Laufen: Lancelot Gentz vor dem Abenteuer seines Lebens
„Das ist ziemlich neu für mich“, räumt Gentz junior ein, der sich gut vorbereitet fühlt. „Ich laufe sonst auf flachen Strecken auf der Straße, habe im Sommer aber drei Bergläufe mitgemacht.“ Er empfinde einfach nur „totale Vorfreude“ und sei zuversichtlich. "Ich habe keine Angst. Das Wichtigste wird sein, es nicht zu schnell anzugehen und auch bergab klug zu laufen. Muskelkater wäre ganz schlecht.“
Laufen war schon immer seine Leidenschaft. „Früher hat mich mein Vater in den Ferien immer zu Wettkämpfen mitgenommen. Nur so zum Spaß.“ Lancelot Gentz kam vor einem Jahr so richtig auf den Geschmack. „Als ich nach dem Schulabschluss mehr Zeit hatte, wollte ich einen Marathon mitlaufen.“ Das war in Berlin. In 3:12 Stunden legte der Jugendliche – der sich gerade auf der 10-Kilometer- und Halbmarathon-Strecke wohlfühlt – eine gute Zeit hin. „Die will ich in diesem Jahr verbessern.“ Am 29. September geht es in der Hauptstadt über 42,195 Kilometer. Für Gentz wird es der zweite Marathon überhaupt sein.
Vater Armin hat weitaus mehr Ultra-Erfahrungen. Der 48-Jährige nahm unter anderem am Zugspitz-Ultratrail, dem Stubai-Ultratrail und dem Treppen-Marathon in Radebeul teil. Seine Marathon-Bestzeit steht bei 3:21 Stunden. "Von ihm bekomme ich wertvolle Tipps. Er schreibt auch meine Trainingspläne.“ In den Alpen werden Vater und Sohn unter dem Namen „Team Buberow 0071“ starten. Team heiße nicht, dass am Ende der Etappen einfach die Zeiten addiert werden, berichtet der Youngster. „Man läuft im Team und darf nur 100 Meter Abstand haben, auch aus Sicherheitsgründen.“ Die Ziele umschreibt Armin Gentz so: „Wir wollen das Rennen bis zum Ende durchstehen, Spaß haben und in der ersten Hälfte der Teilnehmer ankommen.“
Die Teamkollegen vom SV Zehdenick würden ihm die Daumen drücken, ist sich Lancelot Gentz sicher. Der Granseer fing als Vierjähriger beim SV Altlüdersdorf mit dem Fußball an, landete dann bei Eintracht Gransee und vor vier Jahren beim SVZ. „Andere Fußballer finden es schon komisch, dass mir das Laufen so viel Spaß macht. Das können sie nicht nachvollziehen und machen manchmal Sprüche. Das ist aber alles lieb gemeint.“ Die Frage, ob ihm Fußball oder Laufen wichtiger sei, beantwortet der Buberower so: "Laufen mache ich deutlich mehr. Ich passe das aber so an, dass ich dennoch zu den Spielen kann. Wenn ein wichtiger Lauf ist, lasse ich das Spiel aus. Laufen hat schon einen höheren Stellenwert.“
Acht Tage, 273 Kilometer, 16 000 Höhenmeter
Der Transalpine-Run feiert in diesem Jahr Jubiläum. Zum 15. Mal fällt am 31. August in Oberstdorf der Startschuss zu einem der härtesten und zugleich spektakulärsten Trailrun-Rennen der Welt.
In acht Tagen geht es für 300 Zweier-Teams aus 40 Nationen zu Fuß über die Alpen. Eine extreme physische wie psychische Herausforderung von 273,8 Kilometer und 16 150 Höhenmeter im Anstieg.
Etappenorte sind Lech, St. Anton, Landeck, Samnaun, Scuol und Prad. In Sulden am Ortler geht es am Sonnabend, 7. September, ins Ziel.
Sicherheit wurde vom ersten Tag an groß geschrieben. 185 Ärzte, Pfleger und Rettungssanitäter waren bislang im Einsatz, händigten dabei 6 886 Blasenpflaster und 6 550 Coolpacks aus, behandelten 241 Notfälle und 622 große Wunden. Die Notfallausrüstung, die über die Alpen getragen wurde, addiert sich auf 4,7 Tonnen.
Für die richtige Versorgung sind die zahlreichen Verpflegungsteams zuständig. Auf der Speisekarten standen binnen 14 Jahren jeweils rund 11 000 Kilogramm Bananen, Orangen und Wassermelonen, dazu 1 200 Kilogramm Tomaten, 2 700 Kilogramm Gurken und 2 800 Kilogramm Äpfel. Spitzenreiter waren aber Nahrungsergänzungsmittel: 114 600 Energy-Riegel und 117 600 Energy-Gels wurden verteilt. Unterm Strich steht damit ein Gesamtgewicht von 46,2 Tonnen an Lebensmitteln. Dazu kommen insgesamt 146 480 Liter Getränke.



