Anatolii Panasenko und sein Bruder Andrei stehen noch immer an der polnisch-ukrainischen Grenze. Sie haben einen Transporter und warten auf Freunde, um sie nach Deutschland mitzunehmen, genauer gesagt – nach Löwenberg. Freitagabend sind Anatolii und Andrei Panasenko von Löwenberg aus losgefahren, um ihre Familien an der Grenze einzusammeln, die sich aus dem Großraum Kiew durchgeschlagen haben. Sonnabend früh waren sie da. Tatsächlich haben sie sich dann in dem Chaos am Sammelpunkt auf polnischer Seite gefunden. Sie konnten ihre Mutter, die Frau von Andrei und sein Kind sowie die Schwester und ihr Kind wohlbehalten umarmen.
Anatolii Panasenko lebt seit 2017 in Löwenberg, zusammen mit seiner Frau und seiner mittlerweile fünfjährigen Tochter. Sein Bruder Andrei ist noch nicht so lange in der Region. Doch seit Beginn des Jahres arbeitet er wie sein Bruder bei der Löwen Agrar GmbH. Chef ist dort Wido Beier. „Wir stehen in ständigem Kontakt mit den beiden“, sagt Beier am Montag. Als sie am Sonnabend telefonierten und nachfragten, wie er helfen könne, sagten die Panasenko-Brüder, dass sie noch auf weitere Freunde aus der Ukraine warten wollen und ob es nicht möglich wäre, ihre Familie aus Polen abzuholen. „Wir haben nicht lange überlegt“, sagt Wido Beier. „Wir haben zwei Fahrzeuge besorgt und sind losgefahren.“ Sonntagfrüh um 6 Uhr ging es los. Mit dabei war auch Dachdecker Matthias Ludwig aus Löwenberg. „Wir haben schnell noch Kanister mit Diesel, Schlafsäcke, Wasser und Süßigkeiten für die Kinder besorgt und sind dann gestartet.“
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnte der Konflikt bis zu 4 Millionen Flüchtlinge hervorbringen, je nachdem, wie lange die Invasion andauert. Grenzübergang Medyka in Polen.
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnte der Konflikt bis zu 4 Millionen Flüchtlinge hervorbringen, je nachdem, wie lange die Invasion andauert. Grenzübergang Medyka in Polen.
© Foto: Visar Kryeziu

Lehrlingswohnungen hergerichtet

Neuneinhalb Stunden haben sie für die knapp 900 Kilometer lange Strecke benötigt. Am Sammelpunkt angekommen, haben sie die Familien von Anatolii und Andrei Panasenko eingeladen und haben sich ohne die Brüder wieder auf den Weg zurück gemacht. Montag, in aller Herrgottsfrühe waren sie wieder in Löwenberg. Untergekommen sind sie erst einmal in den Wohnungen von Anatolii und Andrei Panasenko. Für die anderen Kriegsflüchtlinge wurden unter anderem von Elektriker Mathias Brandenburg die Lehrlingsunterkünfte der Löwen Agrar notdürftig hergerichtet. „Wir haben Lampen angebracht und Matratzen besorgt“, so Brandenburg. Alles Weitere werde sich finden.

Löwenberg koordiniert Hilfsangebote

Das sieht auch Wido Beier so. Zunächst ging es ums nackte Überleben und der Soforthilfe. Er bittet aber alle, die jetzt den Familien Panasenko helfen oder etwas spenden wollen, erst einmal abzuwarten. „Ihnen geht es den Umständen entsprechend gut“, so Beier: „Jetzt müssen wir alles weitere planen.“ Unterstützt werden sie von der Gemeinde Löwenberger Land. Die hat spontan eine zentrale Anlaufstelle in Löwenberg geschaffen, um Hilfsangebote aufzunehmen und zu organisieren. „Das läuft bei uns über das Ordnungsamt“, sagt Bürgermeister Bernd-Christian Schneck. Kontakt: Mail: ukrainehilfe@loewenberger-land.de oder 033094 698 29.
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