Zahlreiche Fürstenberger dürften den Tag der Veröffentlichung mit Spannung erwartet haben: Die Autobiografie des Historikers Wolfgang Stegemann ist erschienen, postum veröffentlicht dank Dr. Sigrid Jacobeit. Der etwas nüchterne und zurückhaltende Titel lautet „Wegstationen“, gleichwohl offenbart das Buch bemerkenswerte Überraschungen. Künstlerische Zeichnungen von Hand des Autors gehören ebenso dazu wie Episoden aus dem wechselvollen Leben des Fürstenbergers.
Überraschend dürfte vor allem sein, dass Wolfgang Stegemann, der nach einer schweren Verletzung in politischer Haft in der DDR an den Rollstuhl gefesselt war, überhaupt autobiografische Texte verfasste. Immerhin war er jahrelang insbesondere mit Prof. Wolfgang Jacobeit bemüht, ein wissenschaftliches Licht auf die Fürstenberger Geschichte scheinen zu lassen, was ihm nicht wenig Zeit und Kraft abverlangte. Sigrid Jacobeit erinnert sich, dass es bereits 2008 war, als Stegemann ihrem Mann zu dessen Verblüffung Texte autobiografischer Natur übergab, freilich nicht in der Absicht, sie zu veröffentlichen. „Selbst die Kinder von Wolfgang Stegemann hatten keine Ahnung, dass er seine Lebenserinnerungen zu Papier brachte“, erzählt die Fürstenbergerin, bis 2005 war sie Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück. Die Entscheidung ihres Mannes, Stegemanns Erinnerungen zu publizieren, stand alsbald fest, „das müssen wir unbedingt herausbringen“, habe er zu seiner Frau gesagt.

Sigrid Jacobeit vollendet das Werk

Er hielt das Manuskript für zeitgeschichtlich äußerst wertvoll. Nach dem Tode seines Freundes und Weggefährten Anfang 2013 ließ es die Zeit zu, dass sich Wolfgang Jacobeit gemeinsam mit seiner Frau an die Manuskripte setzen konnte. Eine intensive Recherche nach mündlichen und schriftlichen Quellen und Foto-Dokumenten wurden betrieben. Mit ehemaligen Weggefährten setzte man sich in Verbindung.
Ein schwerer Schlag auch für das Projekt war, dass Wolfgang Jacobeit im Jahr 2018 starb. Fortan oblag es Sigrid Jacobeit, das Werk zu vollenden. Sie lektorierte nach eigenem Bekunden nicht nur die Texte. Um dem Leser eine Orientierung mitzugeben, kommentierte die Wissenschaftlerin außerdem Stegemanns Erinnerungen und versah sie mit Fußnoten. „Es ging mir durchaus darum, einen wissenschaftlichen Bezug herzustellen.“ Außerdem stand sie vor der Aufgabe, Bilder auszuwählen. „Er hat so viele Zeichnungen gemacht, das war sehr beeindruckend“, merkt sie an. So hatte Wolfgang Stegemann auch ein Hochzeitsbild geschaffen. Was sie außerdem sehr berührte, war die Kontaktaufnahme mit der Familie von Stegemann, etwa mit dessen Schwester in Leipzig, oder mit der ersten Jugendliebe in Magdeburg.

Freundschaftliche Beziehung

Der 1933 geborene Fürstenberger Stegemann war noch als junger Mann von der Stasi verhaftet und zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. „Als er erkrankte, wurde er als Simulant bezeichnet und nicht behandelt“, heißt es in der Buchbeschreibung des Metropol-Verlages. Infolge dieser schrecklichen Zeit war er auf den Rollstuhl angewiesen. Immerhin schon seit Anfang der 70er-Jahre hatte sich Wolfgang Stegemann in seiner Heimatstadt mit der Besiedlungs- und Ortsgeschichte von Fürstenberg beschäftigt. Er las sich in die Grundlagenliteratur ein, forschte in Archiven, fand nicht wenige Mitstreiter. So entstand der Band 1 seiner „Beiträge zur Kulturgeschichte einer Region zwischen Brandenburg und Mecklenburg“.
Enger Freund und Weggefährte von Stegemann: Prof. Wolfgang Jacobeit ermöglichte es mit seiner Frau Sigrid, dass die autobiografischen Erinnerungen des Fürstenbergers nun erscheinen konnten.
Enger Freund und Weggefährte von Stegemann: Prof. Wolfgang Jacobeit ermöglichte es mit seiner Frau Sigrid, dass die autobiografischen Erinnerungen des Fürstenbergers nun erscheinen konnten.
© Foto: privat
Dass der Band erscheinen konnte und sogar in gedruckter Version, verdankte Wolfgang Stegemann dem Ehepaar Jacobeit und deren Kenntnissen über Finanzierungsquellen. Mehr noch: Zwischen Wolfgang Stegemann und Wolfgang Jacobeit, dem ehemaligen Ordinarius für Ethnologie/Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität, entstand eine Zusammenarbeit, die zu zwei weiteren Bänden führte.

Spendenaktion für das Buch

Zwischen den Männern, beide an den Rollstuhl gefesselt, wurde das zu einer engen Freundschaft und ließ echte Hochachtung entstehen. Selbst als die historischen Bände geschrieben, lektoriert und veröffentlicht waren, blieben Jacobeit und Stegemann in engem Kontakt, sie telefonierten täglich miteinander.
Sigrid Jacobeit gelangte zwar zu einem Abschluss, nun musste aber noch ein Verlag gefunden werden, der das Werk veröffentlicht. „Ich habe mich mit dem Metropol-Verlag in Verbindung gesetzt, in dem auch die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten bereits veröffentlicht hatte. Ja, und die Leute vom Verlag waren sofort begeistert“, berichtet Sigrid Jacobeit.
Blieb das Problem der Finanzierung. Sehr geholfen, es zu bewältigen, habe in dem Zusammenhang, dass es am 1. März dieses Jahres, also unmittelbar vor dem ersten Corona-Lockdown, in der Alten Reederei in Fürstenberg zu einer Benefiz-Veranstaltung kam. Dankenswerterweise kamen 500 Euro für die Produktion des Buches zusammen. Letztlich konnte auch dadurch abgesichert werden, dass die Autobiografie von Wolfgang Stegemann nun veröffentlicht wurde.

Wegstationen von Wolfgang Stegemann


Die persönlichen Erinnerungen von Wolfgang Stegemann tragen den Titel Wegstationen. Es sind „Autobiografische Aufzeichnungen über ein Leben zwischen Politik und Geschichte in der Region Fürstenberg/Havel - Ravensbrück“, so der volle Titel.

Herausgegeben und kommentiert wurde das Buch von Sigrid und Wolfgang Jacobeit. Erschienen ist es im Metropol-Verlag Berlin vor einigen Wochen. Der Band hat 226 Seiten und ist illustriert.

Sigrid Jacobeit weist darauf hin, dass die geplante Präsentation wegen des Corona-Lockdowns, sie sollte am 4. Dezember stattfinden, in den kommenden Sommer verlegt wurde.

Die ISBN-Nummer lautet: 978-3-86331-560-3