Auch nach dem siebten Prozesstag im Strafverfahren um die tödliche Messerattacke im Zehdenicker Asylbewerberheim ist ein Ende der Verhandlung vor dem Landgericht Neuruppin noch nicht absehbar. Der Prozess scheint mittlerweile festgefahren zu sein.

Mitbewohner als Zeugen vernommen

Am Dienstag traten zwei Mitbewohner aus dem Zehdenicker Asylbewerberheim in den Zeugenstand, die die Verteidigung benannt hatte. Wirklich zur Aufklärung des Sachverhaltes beitragen, insbesondere ob der wegen Totschlags angeklagte Ramin R. tatsächlich aus Notwehr gehandelt hatte, als er einen Mitbewohner am 5. Mai dieses Jahres mit zwei Messerstichen tödlich verletzte, konnten die beiden jungen Asylbewerber aus dem Tschad allerdings nicht. Übereinstimmend gaben sie, laute Geräusche in ihren Zimmern vernommen zu haben, als sie auf den Flur traten, um nachzuschauen, was passiert war.

Nichts Neues zum Tatablauf ausgesagt

Ramin R. stand mit einem Messer in der Hand auf dem Flur, vor ihm ein Mitbewohner, der stark blutete und wenig später zu Boden sank. Wie es zu dem Streit kam, konnten die beiden Zeugen allerdings nicht sagen, von denen einer dem Opfer mit einem T-Shirt zur Hilfe eilte, um die starken Blutungen zu stoppen. Auch ein Vernehmungsbeamter hatte am Mittwoch wenig zur Aufklärung des Sachverhaltes beizutragen, weshalb seine Anhörung als Zeuge nur kurz war.

Weiterer Polizist meldet sich bei Gericht

Ein weiterer Kriminalbeamter, der sich aufgrund der Presseberichterstattung über den Prozess beim Vorsitzenden Richter Udo Lechtermann kurzfristig gemeldet hatte, konnte am Dienstag nicht wirklich zur Aufklärung beitragen. Der Beamte hatte zusammen mit einer Kollegin die Blutspuren in mehreren Räumen am Tatort gesichert.

Rechtsanwalt will weitere Zeugen vorladen lassen

All das reichte der Verteidigung wieder nicht. Der Rechtsanwalt stellte weitere Beweisanträge. So sollen unter anderem zwei frühere Mitbewohner des Opfers aus den Asylbewerberheimen Oranienburg und Hennigsdorf als Zeugen vorgeladen werden, die Aussagen darüber machen sollen, dass ihr damaliger Mitbewohner sich gegenüber anderen Menschen brutal und rücksichtslos verhalten habe. Darüber hinaus will der Rechtsanwalt einen Gutachter aus Jena laden lassen, der Aussagen über die Blutspuren am Kopf von Ramin R. machen soll. So erhofft sich die Verteidigung Aufschluss darüber, dass sein Mandant eine Abwehrhaltung eingenommen hatte, eher er sich mit dem Messer gegen den Angreifer zur Wehr gesetzt habe. Einen ähnlichen Antrag hatte der Rechtsanwalt bereits am vorangegangenen Verhandlungstag gestellt, hatte ihn jetzt aber noch einmal erweitert und konkretisiert.

Gericht zögert noch mit Zustimmung

Ob das Gericht auf diese Anträge eingehen und weitere Zeugen vorladen wird, ließ der Vorsitzende Richter offen. Vorausschauend setzte Udo Lechtermann aber einen weiteren Verhandlungstag an. Nach dem 7. Januar soll es noch einen weiteren Termin am 15. Januar geben. Ursprünglich sollte das Urteil schon Anfang Dezember verkündet werden. Für den nächsten Termin am 7. Januar kündigte die Verteidigung eine mögliche Erklärung des Angeklagten an. Um was es dabei gehen soll, ließ der Anwalt aber noch offen.