Unterhaltung: Leegebrucher Theatergruppe zu Gast in Großmutz
„Der Küchenreigen“ hieß das selbst geschriebene Stück, in dem die siebenköpfige Truppe den vollbesetzten Saal am Familienleben des Fleischer–Ehepaars Rippenstück teilhaben ließ, ein Ehepaar, das das Wirtschaftswunder des Wilhelminischen Zeitalters zu seinem Vorteil zu nutzen wusste. Frau Fleischermeister verkehrt — natürlich – nur in den besten Kreisen, in denen der Titel mehr als der Mensch zählt. Ein neues Mädchen „kommt in Stellung“, die sie Minna nennt, denn so heißen sie alle. Die Hausherrin warnt sie und die beiden anderen Hilfen vor „de Männa“.
Doch allen Warnungen zum Trotz kann eines der Hausmädchen den Werbungen eines Leutnants mit „joldene Knöppe“ nicht widerstehen: Es kommt, wie es kommen muss, sie gerät in „gesegnete Umstände“, die das Haus und seine Hausherrin „in Schande“ bringen. Der künftige Vater hat sich verdünnisiert, die Angst, ein „gefallenes Mädchen“ zu werden, ist groß. So kommt frau auf die Idee, die Unglückliche mit dem nicht mehr taufrischen Schupo zu verkuppeln. Der Polizist ehelicht das Hausmädchen, das neue Küchenmädchen kommt, „ich nenn dich Minna“, der Reigen beginnt von vorne.
Getragen wird das Stück von den vier Frauen Marlis Nöske (Köchin) Ellen Vanselow (Hausherrin), Kathy Jurek (Emma) und Anne Gillmeister (Minna), Stine Ritter als neue Emma sowie Andreas Rütz (Hausherr) und Harald Tröger (Polizist) geben die Nebenrollen. Unauffällig schmuggeln die Darsteller Ausdrücke in ihren Text, die viele junge Menschen kaum noch kennen dürften: der feine Pinkel, Schnösel, Fersengeld geben oder mir wird plümerant. Auf die Idee zum Stück, so erzählt Ellen Vanselow, seien sie gekommen, als sie über ihre Großmütter redeten, die zum größten Teil „in Stellung“ waren. Da die Kosten für Theatertexte hoch seien, habe sich die Truppe darauf verlegt, selbst Geschichten zu schreiben; dabei seien sie auf kein Thema festgelegt, daher der Name „Mischmasch“.

