Übers Arbeitsamt kam sie zum Schloss Liebenberg, schrieb dort an der Chronik. Nach zwei Jahren als Anzeigenberaterin entschloss sie sich 2001 wieder für die Selbstständigkeit, wurde Versicherungsmaklerin. Seit 18 Jahren ist sie Fachberaterin für Finanzdienstleistungen.
In die AfD sei sie vor drei Jahren eintreten, um "etwas zu verändern“. Eine transparente Amtsführung strebe sie an und keine „Cliquenwirtschaft“, wie sie zurzeit betrieben werde. Mit ihrer Kandidatur will sie den Wählern eine Alternative bieten. „Noch nie war eine Frau Bürgermeister in Zehdenick. Frauen haben oft eine andere Sicht auf die Dinge“, sagt sie. „Ich habe eine weiße Weste und gehe deshalb unbefleckt in das Amt“, ergänzt die 56-Jährige, die sich des Rückhalts ihrer Familie gewiss sein kann. Nach ihrer Scheidung lebt sie seit mittlerweile 25 Jahren wieder in einer festen Beziehung. „Ich würde den Job gerne machen und meine ganze Kraft dafür einsetzen“, sagt sie. Zeit hätte sie, ihre beiden Söhne und die beiden Kinder ihres Lebenspartners sind mittlerweile aus dem Haus. Auch die sechs Enkel sind schon erwachsen. Ihre Freizeit verbringt Sabine Barthel am liebsten am Wasser.
Schon mal Personalverantwortung übernommen
Sabine Barthel ist Jahrgang 1962 und studierte Ingenieur-Ökonomin. Seit 18 Jahren ist sie als Fachberaterin für Finanzdienstleistungen tätig, überwiegend aber in der Uckermark.
Im Jahr 2016 trat sie in die AfD ein und ist Mitglied im Kreisvorstand Oberhavel. Sie tritt sowohl bei den Kommunal- als auch den Landtagswahlen 2019 an, bewirbt sie vor allem aber um das Bürgermeisteramt in Zehdenick. Würde sie gewählt werden, könne sie auch kein anderes Mandat annehmen. Denn auch für den Kreistag Oberhavel und die Stadtverordnetenversammlung Zehdenick tritt sie an. Nominiert worden ist sie außerdem zur Direktkandidatin ihrer Partei für den Landtags-Wahlkreis 10. Auf der AfD-Landesliste nimmt sie den eher aussichtslosen Platz 33 ein.
Eine Stadtverwaltung wie die in Zehdenick zu leiten, traut sich Sabine Barthel sehr wohl zu. Als stellvertretende Geschäftsführerin einer GmbH habe sie schon einmal Personalverantwortung übernehmen müssen und das auch gerne getan. ⇥ris
