Klimaschutz
: Waldumbau ist in Oberhavel gar nicht so einfach

Die Grüne Liga Oberhavel will das Waldgebiet des Harenzacken in den nächsten Jahren behutsam zu einem Mischwald entwickeln.
Von
Volkmar Ernst
Löwenberger Land
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Ein typischer Verbissschaden: Die Tiere haben die schmackhafte Rinde und das Laub gefressen.

Volkmar Ernst

Eine Organisation, die sich für den Waldumbau einsetzt, ist die Grüne Liga mit ihren Landes– und Kreisverbänden. Einen solchen gibt es auch in Oberhavel, dem das Land Brandenburg vor gut 20 Jahren Wald im Naturschutzgebiet Harenzacken bei Großmutz übereignet hat. Das Gebiet erstreckt sich zwischen Grieben, Linde, Hoppenrade, Großmutz und Glambeck. Durch Zukäufe sind es mittlerweile rund 180 Hektar Wald und auch einige Wiesen geworden, für welche die Grüne Liga Oberhavel die Verantwortung trägt.

Ein Mischwald hat Vorteile

Das erklärte Ziel ist der Erhalt der Natur und ein allmählicher Umbau zu einem Mischwald, wie Uwe Mietrasch erklärt. „Wir möchten dahin kommen, dass sich der Wald selbst erhält, was er augenblicklich aber nicht kann“, so der Fachmann weiter. Die Frage nach dem ‚Wieso’ ist schnell erklärt: Wie sollen sich Laubbäume in einem Nadelwald ansiedeln, wie die Samen von Laubbäumen dort überhaupt hinkommen?

Das ist nur ein Aspekt, warum der Waldumbau nicht so einfach umzusetzen ist. Von Vorteil für die Grüne Liga ist dabei, dass sie nicht in erster Linie, wie bei der kommerziellen Waldnutzung, einen Ertrag erzielen muss. Ähnlich wie bei einer Stiftung muss die Liga als Eigentümerin des Waldes für dessen ökologische Bewirtschaftung garantieren und keine Überschüsse generieren.

Gezielte Aufforstung

Wenn beispielsweise Holz auf einer Fläche geschlagen wird, erfolgt die Aufforstung der Flächen nicht erneut mit Nadel–, sondern mit Laubbäumen. Punktuell ergibt sich so allmählich ein Mischwald. Das hat den Vorteil, dass sich passend zu den Standortbedingungen bestimmte Baumarten ansiedeln und durchsetzen, weil sie es feuchter oder trockener lieben. Umgekehrt sorgen aber auch die Bäume mit ihrem Wurzelwerk dafür, dass die Feuchtigkeit im Boden gehalten wird und der Grundwasserspiegel nicht weiter absinkt. Für den Harenzacken ist zum Beispiel typisch, dass sich in den Randgebieten trockene Sandböden befinden. Im Inneren des Gebietet gibt es jedoch Lehm, der das Wasser halten und in feuchten Jahren sogar kleine Gewässer entstehen lassen kann.

Die Aufforstung erfolgt, indem Setzlinge in den Boden gebracht werden. Die müssen wiederum geschützt werden, denn das zarte Grün schmeckt vor allem den Wildtieren und ist am Boden leicht zu erreichen. Ein möglicher Schutz ist der Bau eines Zaunes, ein anderer der gezielte Abschuss von Wild. Sofern sich das Wild nicht übermäßig vermehrt, ist es keine Gefahr für die Aufforstung. Der Wald wächst quasi von selbst. Doch im Harenzacken ist das derzeit noch nicht so. Deshalb fordert nun sogar die Grüne Liga, dass die Wildabschusszahlen erhöht werden. „Das hört sich paradox an, dass wir als Naturschützer vorschlagen, mehr Tiere zu schießen“, sagt Mietrasch und erklärt weiter: „Es ist aber erforderlich, um den Waldumbau zu befördern. Denn je mehr Tiere es gibt, umso größer ist deren Hunger auf das junge Grün, das eigentlich zu stattlichen Bäumen heranwachsen soll. Wir könnten Zäune bauen und tun das auch, aber das ist sehr teuer und auf Dauer einfach nicht zu leisten.“

Wolf nimmt Einfluss

Hinzu kommt im Harenzacken noch, dass das um Herzberg/Rüthnick ansässige Wolfsrudel das Wildverhalten stark beeinflusst. „Dies macht eine Anpassung der Jagdstrategie notwendig“, so Mietrasch. „Aber wenn der Tierbestand zu groß wird, dann schädigt das den Wald beziehungsweise verhindert sein Entstehen“, stellt er fest. In der Perspektive würde das Wild selbst leiden, weil die Konkurrenz um das Futter und den Lebensraum immer größer würde.

Nun wünscht sich Mietrasch nicht schießwütigere Jäger. „Die brauchen wir nicht, und der Großteil der Jägerschaft ist das auch nicht. Aber die Tierpopulation muss stärker dezimiert werden.“ Deshalb hofft er auf Gespräche mit den Jägern, um das Problem zu besprechen und in den Griff zu bekommen. Die Grüne Liga Oberhavel bietet den Jägern sogar Unterstützung an, beispielsweise mit dem Bau von Hochständen oder der Hilfe, um zeitliche Ausnahmeregelungen für die Jagd zu erhalten. „Die allerschlechteste Möglichkeit für uns wäre, wenn es zum Streit käme und wir Verbissschäden einfordern müssten“, so Mietrasch.