Zu wenig Einkaufsmärkte
: Senioren sauer auf die Stadtverwaltung

Erst war der Discounter weg, dann schloss auch noch der Supermarkt. Seit drei Jahren gilt der Norden Zehdenicks als unterversorgt. Vor allem Senioren ärgert das sehr.
Von
Martin Risken
Zehdenick
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Aufbau: Nach dem Abbruch des alten Kaiser’s-Marktes im Spätsommer 2017 tut sich seit dieser Woche etwas auf der Baustelle für den künftigen Rewe-Markt.

MOZ/Martin Risken

So ergeht es auch Karin Kern und ihren Lebensgefährten Wilhelm Schwalb. „Wir wohnen hier am vergessenen Ende der Stadt“, beklagen sie seit Jahren die fehlende Unterstützung der Stadtpolitik. Immer wieder hatte es in den vergangenen Jahren geheißen, dass sich der Bürgermeister mit seinen Stadtverordneten darum kümmern werde, dass Ersatz geschaffen wird für die nicht mehr existierenden Lebensmittelmärkte im Norden der Stadt.

Noch vor ein paar Tagen schien es, als würde sich wirklich nichts rühren. Nach unzähligen Ankündigungen, dass es bald losgehen würde, tut sich nun was im Einkaufszentrum Grünstraße. Das Baufeld auf dem Gelände des ehemaligen Kaiser’s-Marktes ist abgesteckt und der erste Kran aufgestellt worden. Ein Zeichen der Hoffnung. Karin Kern und Wilhelm Schwalb hatten schon daran gezweifelt, dass der aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt geschiedene Bürgermeister Arno Dahlenburg (SPD) sein Versprechen nicht halten könnte. „Der Bürgermeister hat Versprechen gemacht und nun ist er nicht mehr da“, so Schwalb verärgert. Und sein Stellvertreter halte es wohl nicht für nötig, die Bürger über den aktuellen Stand zu informieren. „Da lässt sich keiner mehr blicken“, beklagt der Senior. Und selbst wenn jetzt die Baustelle eingerichtet wird: „Jeder normal denkende Mensch weiß doch, dass im Winter auf dem Bau nicht groß gearbeitet werden kann.“ Unverständlich sei, warum nach dem Abriss des alten Kaiser’s-Marktes im Spätsommer vergangenen Jahres nicht gleich mit dem Neubau begonnen worden ist, dann würde der neue Markt womöglich längst stehen. „Wir wollen wissen, was da los ist“, appellieren Wilhelm Schwab und Karin Kern an die Stadtpolitiker, sie mit ihren Sorgen ernst zu nehmen.

Die beiden 80-Jährigen müssen sich notgedrungen zu Fuß auf den Weg zum nächstgelegenen Discounter machen. „Ich mit dem Rucksack auf dem Rücken und meine Frau läuft mit dem Rollator neben her“, beschreibt der Senior die Szenerie, die sich allwöchentlich wiederholt. Und das Stück von ihrer Wohnung an der Marienstraße bis hinunter zum neuen Netto-Markt an der Philipp-Müller-Straße ziehe sich ziemlich in die Länge.

Zumindest von der Stadtverwaltung Zehdenick gibt es seit einigen Tagen eine offizielle Stellungnahme: „Als aktuellste Information zum Rewe-Markt liegt der Verwaltung eine Baubeginn-Anzeige zum 14. Januar 2019 vor. Ich gehe somit davon aus, dass in den nächsten Tagen/Wochen – je nach Witterung und Bauanlauf-Organisation – mit dem unmittelbaren Baustart zu rechnen ist“, teilte Vize-Bürgermeister Dirk Wendland mit, nachdem dieser Termin schon verstrichen war. Ob es einen offiziellen Eröffnungstermin für den Rewe-Markt gibt, ließ er offen.

Weiterhin offen ist aber auch noch, ob Aldi einen neuen Markt an der Bahnhofstraße in Zehdenick bauen wird. Bereits vor zwei Jahren hatten die Abgeordneten der Aufstellung eines Bebauungsplanes für das frühere Gelände der Metallgenossenschaft beschlossen. „Bei meinem letzten Kontakt mit den Verantwortlichen von Aldi vor einigen Tagen informierten diese, dass Aldi sich derzeit in den abschließenden Überlegungen zum Bebauungsplan Neubau Aldi in Zehdenick befindet. Voraussichtlich im März wird sich Aldi diesbezüglich gegenüber der Stadt äußern“, teilte Dirk Wendland zu diesem Sachverhalt mit. Aldi muss unter anderem ein Lärmschutzgutachten vorlegen.

Exodus

■ 2014 ebneten die Stadtverordneten gegen die Stimmen von CDU und Linke mit dem Ja zum Bebauungsplan dem Umzug des Netto-Marktes von der Grün- zur Philipp-Müller-Straße den Weg.

■ Nach dem Weggang von Netto vollzog Kaiser’s Anfang 2016 die Schließung der Filiale an der Grünstraße.⇥ (ris)