Tierschutz
: Mitleid mit der gequälten Kreatur in Fürstenberg

Der Fürstenberger David Röwer lamentiert nicht, wenn es um das Elend von Haustieren geht. Er kümmert sich um sie.
Von
Thomas Pilz
Fürstenberg
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  • Sonja und Heidi wissen, was schmeckt – das frische Gras in Havelnähe. Gut durchfeuchtet dürfte es für die Ziegen ein Leckerbissen sein.

    Sonja und Heidi wissen, was schmeckt – das frische Gras in Havelnähe. Gut durchfeuchtet dürfte es für die Ziegen ein Leckerbissen sein.

    Pilz
  • Macht den Vogel wieder flügge: Diese junge Taube hat David Röwer erst kürzlich aufgenommen. Sie war an einem Flügel verletzt und wohnt jetzt im Streichelzoo von Reha Consult.

    Macht den Vogel wieder flügge: Diese junge Taube hat David Röwer erst kürzlich aufgenommen. Sie war an einem Flügel verletzt und wohnt jetzt im Streichelzoo von Reha Consult.

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Etwa gemeinsam mit Bewohnern des Heimes für geistig Behinderte, Reha Consult, die begeistert und stolz über ihre Aufgabe, die Tiere eskortieren. Zumeist handelt es sich um Ziegen. Wer nun mutmaßt, bei David Röwer handelt es sich um einen schrulligen, verschrobenen Alten, der in den Tag hineinlebt,  tatenlos zuschaut und träumt, sieht sich getäuscht.

35 Jahre jung ist der Fürstenberger, studierter Volkswirtschaftler und zurzeit sorgsamer Vater einer sieben Monate alten Tochter, die gerade zahnt. Schlaflose Nächte hat Röwer also kostenlos. Macht aber nichts. Röwer pfeift auf Konvention und herkömmliches Männertum. Röwer hat für die Familie eine berufliche Pause eingelegt und absolviert die Elternzeit.

Retter in der Not der Tiere

Vor allem aber schaut Röwer nicht tatenlos zu. Etwa all dem, das „allmählich den Bach runtergeht oder gegen die Wand gefahren wird“, wie er erklärt. David Röwer ist seit 2019 Stadtverordneter. Und zwar für die Partei Mensch, Umwelt, Tierschutz. Neben diesem Ehrenamt engagiert er sich für den Jugendfasching und spielt leidenschaftlich gerne im Verein Tischtennis. Letzteres wohl aber seltener inzwischen. Zu sehr liegt ihm das politische Mandat am Herzen. Und treibt ihn die Sorge um, der Mensch zerstört die Natur.

In einen Schmollwinkel zieht sich Röwer also nicht zurück. Wo Hilfe benötigt wird, etwa bei der Rettung von Haustieren, die der Verwahrlosung preisgegeben wurden, ist der Fürstenberger zur Stelle. „Inzwischen rufen mich deshalb schon ganz viele Leute an, die ich gar nicht kenne“, merkt er an.

Streichelzoo, dies dürfte daher der richtige Begriff für das kleine Asyl sein, das David Röwer den geschundenen Lebewesen gewährt. Kaninchen, Tauben, Silberfasanen, Hühnern und vor allem Ziegen hilft er zurzeit auf die Beine oder betreut sie langfristig zu Hause.

Sich für die Schöpfung stärker verantwortlich zu fühlen, Tieren in Not zu helfen, Massentierhaltung mit einem geänderten Konsumverhalten überflüssig machen – wenn das auch dauert – das sind Grundsätze, denen er sich verpflichtet fühlt. Und die er gerne weitergeben möchte.

Vor wenigen Wochen stattete er deshalb der Kita Kleine Strolche einen Besuch ab. Und löste Euphorie und Begeisterung bei den zumeist Krippenkindern aus, als er plötzlich echte, lebendige Küken aus der Kiste zauberte. „Da gibt es sogar Kinder, die Angst vor diesen niedlichen Tieren haben“, berichtet er. Den Nachwuchs für die wunderbaren Geschöpfe zu sensibilisieren, sei eine Idee, die er gerne in die Tat umsetzen möchte. Der Zusammenhang mit dem Konsum von Fleisch, sollte schon hergestellt werden. „Die Beziehung zu Tieren sollten die Kinder erlernen, so dass sie verstehen,  Tiere sind kein Spielzeug, die man in die Ecke pfeffern kann, sondern Lebewesen.“ Zu oft gebe es die Situation, in der Kinder „des Spielzeuges Hund oder Katze“ überdrüssig sind, so dass die armen Geschöpfe im Tierheim landen.

Zugegeben: Die Bewohner der Steinförder Wohneinrichtung von Reha Consult leben in einer ganz eigenen Welt.  Schwer krank sind die sogenannten Klienten. „Viele von ihnen gehen aber mit den Tieren ohne Vorurteil, also völlig natürlich um“, erklärt Röwer, der in der Verwaltung des Unternehmens arbeitet.

Eigentlich sei es sein Traum gewesen, als guter und leidenschaftlicher Tischtennisspieler Sportmanagement zu studieren. In Köln sollte dies geschehen, nachdem er den Beruf des Steuerfachangestellten erlernt hatte. Aus gesundheitlichen Gründen musste er den Sport-Traum aufgeben. Ein Studium der Volkswirtschaftslehre in Berlin brachte ihn zum Karriere-Coaching. „Aber diese Art zu leben und zu arbeiten missfiel mir. Es entsprach nicht meinen Überzeugungen, lieber wollte ich mit meiner Familie raus aus Berlin, in die alte Heimat aufs Land“, erklärt er.

Quasi Wendepunkt in seinem Leben waren die „grünen Erdferkel“ während der Bufdi-Zeit. Den Bundesfreiwilligendienst leistete er nämlich in einer Natur orientierten Berliner Kita ab, die den Namen „grüne Erdferkel“ trägt. Nach seiner Meinung sollte man viel früher als in der Schule ansetzen, um in Kindern eine liebevolle Beziehung zur Natur und zu den Tieren zu wecken. Die Kita wäre der richtige Ort dafür. So Manches werde ja von Erzieherinnen und Erziehern bereits getan. Röwer kennt sich aus, seine Frau leitet die Kita Havelspatzen in Bredereiche.  Um diesen Bereich frühkindlicher Erziehung besser zu unterstützen, trägt sich David Röwer nun mit dem Gedanken, möglicherweise eine Arbeitsgemeinschaft ins Leben zu rufen.

Haken bei der Sache: Röwer hat viel um die Ohren, was ihm nicht um selbige fliegen sollte. So auch das lokalpolitische Engagement. Mit den Ziegen Heidi und Sonja überdies durch Steinförde zu promenieren, an der Seite eskortiert von Labrador-Hündin Wanda, das möchte er sich auch künftig nicht nehmen lassen.

Gegen Kommerz und Machtpolitik

Die Partei Mensch, Umwelt, Tierschutz hat das Credo: "Mensch, Tier und Natur sind eine untrennbare Einheit." "Der Raubbau an der Natur sowie die rücksichtslose Ausbeutung der Tiere" haben nach Überzeugung der Partei ein nicht mehr hinnehmbares Ausmaß erreicht. Dagegen wolle man vorgehen – gegen kommerzielle und Machtinteressen.

David Röwer ist Mitglied der Partei und Stadtverordneter in Fürstenberg. Er gehört der Fraktion Vielfalt an, zu der SPD und Bündnis’90/Die Grünen gehören.⇥pilz