Erneuerbare Energien: Windmühlen im Seenland nicht erwünscht

Kritik an Windrädern: Fürstenberg lehnt sie im Seenland ab.
privatSo auch im beschaulichen Neutornow. Ein Bewohner des kleinen Dorfes – abseits von fast allem – möchte eine sogenannte Klein-Windanlage errichten lassen. Übrigens zum wiederholten Male, wie sich im Fürstenberger Bauausschuss herausstellte.
Die Mitglieder des Gremiums, das in seiner neuen Besetzung erstmalig zusammenkam, mussten sich mit diesem Baugesuch befassen. Amtsleiterin Sylvia Jandt hatte zuvor informiert, dass der selbe Antragsteller ein solches Vorhaben vor längerer Zeit auch an die Stadtverwaltung herangetragen hatte.
Tourismus verbietet Windräder
Freilich hatte der Neutornower sich bereits damals vergeblich bemüht: „Damals ist sein Gesuch, eine neue Windkraftanlage zu errichten, abgelehnt worden mit Verweis auf den Standort, denn die Anlage, wie groß sie auch immer sei, würde sich in einem Landschaftsschutzgebiet befinden“, erläuterte die Bauamtsleiterin den Ausschussmitgliedern.
Allerdings hatte die geplante Windmühle damals auch weitaus größere Kapazitäten, räumte Jandt ein. Seinerzeit wollte der Windmüller ein Rad mit einer Einspeiseleistung von zehn Kilowatt errichten lassen.
Kleineres Windrad
Inzwischen hat der Projektträger wesentlich abgespeckt, wahrscheinlich auch, um die Genehmigungsfähigkeit der Anlage zu erhöhen: Nur noch drei Kilowatt soll die jetzt bevorzugte Klein-Windanlage erzeugen, erläuterte die Amtsleiterin.
Wie groß aber soll denn die Windmühle werden? wollten Mitglieder des Bauausschusses wissen. Zumal man immer von einer wesentlichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes sprechen müsse, etwa in Bezug auf die Nähe zu bebaubaren Flächen, auch auf den Schattenwurf, sprich den sogenannten Disko-Effekt und die nicht geringe Lärmbelästigung, die entstehe.
Sechzehneinhalb Meter – so hoch soll dieses vergleichsweise kleine Windrad werden, „vorher hatte der Antragsteller beabsichtigt, ein 20 Meter hohes Rad aufzustellen“, so Jandt.
Manfred Saborowski (Die Linke) stellte die Grundsatzfrage. „Wollen wir denn tatsächlich im Fürstenberger Seenland Windkraftanlagen?“ fragte er in die Runde. Zumal es eine klare Haltung der Stadtverordneten zu dem gesamten Thema gebe, wonach der Bau von Windanlagen, von was für einer Kapazität auch immer, abzulehnen sei, weil das Fürstenberger Seenland eindeutig eine Tourismus-Hochburg sei.
„Ich denke, wir sollten in Bezug auf derartige Anträge eine grundsätzliche Regelung treffen“, schlug Saborowski vor.
Privilegiertes Projekt
Ausschussmitglied Lothar Kliesch (SPD) wies darauf hin, "das ist eigentlich nicht unser Thema, denn wir haben keine Satzung in Bezug auf Windanlagen“, merkte er an. Vielmehr werde das Bauordnungsamt in Oranienburg eine Entscheidung treffen. Zumal Windkraft-Projekte sogenannte „privilegierte Vorhaben sind“. Mit anderen Worten, die Gemeinde könnte ablehnen, aber falls die Argumente dagegen zu schwach seien, könnte der Landkreis „das gemeindliche Einvernehmen ersetzen“, wie es im Verwaltungsdeutsch heißt.
Ausschussmitglied Raimund Aymanns (Pro Fürstenberg) und Ausschuss-Chef Thomas Burmann (CDU) betonten mit Verweis auf den Tourismus unisono, „wir wollen keine Windräder im Seenland“. Der Antrag wurde folgerichtig abgelehnt.
Bereits vor sieben Jahren hatten die Stadtverordneten klargestellt, die Region betreibe die Wertschöpfung aus dem Tourismus als wichtigsten Wirtschaftsfaktor. Ähnlich wie jetzt das Gasbohren galt damals schon das Aufstellen von Windparks im Fürstenberger Seenland als kontrakproduktiv.
Details zur Regionalen Windkraft-Planung
Die Regionale Planungsgemeinschaft (RP) Prignitz-Oberhavel verabschiedete Ende 2018 den neuen Regionalplan samt Teilplan Windenergie.
Das Umweltministerium hat den Plan verworfen, wurde Anfang August öffentlich gemacht. Somit muss der Plan überarbeitet werden.
Wesentlicher Kritikpunkt war der Teilplan Windenergie, erklärte Ansgar Kuschel, Leiter der RP. Dieser Teilplan ist abermals zu korrigieren.
Fürstenberg ist grundsätzlich kein Windeignungsgebiet, merkte Kuschel an. Daran habe sich bislang auch nichts geändert.⇥pilz