Diamantenes Jubiläum
: Karl-Heinz Kohne erhielt vor 60 Jahren seinen Meisterbrief

In der Region ist der Stahlbau Kohne eine Institution. Früher arbeitete man für das Stahlwerk, heute für die Bauindustrie. Für Karl-Heinz Kohne ist die Firma sein Lebenswerk.
Von
Roland Becker
Velten
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  • Ralph Bührig (links) von der Handelskammer gratuliert der Familie: Seit bis zu 64 Jahren sind Margot, Karl-Heinz, Daniela und Rusit Kohne sowie Sven Rögnitz (von links) mit dem Stahlbau sozusagen verheiratet.

    Ralph Bührig (links) von der Handelskammer gratuliert der Familie: Seit bis zu 64 Jahren sind Margot, Karl-Heinz, Daniela und Rusit Kohne sowie Sven Rögnitz (von links) mit dem Stahlbau sozusagen verheiratet.

    Roland Becker
  • Der Meisterbrief von 1960

    Der Meisterbrief von 1960

    Roland Becker
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Der Verstaatlichung entkommen

Für Handwerkskammer-Chef Bührig ist es etwas Besonderes, wenn er einen Diamantenen Meisterbrief überreichen kann: „Das passiert vielleicht zehn Mal im Jahr.“ 60 Mal Neujahr, 60 Mal Weihnachten, und dazwischen 60 spannende, aber auch harte Arbeitsjahre. 1964 eröffnete der junge Meister sein eigenes Unternehmen. Für die damalige Zeit der Verstaatlichungen in der DDR war es unüblich, ein Privatunternehmen zu gründen. Es gab strenge Regeln zur Zahl der Arbeitskräfte, und auch die Steuerprüfung schaute alljährlich genau in die Bücher. Die pflegt übrigens bis heute Margot Kohne. Während der DDR-Jahre tat sie das als „mithelfende Ehefrau“. So nannte sich das damals, erzählt sie. Die Folge: „Ich habe 19 Jahre nichts verdient und erst ab 1986 in die Rentenkasse einzahlen können.“

Dass Karl-Heinz Kohne seinen kleinen Privatbetrieb mit drei Angestellten damals überhaupt anmelden  konnte, habe er seinen guten Kontakten in der Veltener Fußballszene zu verdanken gehabt. „Ich war der Spielmacher“, erinnert er sich an die Zeit bei der TSG Velten. Vom Sektionsleiter sei er angesprochen worden, dass für eine vor dem Aus stehende Werkstatt ein Nachfolger gesucht werde. Kohne Metallbau überlebte auch die folgenden Verstaatlichungswellen. Der kleine Betrieb wurde gebraucht. Zum Beispiel, um die Tische herzustellen, die unterm Vordach des QEK Junior stehen sollten. Dieser Wohnwagen wurde im Hennigsdorfer Stahlwerk produziert.

Doch auch die Marktwirtschaft machte der Familie Kuhne zu schaffen. An die 90 000 Euro gingen in den 1990er-Jahren verloren, als der Generalauftragnehmer für ein Wohnprojekt in Leegebruch die Rechnung nicht bezahlte. Beglichen wurde hingegen die Rechnung, die diesem Verlag gestellt wurde. Als 1993 das Gebäude des Oranienburger Generalanzeigers bezogen wurde, hatte Kohne zuvor die Geländer hergestellt und eingebaut. Die Hände der Redakteure gleiten bis heute über diese Handläufe.

Den Kohnes gelang es immer wieder, auf die Füße zu kommen. Heute sind es andere Probleme, die die kleine Firma plagen. „Jede Woche gehen im Schnitt zwei Anfragen für große Aufträge ein“, weiß Tochter Daniela zu berichten. Die meisten davon müssten sie ablehnen. Das Trio, darunter ihr Mann Rusit Kohne, ein Angestellter und ein helfender Rentner, findet einfach kein Personal. „Wir suchen händeringend Schlosser, aber finden keinen“, stöhnt sie. Das liege auch daran, dass man bei Kohne ein Allroundtalent sein muss. Schweißerpass und Fahrerlaubnis sind ebenso Bedingung wie die Fähigkeit, Zeichnungen lesen zu können.

Vor einiger Zeit haben die Kohnes zwei wichtige Entscheidungen getroffen. Obwohl Koch von Beruf, hat sich Rusit Kohne umschulen lassen und führt nun die Firma. Im vorigen September wurde der Stammsitz an der Bahnstraße aufgegeben und die neue Werkstatt am Heidering bezogen. „Wegen der Investition hatten wir schlaflose Nächte. Aber die Entscheidung war auf jeden Fall richtig“, resümiert Daniela Kohne. Und das sagt sie, obwohl die Familie nur wenige Wochen nach dem Umzug von neuem Unheil heimgesucht worden war. An einem Montag im November fand Rusit Kohne die ganze Werkstatt leergeräumt vor. Alles an kleineren Maschinen und Werkzeug hatten Einbrecher übers Wochenende abtransportiert.

Mit solchen Problemen muss sich Karl-Heinz Kohne, der noch vor fünf Jahren mit dem Auto das Material holte, nicht mehr herumplagen. Manches im Alltag fällt ihm wegen altersbedingter Gebrechen schwer. Doch in wenigen Monaten steht Karl-Heinz Kohne schon wieder ein diamantenes Jubiläum bevor: der 60. Hochzeitstag. „Da gehen mir jetzt schon die Muffen“, verabschiedet er sich scherzhaft. Seine innere Uhr sagt, dass er jetzt nach Hause muss. Um pünktlich vorm Fernseher zu sitzen, wenn eine weitere Folge von „Notruf Hafenkante“ beginnt.

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Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel