Knut Ramin sammelt gerade Eindrücke, die er so schnell nicht vergessen wird. Der Chef des THW-Ortsverbandes Gransee weilt seit Sonntag in Rheinland-Pfalz. Teile des Bundeslandes waren Mitte Juli vom Hochwasser heimgesucht worden. „Was diese Katastrophe hier angerichtet hat, ist schlimm anzusehen“, sagt der Zehdenicker.

Spendenkonto Hochwasserhilfe

Für die Spenden aus Brandenburg wurde ein Konto eingerichtet: Landkreis Märkisch-Oderland, IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021

Einsatz im Kreis Arhweiler

Am Freitag vergangener Woche war er vom Zentralverband des Technischen Hilfswerks alarmiert worden, um sich zwei Tage später zusammen mit Toni Schöttler auf den Weg zu machen – per Lkw mit Ladekran. „Wir sind bis Samstag vor Ort.“ Die Aufgabe der Oberhaveler: „Wir beliefern die Einsatzkräfte im Kreis Ahrweiler mit Verbrauchsmaterialien.“ Bei dem Starkregenereignis am 14. Juli wurden weite Teile des Ahrtals überflutet und zerstört.

Zeltlager am Nürburgring

Der Logistikstützpunkt für die Einsatzkräfte befindet sich in Altenburg, das große Zeltlager am Nürburgring. „Ein buntes Gemisch aus allen Behörden“ sei dort versammelt. Kräfte der Bundeswehr, von Feuerwehr, Polizei und THW sind dabei. „Das sind geschätzt gut tausend Mann. Es ist schön zu sehen, wie eng die Zusammenarbeit ist und wie toll es funktioniert“, sagt Knut Ramin, der sich im THW seit vier Jahren engagiert.
Während es für ihn der erste Einsatz dieser Größenordnung ist, sei sein Kamerad Schöttler (der dem Ortsverband Gransee seit 2014 angehört) schon in Hochwassergebieten unterwegs gewesen. „Wir sind auf keinen Fall unerfahren.“

„Blanke Verwüstung“

Was man nun vor Ort erlebe, sei schon beeindruckend. „Das ist eine sehr schöne Landschaft. Wenn man ins Tal fährt, ist aber blanke Verwüstung.“ Häuser, Brücken, Schienen – alles sei weg. „Die komplette Infrastruktur wurde zerstört. Das ist schlimm anzusehen. Wir sind immer wieder erschrocken.“
Brücken, Straßen, Häuser: Die Infrastruktur ist zerstört.
Brücken, Straßen, Häuser: Die Infrastruktur ist zerstört.
© Foto: Knut Ramin
Im Einsatzgebiet stehen auch die beiden Helfer aus Gransee „permanent unter neuen Eindrücken“, die man mitnehmen würde. „Da leide ich mit und trage das schon mit mir rum“, räumt Knut Ramin ein. Stand jetzt könne er damit aber gut umgehen. Dabei würden Gespräche im Camp helfen.

Freistellung vom Arbeitgeber

Die Tage beginnen für das Team aus Gransee um 7.30 Uhr mit dem Treffen am Stützpunkt in Altenburg – und dauern bis 20.30 Uhr an. „Die Fahrerei ist schwierig, da die Straßen eng oder nicht mehr vorhanden sind. Außerdem ist es warm und staubig.“
Klagen will Knut Ramin nicht. Für ihn sei der Einsatz im Katastrophengebiet eine Selbstverständlichkeit. Seine Arbeit verrichtet der Ingenieur ehrenamtlich. Gleiches gilt für Toni Schöttler, der im Logistikbereich von Takeda arbeitet. „Der Arbeitgeber muss uns freistellen. Aber man will das immer im Einvernehmen klären,  und das lief für uns beide sehr moderat“, freut sich Ramin über die Unterstützung.
Toni Schöttler gehört dem THW-Ortsverband Gransee seit 2014 an.
Toni Schöttler gehört dem THW-Ortsverband Gransee seit 2014 an.
© Foto: Knut Ramin
Für einen Motivationsschub sorge die Bevölkerung im Krisengebiet. „Viele haben hier alles verloren. Den Umständen entsprechend ist die Stimmung gut. Die Leute sind gefasst, dankbar und freundlich.“ Letzteres gelte auch für die vielen zivilen Helfer, die sich einbringen. „Es ist toll, wie alle mit anpacken“, betont Knut Ramin – und beendet mit Worten der Entschuldigung das Telefonat. Die kurze Pause sei vorbei. „Es gibt für uns noch viel zu tun.“

Lobende Worte von Uwe Feiler

Lobende Worte für den Einsatz der Helfer findet Uwe Feiler (CDU). Der Bundestagsabgeordnete gehört selbst dem THW-Ortsverband Gransee an. „Es ist erschreckend und berührend, was da los ist.“ Das Engagement der THW-Leute, die super ausgebildet seien, könne nicht oft genug gelobt werden. „Dieses Ehrenamt ist nicht mit Geld zu bezahlen. Ich finde es richtig und wichtig, dass darüber berichtet wird.“ In diesem Zusammenhang werde auch deutlich, „dass es wichtig ist, den Standort im Norden von Oberhavel zu erhalten“. Dies könne vielleicht auch dabei helfen, dass sich jüngere Menschen für die Arbeit beim THW interessieren.
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