Seit einigen Wochen weist ein knallroter Nikolausstiefel auf einem Plakat auf das Adventsshopping Zehdenick hin, am Sonnabend war es dann endlich soweit: von 9 bis 18 Uhr hatten die meisten Geschäfte in der Innenstadt an der Berliner Straße geöffnet.
Und da es der Sonnabend vor dem Zweiten Advent und dem Nikolaustag war, hatten sich die Gewerbetreibenden entsprechend vorbereitet. Doris Jordan von Blumen Jordan hatte ihre traditionelle Adventsausstellung – Corona bedingt – in ihr Ladenlokal verlegt, eine Entscheidung, die sie nicht bereute: „Die Besucher kommen – zu zweit mit Maske – in mein Geschäft, freuen sich über den zahlreichen adventlichen Blumenschmuck und die entsprechenden Dekorationen.“ Und sie wies auf einen kaufmännischen Umstand hin: Die Ware wurde im vergangenen Jahr zum Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent eingekauft, jetzt werde sie drei Prozent günstiger verkauft.

„In Gransee nichts los“

Vor dem Blumenladen warteten zwei Ehepaare auf den Einlass. Sie kamen aus Gransee, da sei „ja überhaupt nichts los“ („Das können Sie ruhig schreiben!“) und wollten sich in der Nachbarstadt umsehen.
Margit Klemann gefiel die Atmosphäre in der Stadt und dass alle Geschäfte mitmachen. Ihr Mann Norbert stimmte ihr bei „und das Wetter macht ja auch mit“. Wolfgang Brettschneider vermisste hingegen die Glühweinstände: „Das hätten ruhig ein paar mehr sein können. Verstehen Sie mich nicht falsch, so zum gemütlichen Quatschen.“ So wie vor der Gaststätte Schröder. Hier wurde der Glühwein in Pappbechern durch das Fenster gereicht, die Besucher standen in kleinen Grüppchen, tranken und klönten.

Weihnachtsmann war auch dabei

Direkt gegenüber gab es bei Colour.Me Ink Wild Burger, die in einer riesigen Pfanne über offener Flamme gebraten wurden. Der Mann am Grill zeigte sich mehr als zufrieden: „Super. Unser Burger wird sehr gut angenommen, Zum Glück haben wir einen großen Vorrat angelegt.“ Lange Schlangen bildeten sich zwar auf dem Marktplatz vor dem stationären Imbiss sowie einem Mandelstand. Der Letzte in der Schlange bekam auch noch seine Ware ab.
Foto Steinhöfel hatte vor dem Geschäft eine Kulisse aufgebaut, in der sich die Kinder mit dem Weihnachtsmann fotografieren lassen konnten. Und natürlich durfte er auch nicht fehlen: Der echte und einzige Zehdenicker Weihnachtsmann „The real XMas-Man“ mit neuem Bart und neuem Outfit, aber mit der gleichen herzlichen Zuneigung zu den (ganz) Kleinen wie in den Jahren zuvor, als er im Rathaus Weihnachtsgeschichten vorlas. In diesem Jahr zauberte er aus seinem Sack für die Jungen und Mädchen kleine Präsente.
Neben dem geschmückten und beleuchteten Weihnachtsbaum drehte sich ein Mini-Kinderkarussell, das der Jungschausteller Markus Fischer bediente. Nach jeder Runde desinfizierte er die Sitzplätze.

Märchenbilder im Pavillon

Seit März habe das Unternehmen keinen Platz mehr beschickt und somit auch keine Einnahmen erzielt; er zeigte sich froh und glücklich, dass sie ihr Karussell zum Zweiten Advent endlich wieder aufbauen konnten. Dafür hätten sie auch gerne die An- und Abfahrt von zweieinhalb Stunden (eine Richtung) an die Müritz in Kauf genommen. Ob sie ihr Geschäft in diesem Jahr noch einmal aufbauen können? „Das wird wohl unser erster und einziger Spieltag in diesem Jahr sein“, meint Fischer.
Einzigartig in einem etwas anderen Sinne präsentierte sich auch der Pavillon in der Nähe der Hastbrücke. Dort hatten die Hortkinder die beiden großen Schaufenster mit dekorativen Motiven aus zwei Märchen versehen. Diese Zeichnungen hatten allerdings einen Schönheitsfehler: etwas an ihnen stimmte nicht, und genau das sollten die Kinder erraten. Eine andere Idee sollte Kinder und ihre Eltern zum Adventshopping in die Zehdenicker Altstadt bewegen. Die Hortkinder sollten in den Wochen vor dem Adventsshopping einen skizzierten Nikolausstiefel – so wie auf dem Plakat – ausmalen und ihn in der Tourismus-Info abgeben. Dort wurden die Zeichnungen auf die Geschäfte verteilt, die sie wiederum in ihre Schaufenster stellten. Die Kinder sollten nun ihre Zeichnungen in den Schaufenstern suchen und erhielten dann ein kleines Geschenk.

Hinterm Ofen vorgelockt

Straßenmusik erklang am Nachmittag an der Berliner Straße 27. Pfarrer Andreas Domke und Lisa Hermsdorf stimmten die zur Jahreszeit passenden Lieder an. Den Endpunkt des Adventsshopping bildete die Hastbrücke, die speziell für diesen Anlass von der Volkmann Elektro GmbH mit einer Beleuchtung versehen wurde.
Marketingchefin Uta Kupsch strahlte unter ihrer Maske. Sie freute sich über die gute Resonanz des Adventsshoppings, das aus der Corona-Not heraus im August entstanden sei. „Damals wurde uns klar, dass es einen Adventsmarkt wie das Jahr zuvor nicht geben kann. Zum Glück hatte das Lupus-Team die Idee einer adventlichen Stadtwanderung, aus der dann das Adventsshopping entstand.“ Sie wies darauf hin, dass wegen der strengen Corona-Bestimmungen dies keine „städtische Veranstaltung“, sondern ein „normaler“ Verkaufstag mit längeren Öffnungszeiten als an üblichen Samstagen sei.
Aus diesem Grund habe die Stadt auch die Berliner Straße für den Verkehr nicht sperren können. „Wir haben es geschafft“, so die Marketingchefin, „die Zehdenicker hinter ihren Öfen hervorzulocken und sie zu einem Familienspaziergang in die Altstadt einzuladen“. Insgesamt nahmen 14 Geschäfte der Innenstadt an dem ersten (und einzigen?) Adventsshopping in Zehdenick teil. Die Gewerbetreibenden hatten sich nicht nur attraktive vorweihnachtliche Dekorationen einfallen lassen, sondern überraschten ihre Kunden mit kleinen Aktionen und zusätzlichen Angeboten.
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