Hund in Tornow
: Voll mit Medikamenten – wie Border Collie Runa leiden musste

Um ihr Temperament zu zügeln, bekam Hündin Runa von ihren Besitzern Antidepressiva und Beruhigungsmittel verabreicht. Jetzt ist sie auf Entzug im Tierheim Tornow.
Von
Martin Risken
Tornow
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Tierheim Tornow, Mitarbeiterin Jamie Schackert mit Hündin Runa

Verstehen sich prächtig: Hündin Runa und Tierheim-Mitarbeiterin Jamie Schackert. In Tornow wird der Border Collie betreut, bis sich ein neuer Besitzer findet.

Martin Risken

Mit einem krassen Fall hat es das Tierheim Tornow zu tun bekommen. Eine nach Deutschland übergesiedelte Familie aus Russland ist in der Einrichtung bei Fürstenberg mit ihrem Border Collie vorstellig geworden. Die Leidensgeschichte der knapp dreijährigen Runa macht die Mitarbeitenden des Tierschutzvereins Oberhavel fassungslos. Sie behielten den Hund gleich da.

Bei einer ersten Begegnung fiel erst gar nicht auf, welches Schicksal die Hündin mit sich herumträgt. Als „liebenswürdig, verspielt, aufmerksam und temperamentvoll“ beschreibt Tierheim-Mitarbeiterin Jamie Schackert den Hund. Runa möge Menschen. Auch gegenüber Artgenossen verhalte sich die seit ein paar Wochen im Tierheim lebende Hündin sehr freundlich. Aufgewachsen ist sie in Russland.

Tierarzt in Russland hat Runa behandelt

Doch schon dort waren ihre Besitzer überfordert mit dem Tier. Das sei so weit gegangen, dass verschiedene Medikamente verabreicht wurden, um das Temperament von Runa zu zügeln. Dabei habe sich der Border Collie artgerecht verhalten, weiß Jamie Schackert aus den Schilderungen ihrer Besitzer.

Diese mussten selbst erkennen, dass ihr Hund in bessere Hände gehört. Die Familie brachte auch gleich die Unterlagen eines russischen Tierarztes mit. Das Tierheim übersetzte diese. Demnach bekam der Border Collie gleich drei verschiedene Medikamente verabreicht.

Jamie Schackert stellt fest, dass die Hündin von Anfang an nicht artgerecht gehalten wurde. Im vergangenen halben Jahr sei Runa nur noch mit einem Maulkorb unterwegs gewesen, weil sie nach Menschen geschnappt habe und sich im eigenen Kreis drehte. Sie sei immer sehr aufgeregt gewesen und sei in die Hand gesprungen, wenn sich ihr Menschen näherten.

Bis auf eine Hüft-Operation, die das Treppensteigen erschwert, sei der Border Collie aber völlig gesund. Das Tier brauche weder Medikamente noch einen Maulkorb. „Die Hündin war einfach krass unterfordert“, weiß Jamie Schackert um die Wesenszüge des Hütehundes, der an der Seite von Schäfern normalerweise viel draußen unterwegs ist und die Schafherde zusammenhalte.

„Sie weiß einfach nicht, wohin mit ihrer Energie“, so Jamie Schackert. Das Tier mit Medikamente zu behandeln, sei deshalb der völlig falsche Weg gewesen. Schon im zarten Alter von zehn Monaten seien ihr die Antidepressiva und Beruhigungsmittel zweimal täglich verabreicht worden.

Insgesamt drei verschiedene Mittel listet der tierärztliche Befund aus Russland auf. Die Folge: Die Hündin schlief mehr als gut war. „Das war einfach nicht hilfreich. Zurzeit nimmt sie keine Medikamente. Damit geht es ihr sehr gut“, berichtete Jamie Schackert.

Temperamentvoller Hund will körperlich gefordert werden

So schnell wie möglich soll Runa an neue Besitzer vermittelt werden, die wissen, wie so ein temperamentvoller Hund gehalten werden muss – damit er glücklich ist und auch die Besitzer Freude an ihrem Tier haben. Wichtig zu wissen sei nur, dass sich die Hündin mit Artgenossen gut versteht. Mit Katzen sollte sie jedoch nach Möglichkeit keinen Umgang pflegen, weil sich die Hündin ständig anschleichen würde.

Als Workaholic unter den Hunden brauche der Border Collie unbedingt eine Aufgabe. Er müsse körperlich und geistig gefordert werden. Dann bereite er den Menschen viel Freude. Wie immer gilt: Das Tierheim Tornow gibt das Tier geimpft, entwurmt und gechipt ab. Interessenten können sich melden unter 033080 40808 oder per E-Mail unter info@tierschutzverein-ohv.de.

Neue Bushaltestelle Tierheim Tornow

Jetzt auch mit dem ÖPNV gefahrlos erreichbar: Vor dem Eingang zum Tierheim Tornow hat die OVG Bushaltestellen eingerichtet.

Martin Risken

Wer über kein eigenes Auto verfügt und nicht weiß, wie er zum etwas abgelegenen Tierheim Tornow kommen soll, hat jetzt die Möglichkeit, die Einrichtung im Süden der Stadt Fürstenberg auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Die Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG) hat direkt vor dem Tierheim Haltestellen eingerichtet. Bedient werden sie von den Buslinien 838 und 854. Um die Haltestellen hatte sich der Tierschutzverein Oberhavel viele Jahre bemüht. Sollten die Haltestellen gut angenommen werden, sollen sie dauerhaft angefahren werden. Vorerst aber haben sie nur bis zum 31. Dezember 2024 Bestand.

Das Angebot der OVG sei sehr hilfreich für die Arbeit des Vereins, denn so gelangen auch Praktikanten und Auszubildende gefahrlos ins Tierheim, so der Vereinsvorstand. Bislang mussten die Besucher in Tornow aussteigen und entlang der Kreisstraße das letzte Stück zu Fuß zurücklegen, was ziemlich gefährlich ist, weil es dort keinen Fußweg gibt.