RE5 in Gransee: Zug bleibt liegen, 275 Fahrgäste sitzen bei Hitze fest

Ein Zug der Linie RE5 Richtung Stralsund ist bei Gransee liegengeblieben. Bei Temperaturen von über 40 Grad fiel die Klimaanlage aus. Die Rettungskräfte mussten den 275 Passagieren helfen.
P. NeumannEin technischer Defekt an einem Regionalzug der Linie RE5 hat am Samstag (27. Juni 2026) einen Großeinsatz auf der Bahnstrecke zwischen Gransee und Buberow ausgelöst. 275 Fahrgäste, darunter zahlreiche Familien mit Kleinkindern und Babys, saßen bei Außentemperaturen von bis zu 41 Grad auf freier Strecke fest.
Aufgrund der zunächst unklaren Lage und einer ersten Meldung über bis zu 400 Personen im Zug wurde das Alarmstichwort MANV Groß (Massenanfall von Verletzten) ausgelöst. Für die Einsatzkräfte begann der Einsatz kurz nach 15 Uhr bereits mit einer großen Herausforderung.
Der genaue Standort des Zuges war zunächst unklar, wodurch mehrere Anfahrtswege erkundet werden mussten. Einsatzleiter der Feuerwehr Gransee, Marvin Pahlow, schilderte, dass die Kräfte schließlich über Feldwege, Bahnböschungen und Gräben zur Einsatzstelle gelangten.
Zug bleibt bei Gransee liegen: Klimaanlage fällt bei 41 Grad Hitze aus
Als die Feuerwehr den Zug erreichte, hatten sich bereits einige Fahrgäste ins Freie begeben und saßen neben den Gleisen. Wie Bundespolizeisprecher Michael Teich mitteilte, war inzwischen auch die Klimaanlage im Zug ausgefallen. Und das bei Temperaturen um 41 Grad.
Zunächst verschafften sich Feuerwehr und Rettungsdienst einen Überblick über die Lage und sichteten alle Fahrgäste. Es gab keine schwer verletzten Personen. Drei Menschen, darunter ein Kind, wurden aufgrund leichter gesundheitlicher Beschwerden durch den Rettungsdienst behandelt. Ein Transport in ein Krankenhaus war jedoch nicht erforderlich.

Anwohner und Einsatzkräfte versorgten die Passagiere des liegengebliebenen RE5 bei Gransee mit Wasser.
P. NeumannAuch für den Rettungsdienst stellte der Einsatz eine besondere Herausforderung dar. Manuel Jänisch, Einsatzleiter der Schnelleinsatzeinheit Sanität (SEE-San), erklärte, dass aufgrund der ersten Meldung mit rund 400 betroffenen Personen zahlreiche Rettungskräfte alarmiert wurden. Die schwierige Zufahrt über Feldwege erschwerte den Einsatz zusätzlich.
Vor Ort unterstützten die Kräfte die Feuerwehr bei der Sichtung der Fahrgäste und versorgten leicht überhitzte Personen mit Getränken und Kühlmöglichkeiten. Nach der technischen Überprüfung durch den Triebfahrzeugführer konnte der Regionalzug schließlich wieder in Betrieb genommen werden.
Anwohner bei Gransee unterstützten Passagiere mit Wasser
In enger Abstimmung mit dem Notfallmanager der Deutschen Bahn wurde der Zug langsam bis zum Bahnhof Gransee gefahren. Dort konnten die Fahrgäste aussteigen, sich mit Getränken versorgen und sich auf Wunsch erneut durch Rettungsdienst und Notarzt untersuchen lassen. Wer keine medizinische Hilfe benötigte, konnte entweder die Reise später fortsetzen oder den Bahnhof verlassen.

Der RE5 erreichte später den Bahnhof Gransee, wo Passagiere entweder auf andere Fahrzeuge umstiegen oder weiterfuhren.
P. NeumannDie außergewöhnlich hohen Temperaturen stellten nicht nur für die Fahrgäste, sondern auch für die Einsatzkräfte eine enorme Belastung dar. Bei über 40 Grad mussten Feuerwehr, Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Polizei teilweise über längere Zeit in voller Schutzkleidung arbeiten.
Um die körperliche Belastung möglichst gering zu halten, wurden nur die unbedingt erforderlichen Einsatzkräfte direkt an der Einsatzstelle eingesetzt, während sich weitere Kräfte im Schatten bereithielten und regelmäßig mit Trinkwasser versorgt wurden.
Große Unterstützung erhielten die Einsatzkräfte dabei auch aus der Bevölkerung. Der Anwohner Ole Peter, dessen Felder direkt an die Bahnstrecke grenzen, bemerkte die zahlreichen Einsatzfahrzeuge und sprach die Einsatzkräfte an.
Nachdem Polizei und Feuerwehr mitgeteilt hatten, dass dringend Trinkwasser und Kühlakkus für die Fahrgäste benötigt würden, organisierte er gemeinsam mit seiner Familie kurzerhand rund 50 Liter Wasser sowie Becher und brachte alles zur Einsatzstelle.
„Wir haben einfach das Normalste gemacht, was wir machen konnten, und den Menschen Wasser gegeben“, sagte Ole Peter. Bei Temperaturen von rund 42 Grad in der Sonne könne er sich kaum vorstellen, wie belastend die Situation im Zug ohne funktionierende Klimaanlage gewesen sein müsse.
Zug setzt Fahrt Richtung Stralsund mit drei Stunden Verspätung fort
Für ihn sei die Hilfe selbstverständlich: „Ich hoffe, wenn ich in Notlage bin, hilft mir auch jemand. Wir sind hier in unserer Heimat – und die Heimat hilft sich.“ Einsatzleiter Pahlow zog nach dem Einsatz eine positive Bilanz. Die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Rettungsdienst, Katastrophenschutz, Polizei und dem Notfallmanagement der Deutschen Bahn habe hervorragend funktioniert.
Trotz der extremen Wetterbedingungen und der zunächst unübersichtlichen Lage konnten alle Fahrgäste schnell betreut und sicher nach Gransee gebracht werden. Der Großeinsatz endete ohne schwerwiegende gesundheitliche Folgen.
Laut Michael Teich konnte der Zug gegen 18 Uhr seine gewohnte Fahrt Richtung Stralsund fortsetzen und kam dort später auch ohne weitere Probleme an. Auf der Bahnstrecke gibt es dem Sprecher zufolge keine Einschränkungen mehr.



