Erdgaspläne
: Protest auf allen Ebenen

Bürgerinitiative  (BI) gegen das Gasbohren in Zehdenick-Templin will Druck auf die Zehdenicker Stadtverordneten ausüben, die sich dem Protest bislang nicht angeschlossen haben.
Von
Wolfgang Gumprich
Templin/Zehdenick
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  • Referenten: Der Lungenarzt Prof. Dr. Karl Christian Bergmann und der Ingenieur für Wasserwirtschaft Bernd Ebeling (von links) sprachen über Risiken bei der Gasförderung.

    Referenten: Der Lungenarzt Prof. Dr. Karl Christian Bergmann und der Ingenieur für Wasserwirtschaft Bernd Ebeling (von links) sprachen über Risiken bei der Gasförderung.

    Wolfgang Gumprich
  • Aufrüstung: Wenn es nach dem Willen der BI gegen Gasbohren geht, sollen in vielen Vorgärten solche Banner aufgehängt werden

    Aufrüstung: Wenn es nach dem Willen der BI gegen Gasbohren geht, sollen in vielen Vorgärten solche Banner aufgehängt werden

    Wolfgang Gumprich
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Dies gaben die Initiatoren am Donnerstagabend in der NaturTherme in Templin bekannt. Zu dieser zweiten Informationsveranstaltung waren über 500 Interessierte gekommen, die sich von Bernd Ebeling über die Probleme beim Abbau von Erdgas informieren ließen. Der Diplom-Ingenieur (FH) aus Niedersachsen erklärte, dass das zum Einsatz gekommene Verfahren mittels Rüttelplatten und Geophonen der Standard sei, dass Bohrungen bei Beeskow aufgegeben wurden, weil das Feld nicht ergiebig genug war oder von Bohrungen durch sandhaltige Schichten, die eingestellt wurden, weil dem Bohrer ein Findling in der Tiefe im Wege lag. Weiter berichtete er von unsachgemäßen Entsorgungen in der ehemaligen DDR, bei der die Bohrschlämme mittels  Lkw in einer Mergelkuhle abgekippt wurden.

Problematisch sei die Bohrlochreinigung, die etwa eine Woche dauere. Sie sei sehr aufwändig und benötige viele Abscheider, um Quecksilber, Kohlenwasserstoffe aber auch natürliche Radioaktivität herauszufiltern.

Erdbeben im Zusammenhang mit dem Gasabbau habe es in den Niederlanden, aber auch in Niedersachsen gegeben, dort sei die Stärke von  3,7 auf der Richterskala gemessen worden. „Das ist abhängig von der geologischen Beschaffenheit, sie müssen nicht notwendigerweise entstehen“, sagte Ebeling. Die Erde, so schätzt er, könnte sich zwischen zehn bis maximal 25 Zentimeter senken.

Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Rachenreizung, Husten oder Angststörungen – all dies könnten Folgen der Gasförderung sein, referierte Prof. Dr. Karl-Christian Bergmann. Der Lungenarzt aus Templin betonte ausdrücklich, dass er nicht für die Charité spreche. Sein Vortrag bezog sich auf amerikanische Studien, über die Jahre andauernde Forschungen gebe es hingegen nicht. Zusammengefasst hätten die Untersuchungen ergeben: „Es gibt keinen Beweis, dass die Gefahr gesundheitlicher Schäden ausgeschlossen ist“. Brinkmann warnte davor, dass die Ergebnisse je nach Auftraggeber interpretierbar seien.

„Welcher Tourist will auf einem Gasfeld Urlaub machen?“ fragte Bürgermeister Mario Gruschinske (SPD) unter viel Beifall. Er versicherte, dass sich der Amtsdirektor sowie sämtliche ehrenamtlichen Bürgermeister gegen die Gasförderung ausgesprochen hätten, denn die Risiken hörten nicht an der Stadtgrenze auf. Die Region lebe von der Erholung in der Natur, deshalb sollten alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

Das scheint die BI bereits zu tun, denn sie hat einen Rechtsanwalt engagiert, der prüfen soll, welche Rechtsmittel der BI zur Verfügung stehen. Zudem würde eine ehemalige Staatsanwältin beraten, wie „friedlich, redlich ziviler Ungehorsam“ ausgeübt werden könne. 105 Aktive, 208 Interessierte zählt die BI, die sich in 14 Arbeitsgruppen organisiert hat.

Als nächstes plant die BI eine Teilnahme am Runden Tisch am Montag, 11. März, in der LindenGrundschule Zehdenick, am 14. März ist ein Besuch der Stadtverordnetenversammlung vorgesehen. Kalle Horning aus Kurtschlag trug zum Abschluss das Kampflied der BI vor: Zur Melodie von „See you later, Alligator“ sang er „Die Kraniche rufen uns zu/stoppt den Wahnsinn/bannt den Fluch“.