Auch im Landkreis Oberhavel stoßen viele Besitzer von Haustieren in Zeiten der Inflation an ihre Grenzen. Wenn Energie und Lebensmittel teurer werden, passen das Futter für Hund oder Katze sowie der Besuch beim Tierarzt nicht mehr in das Budget. Wie und wo wird ihnen Hilfe angeboten?
Probleme, die im Tierheim Tornow nicht unbekannt sind. Rund 200 Tiere vermittelt die Einrichtung in der Nähe von Fürstenberg/Havel im Jahr. Hauptsächlich – in etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle – sind es Katzen, die relativ schnell adoptiert werden. Auch 20 bis 30 Hunde finden über den Tierschutzverein Oberhavel ein neues Zuhause. Doch aktuell stehen die Telefone in Tornow kaum noch still.
„Ganz viele Hundebesitzer, die kein Geld haben, wollen ihre Tiere abgeben, weil sie es sich nicht mehr leisten können“, sagt Maria Erler. Sie steht seit Oktober dem Tierschutzverein vor und leitet auch das Tierheim in Tornow. Die Lage spitze sich mehr und mehr zu. Täglich erhalte sie mehrere Anfragen, ob sie Tiere aufnehmen könne. „Das hatten wir in dem Ausmaß noch nicht.“ Erst kürzlich habe ein Mann seinen Hund unmittelbar im Tierheim abgeben wollen, weil seine Miete ums Doppelte gestiegen sei.
Maria Erler ist Vorsitzende des Tierschutzvereins Oberhavel.
Maria Erler ist Vorsitzende des Tierschutzvereins Oberhavel.
© Foto: Burkhard Keeve
Doch die Zwinger und Hundestationen im Tierheim Tornow sind voll belegt. „Wir haben Platz für 35 Hunde, mehr geht nicht“, sagt Maria Erler. Drastische Folge: Ein Aufnahmestopp wurde verfügt. Anrufer werden auf das nächste Jahr vertröstet. „Erst müssen wir wieder Hunde vermitteln, bevor wir neue Tiere aufnehmen können“, so die Vorsitzende des Tierschutzvereins Oberhavel.

Das wird Tierbesitzern geraten

Verzweifelten Tierbesitzern bietet sie an, ihre Hunde und Katzen über die Homepage des Tierschutzvereins Oberhavel zu vermitteln, ohne dass sie ins Heim gebracht werden. Für manchen Tierfreund sei die Lage wegen der Kosten dramatisch – vor allem, weil die Tierarztkosten im November um 100 Prozent gestiegen sind.

Anlaufstelle für Tierbesitzer in Not

Eine bundesweite Anlaufstelle ist der Tierverbund. Dort wird Hilfesuchenden per Telefon (0800 1121314) oder per Mail (info@tierverbund.de) weitergeholfen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Preise für Hunde- und Katzenfutter innerhalb eines Jahres um mehr als 16 Prozent gestiegen. Besonders Ältere, die mit wenig Geld auskommen müssen, treffe es hart. Doch auch Jüngere sind betroffen. Ein Beispiel ist der Fall von Bulldogge „Dicker“. Die Besitzer wollten den Hund, bei dem eine Operation erforderlich war, einschläfern lassen, weil sie die hohen Kosten in Höhe von 3600 Euro nicht stemmen konnten – oder wollten.

Das wird Tierbesitzern geraten

„Auch wir bezahlen mittlerweile das Doppelte für den Tierarzt“, sagt Maria Erler. Ein Kostenfaktor, der gewaltig ins Kontor schlägt. Wie das Loch gestopft werden soll, weiß Maria Erler auch noch nicht. Sie hofft auf zusätzliche Spenden.
Tierhaltern rät sie zu Tierversicherungen, um hohe OP-Kosten aufzufangen. Aber auch die Versicherungen seien teurer geworden. Tierschutzorganisationen raten, Geld Monat für Monat zurückzulegen, um dann im Tier-Notfall darauf zurückzugreifen. Doch viele Menschen können sich das nicht leisten. Aktuell schon gar nicht, da alles teurer geworden ist, vom Gas bis zur Butter.

Tierarztkosten

Am 22. November trat die neue Gebührenordnung für Tierarzt-Ausgaben in kraft.
Die alte Ordnung stammt aus dem Jahr 1999. Jetzt ist sie aktualisiert worden.
In der Gebührenordnung wird festgelegt, für welche Leistung Tierärzte wie viel berechnen dürfen. An diesen Kosten hatte sich seit mehr als 20 Jahren nichts geändert.
Die Erhöhung trifft Katzenhalter stärker als Hundebesitzer. So kostet eine „allgemeine Untersuchung mit Beratung“ für Hunde 75 Prozent mehr, für Katzen 163 Prozent. In Euro heißt das für beide Tiere 23,62 Euro statt bisher 13,47 Euro (Hunde) und 8,98 Euro (Katzen).
Die Impfung für Hund oder Katze kostet jetzt 11,50 Euro statt bislang 5,77 Euro.

Viele unvermittelbare Hunde in Tierheimen in Brandenburg

Insgesamt 28 Tierschutzvereine gibt es in Brandenburg, etwa die Hälfte davon hat Aufnahmemöglichkeiten wie eine Station oder ein Tierheim. Die Lage in den anderen Einrichtungen sieht nach Angaben des Vorsitzenden des Landestierschutzverbandes Brandenburg, Rico Lange, ähnlich düster aus. „In ganz vielen Heimen landen gerade Tiere, weil die Besitzer kein Geld mehr haben.“ Problem bei den Hunden: Die Heime sind schon jetzt sehr voll, weil „viele Hunde nicht vermittelbar sind und Plätze blockieren“, so Lange. Die Schuld gibt er unter anderem der Corona-Pandemie. Viele Menschen hätten sich Hunde angeschafft und seien jetzt damit überfordert. Ganz besonders dann, wenn „die Tiere ungeprüft aus ausländischen Quellen zu uns kommen und dann als Wanderpokale zum Nachbarn, zu Freunden und Bekannten und dann zum Tierheim abgeschoben werden, weil sie beißen“, so Rico Lange.
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