Jugendpolitik: Laura und ihre Freunde wollen in Fürstenberg mitentscheiden
Wie die junge Frau auf diese Forderung kommt? Besagter Paragraf regelt die Mitwirkungsrechte von Kindern und Jugendlichen im Rahmen lokalpolitischer Entscheidungen. Das Land hatte vor zwei Jahren einen entsprechenden Passus in die Kommunalverfassung aufgenommen. Die besondere Form der Einwohnerbeteiligung soll damit gefördert werden. Hintergrund ist die Kinderkonvention der Vereinten Nationen.
Nur wählen reicht nicht
Voraussichtlich in diesem Herbst will das Fürstenberger Stadtparlament über eine Änderung der Hauptsatzung beraten — ganz im Sinne der Mitwirkungsrechte von Jugendlichen. Was dabei herauskommt, ist einigen Fürstenberger Jugendlichen im Klub nicht schnuppe.
Laura Runge, die den Beruf der Sozialassistentin erlernen wird, geht es nicht so sehr um jede Einzelheit der politischen Willensbildung. Auch an den ganz großen Rädern wie der Klimarettung kann sie nicht sofort drehen, ist sie überzeugt.
„Wir Jugendlichen haben aber häufig den Eindruck, dass hier im Ort Vorhaben politisch realisiert werden, die wir nicht richtig finden“, stellt die jungen Frau klar. Das zu ändern, das interessiere sie. Daher ihr Engagement, das sie im Juni in den Sozialausschuss führte, wo das Thema Mitbestimmung Jugendlicher diskutiert wurde. „Es ist noch viel zu oft so, dass Neubauten oder große Projekte umgesetzt werden, aber die jungen Leute, die damit in 30 Jahren oder später leben werden, sind gar nicht gefragt worden, ob sie das wollen“, erläutert die Fürstenbergerin, nach eigenem Bekunden seit Jahren Stammgast im Jugendklub Treff ’92.
Außerdem hätten viele junge Leute den Eindruck, Politik sei wie Sirup, äußerst zähflüssig und klebrig. „Es dauert sehr lange Zeit, bis etwas getan oder gar geändert wird“, meint sie. Diese Prozesse wolle sie verkürzen helfen. „Überhaupt nix“ halte sie von der Einstellung, alle vier Jahre wählen zu gehen, das reiche voll aus. „Ich will bei Vorhaben mitreden, wie sich die Jugendlichen das vorstellen.“
Leidenschaftliche Fotografin
Dass der jungen Fürstenbergerin viele Entscheidungsprozesse und Verwaltungsakte zu lange dauern, können jene gut nachvollziehen, die sie besser kennen. Laura ist kein Kind von Traurigkeit. Sie liebt das Motorrad fahren, Sport treibt sie gerne, lange Zeit trainierte sie mit der Tanzgruppe des Jugendklubs. Zugleich verfügt sie über die Fähigkeit, sich rasch und gut zu konzentrieren: Laura fotografiert nämlich sehr gerne. Und zwar so gut, dass es sogar Anfragen gibt, bei Veranstaltungen Fotos zu machen. Am kommenden Wochenende etwa, da steht eine Hochzeit an, die sie ablichten wird.
Eins stehe schon fest: „Ich will in Fürstenberg bleiben“, erklärt Laura, die später einmal Erzieherin werden möchte. Am 17. August beginnt sie erst einmal ein Praktikum im Jugendklub, damit sie sich besser auf ihre Ausbildung zur Sozialassistentin konzentrieren kann. Zwei Tage in der Woche wird sie an der Seite von Klubchefin Ina Kuhlmann und Mike Gutschmidt die Kinder betreuen und Verantwortung übernehmen. Automatisch dürfte die Erkenntnis reifen, dass es Zeit und Geduld braucht, Konflikte aus der Welt zu schaffen.