Lesen: Junge Zehdenickerin für Literaturpreis der Länder nominiert

Mit Büchern aufgewachsen: Lisa Bresch aus Zehdenick sorgt als junge Autorin für Furore.
Wolfgang Gumprich„Einmal möchte ich auch da oben sitzen“, flüsterte 2015 die damals 15-jährige Lisa Bresch ihrem Vater zu, der sie zu ihrem ersten Wettbewerb nach Berlin ins Rote Rathaus begleitete. Da hatte sie ihren ersten Text eingereicht, fünf Jahre später, mittlerweile Abiturientin am Strittmatter-Gymnasium Gransee, ist sie für einen Preis in der Kategorie Lyrik nominiert.
Und da in diesem Jahr kein Literaturschaffender um den 200. Geburtstag des größten Autors der brandenburgischen Mark vorbei kommt, musste es ein Thema sein, das sich dem Namensgeber des Literaturpreises Theodor Fontane anschmiegt.
„Vor dem Sturm“ heißt das Thema, zu dem 660 Beiträge eingereicht wurden, aus diesen wurden schon vor einigen Wochen 15 Beiträge aus Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Nordrhein-Westfalen sowie Brasilien und Italien ausgewählt.
„Himmel blau“ heißt der Text, den Lisa Bresch der Jury vorgelegt hat, ein Text freier Lyrik, ohne Reim und Versmaß, das den Leser spätestens in der vierten Zeile ins Gedicht hineinzieht. „Ich war vier, als ich den Sturm verschluckte“, beginnt sie, schnell wird klar, die Ich-Erzählerin sitzt auf einer Schaukel, die ihre Mutter anschiebt: „Ich kann fliegen, schau ich kann fliegen“.
Doch nicht nur Gedichte schreibt die fast 18-Jährige, sie versucht sich auch in Prosa. „Meine Themen finde ich überall, ich nehme auf, was ich sehe, was ich höre“. Das Problem mit dem ersten Satz hat sie nicht: „Ich fange an, ich probiere, stelle vielleicht am Ende noch einmal um“.
Bei ihren Mitschülern gilt ihr Schreiben als ziemlich „uncool“, sie interessieren sich mehr für Handys, Sport oder Musik. Lisa Bresch ist Mitglied im Verein schreibender Schüler, die sich an Wochenenden zu literarischen Workshops treffen, Texte verfassen, vorlesen und sich konstruktiv gegenseitig kritisieren.
„Lisa hat von klein auf Bücher verschlungen“, sagt Vater Axel. Zuerst musste er ihr vorlesen, später hat sie die Bücher dann noch einmal für sich gelesen. Und Mutter Claudia ergänzt: „Lisa ist mit Büchern richtig pingelig. Keins wird weggeworfen, peinlich achtet sie darauf, dass die Seiten keine Eselsohren bekommen“.
Nach dem Abitur möchte Lisa Politikwissenschaft und Germanistik in Rostock studieren. Doch nun steht erst einmal die Nominiertenwerkstatt am kommenden Wochenende vom 29. bis 31. März in der Nähe von Neuruppin an.
Während der drei Tage lernen sich die Nominierten kennen, schreiben zusammen und bereiten sich auf die Preisverleihung vor. Begleitet werden sie dabei von der Sprechtrainerin Ingrid Kaech und drei Workshopleitern.
Spannend bleibt es danach immer noch, denn die eigentliche Preisverleihung findet erst am Sonntag, 28. April, im Roten Rathaus in Berlin statt.
Auszeichnung
■ THEO ist ein Literaturpreis für Kinder und Jugendliche aus Deutschland und der ganzen Welt. Sein offizieller Name lautet "Berlin-Brandenburgischer Preis für Junge Literatur", er wurde hier erdacht und wird vom Regierenden Bürgermeister von Berlin und dem Ministerpräsidenten von Brandenburg unterstützt. Er wird im Wechsel in Berlin und Potsdam verliehen. Den THEO gibt es in den Kategorien Prosa, Lyrik und SprachRäume.
■ Die THEO-Preisverleihung findet am 28. April um 11 Uhr im Roten Rathaus Berlin statt. Dort lesen die Nominierten aus ihren Texten. Eine Jury entscheidet über die Vergabe der Preise. Juryvorsitzende sind die Autorin Anke Stelling und Karla Reimert vom Haus für Poesie. ⇥(wg)