Kritiker und Gegner der Corona-Eindämmungspolitik haben am Freitagabend in Gransee demonstriert. Sie forderten eine stärkere Beachtung der Grundrechte und die Beteiligung des Bundestags an maßgeblichen Entscheidungen der Bundesregierung in wichtigen Fragen. Etwa 90 bis 100 Personen kamen zusammen, Transparente wurden gezeigt, etwa: „Freies Atmen für Kinder“.
Die Veranstaltung lief friedlich ab, alle Teilnehmer hielten sich an die Maßgaben der Eiindämmungs-Verordnung. Die sehr zahlreich vertretene Polizei musste nicht einschreiten oder gar dazwischengehen.

Gegen jeden Extremismus

Markus Hoffmann, einer der Initiatoren, betonte über ein Megaphon unmissverständlich, man distanziere sich auch bei dieser Demo von jeglicher Form von Extremismus und Antisemitismus. Es gehe ausschließlich um eine klare Positionierung, ob es nicht auch andere Wege aus der Corona-Krise geben könne als der vom Bund beschrittene.
Auch Martin Schubach, der frühere Granseer Kantor, und Horst Brumm vom Buddhistischen Zentrum in Menz sprachen während der Demo – lautstark unterbrochen von permanentem Glockengeläut. Die evangelische Kirchengemeinde hatte just zum selben Zeitpunkt einen Gedenkgottesdienst für die Corona-Opfer abgehalten. Teilnehmer der Veranstaltung argwöhnten, mit dem „alles andere als stillen Gedenken“ sollte die Demo der Gegner der Corona-Maßnahmen massiv gestört werden.
So auch Joachim Paulke, Schiedsmann in Gransee. Er war „als Vorsitzender der Schiedsstelle unseres Amtes am Freitagabend zur Beobachtung der dortigen Demonstration auf dem Kirchplatz gewesen, weil ich nach den Presseberichten von anderen Veranstaltungen davon ausgegangen bin, dass dort heftige Diskussionen stattfinden könnten, die zu Anträgen an die Schiedsstelle führen würden“.

Kirche sucht Konfrontation?

Das sei nicht der Fall gewesen, teilt Joachim Paulke in einem Brief an den Amtsdirektor Frank Stege mit. Das Schreiben liegt der Zeitung vor. „Die Veranstaltung lief ruhig und ohne besondere Vorkommnisse ab und wurde von der Polizei in einwandfreier Form begleitet – jedenfalls soweit ich das beurteilen kann“, betont der Schiedsmann.
Etwas amüsiert habe er zur Kenntnis genommen, dass die Kirchengemeinde zur gleichen Zeit einen außerordentlichen Gottesdienst abgehalten und dafür mit Glockenklang geworben habe. Paulke mutmaßt in dem Schreiben, die Verantwortlichen der Kirchengemeinde hätten möglicherweise außerdem entschieden, die Redner der Kundgebung draußen vor der Kirche durch erneut, während des Gottesdienstes, einsetzendes Glockengeläut zu stören, ja, ihre Verständigung unmöglich zu machen. „Ich konnte keinen zusammenhängenden Satz der Redner verstehen.“

Thema für den Amtsdirektor

Das Fazit des Juristen: „Die Störung der Veranstaltung ist eindeutig das Ziel des Geläuts gewesen, denn es setzte mit dem Beginn der ersten Rede ein und endete unmittelbar nach Abschluss der letzten.“ Paulke stellt klar, nach seiner Überzeugung sei „ein solcher Einsatz des Läutwerks der Kirche (...) verboten“. Es handele sich um eine Ruhestörung im Sinne des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten.
Der Schiedsmann belässt es in seinem Schreiben aber nicht bei der Kritik. Er schlägt vor: „Um ein solches (Schiedsstellen)-Verfahren oder ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen die Gemeindeverantwortlichen zu vermeiden, schlage ich vor, dass der Amtsdirektor als Ordnungsbehörde die Veranstalter der Kundgebung und der Kirchengemeinde vorlädt und nach einer Lösung sucht, die hilft, derartige Störungen zukünftig zu verhindern und die Verantwortlichen ermahnt.“
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