"Wir haben eine Delegiertenstruktur", erläuterte der Brandenburger Organisator der Fridays-for-Future-Bewegung am Donnerstagabend in der Regionalwerkstatt, "es gibt Ortsgruppen, die sind über whatsapp bundes- und weltweit vernetzt". Er selbst sei schon immer sehr an Politik interessiert gewesen, die Demonstrationen im Hambacher Forst hätten dann seiner inneren Stimme eine politische Richtung gegeben. Gleichzeitig entdeckte er Greta Thunberg, die er "unfassbar verehre", weil sie Regeln für eine globale Bewegung geschaffen habe. Sein Engagement – sprich schulische Nicht-Anwesenheit an Freitagen – sei von der Schulleitung zunächst kritisch beäugt worden, aber "die Faktenlage ist auf unserer Seite". Mittlerweile habe er ein Abkommen mit seinem Klassenlehrer, so dass er sich zweimal im Monat außerschulisch engagieren könne, erklärt der junge Mann, der im Frühjahr sein Abitur an einem Privatgymnasium in Eberswalde macht.
Zu viel Spritzmittel für Obst
Landelin Winter sprach als ein Gast über die Bewegung, die eng mit dem Namen Greta Thunberg verbunden ist. Ihr war der erste Film des Abends gewidmet, den das ZDF-Auslandsjournal 2019 über die Schwedin drehte. Der zweite Film des Abends behandelte "das große Insektensterben". Er zeigt, dass das Sterben noch aufgehalten werden kann, wenn der Mensch endlich gegensteuere. Hartmut Kretschmer vom Vorstand des Nabu Brandenburg wies nach dem Film auf eine wenig bekannte Tatsache hin: neben der Bestäubung sorgten Insekten auch für die Verrottung zu Erde. Als Beispiel nannte er das Laub im Herbst, wenn es einfach liegen bleiben und nicht verrotten würde. Den größten Feind der Insekten sieht Kretschmer allerdings im Einsatz von Herbi- und Insektiziden; Äpfel würden bis zur Ernte rund 20-Mal gespritzt. Er verwies auf Untersuchungen, die ein Insektensterben seit den 1990er Jahren belegten und die dies mit dem Einsatz neuer Insektizide verknüpfen, die seit eben jenen Jahren auf das Nervensystem der Tiere wirken und unter anderem für ihre Orientierungslosigkeit sorgen, so dass Bienen und Hummeln ihre Brut nicht mehr wiederfinden, diese dann verhungere.
Dr. Martin Flade, dritter Gast des Abends, Leiter des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin und Vater von Landelin Winter, wies darauf hin, dass selbst in seinem Revier, in dem seit 30 Jahren Öko-Landbau betrieben werde, Pestizide in geringem Umfang nachweisbar seien. Und wie soll es weitergehen, wollten viele Besucher wissen. "Wenn ich das wüsste!" konterte Landelin Winter mit jugendlichem Charme. Wissenschaftler erstellten Studien, die anschließend ohne politische Konsequenzen blieben, er habe mit vielen Politikern gesprochen, doch die hätten ihm immer nur erzählt, was nicht geht. Er empfiehlt ein "Raus aus der Komfortzone". Der Nabu-Mann riet, bei Bio-Erzeugern einzukaufen, eine Zuhörerin regte an, in den Dörfern Blühstreifen anzulegen, die dann nicht gemäht werden dürften. Zurück blieb die Erkenntnis, dass Natur-, Klima-, Umweltschutz bei jedem einzelnen anfängt.

Das Festival


Am 15. Januar  startete die Ökofilmtour zum 15. Mal im Kino des Potsdamer Filmmuseums als das Brandenburgische Festival des Umwelt- und Naturfilms, das bis zum 24. April wieder in mehr als 70 Orten des Landes stattfinden wird.

Mit der Filmgala begann auch der diesjährige Wettbewerb um die fünf mit 5 000 Euro dotierten Preise: den Klimaschutz-Filmpreis der Stadt Potsdam, den Horst-Stern-Preis für den besten Naturfilm von der Stiftung NaturSchutzfonds Brandenburg, den Zukunftsfilmpreis der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde, den Kinder- und Jugendfilmpreis des Zentrums für Arbeits- und Umwelt-Medizin Berlin sowie  den Preis für die beste künstlerische Leistung. red