eSport
: Hertha-Profi trainiert vor dem Fernseher

Tom Bismark lebt den Traum vieler Jugendlicher: Der Hennigsdorfer steht im eSport-Kader von Hertha BSC, spielt also professionell Playstation.
Von
Conradin Walenciak
Oranienburg
Jetzt in der App anhören

Stolzer Herthaner: Der Hennigsdorfer Tom Bismark steht im eSport-Kader von Hertha BSC. Passend dazu ist der 18-Jährige auch noch Fan des Berliner Fußball-Bundesligisten.

herthabsc /eShoot

Als Teil des fünfköpfigen eSport-Kaders von Hertha BSC repräsentiert er den Berliner Verein in der virtuellen Welt. Am Samstag ist er beim Soccertag der Kreissportjugend (KSJ) in Oranienburg dabei, stellt sich an der Playstation 4 allen Herausforderern (11 bis 16 Uhr in der Sporthalle des Louise-Henriette-Gymnasium).

Zweimal die Woche Training

Seine Teamkollegen von Hertha BSC – seinem Lieblingsfußballverein – trifft Bismark etwa ein- bis zweimal die Woche. Dann wird trainiert. Beziehungsweise gespielt. „Wir treten gegeneinander an und geben uns danach Feedback“, erklärt der Hennigsdorfer. „Also was hat gut funktioniert und was eher weniger.“ Anschließend versuche man die die Hinweise der Mitspieler umzusetzen. „Da wir relativ viele Partien bestreiten, kommen wir immer wieder in ähnliche Situationen. Deshalb wenden wir oft nur noch Spielzüge an, von denen wir wissen, dass sie funktionieren“, sagt Bismark. Darin würden sich dann auch Hobby- von Profispielern unterscheiden.

Seine Fähigkeiten setzt der 18-Jährige aktuell hauptsächlich in der Weekend-League ein – einem Spiel-Modus innerhalb des Ultimate-Team-Modus von Fifa. In diesem wird nicht mit bestehenden Teams – wie zum Beispiel Hertha BSC – gespielt, sondern mit selbst zusammengestellten Mannschaften. Die Weekend League ist im Grunde die Champions League des Ultimate-Modus, für die sich nur die besten Spieler qualifizieren. „Ich absolviere meine Partien also nicht mit dem aktuellen Kader von Hertha BSC“, sagt Bismark, „aber meine Mannschaft läuft natürlich im Hertha-Trikot auf.“

Unterstützt werden der Hennigsdorfer und seine Hertha-Teamkollegen vom Berliner Daren Framke, einem professionellen Fifa-Trainer. „Er bereitet mich und meine Mitspieler bei unseren Trainingseinheiten auf unsere kommenden Gegner vor“, umreißt Bismark dessen Aufgabenfeld. „Er zeigt uns die Stärken und Schwächen unserer Gegenspieler auf und erklärt uns, wie wir diese ausnutzen können.“

Bei diesen Trainingssitzungen bekommt das eSport-Team dann auch immer wieder mal Besuch von Fußballern aus der realen Welt. Einige Hertha-Profis aus der Bundesliga- oder U23-Mannschaft seien nämlich auch ganz ordentlich an der Konsole, verrät Bismark. „Gerade die jüngeren Spieler kommen ab und zu vorbei. Sidney Friede zum Beispiel kann richtig gut Fifa spielen. Maurice Covic ist auch ganz ordentlich. Gegen Maxi Mittelstädt sind die Partien dagegen in der Regel eher einseitig.“

Wenn sich Bismark – der für die A-Junioren des FC 98 Hennigsdorf in der Landesklasse auch noch auf einem realen Spielfeld Fußball spielt – privat mit seinen Freunden zum Fifa-Zocken trifft, ist es für diese immer eine ganz besondere Herausforderung, den Favoriten zu besiegen. „Im Grunde wissen sie, dass sie keine Chance gegen mich haben“, sagt der 18-Jährige und lacht. „Sie schreien dann viel und ärgern sich trotzdem, wenn sie verlieren.“ Umso größer sei die Freude, wenn dann doch mal ein Sieg gelänge. „Das kommt aber eigentlich nur im Zwei-gegen-Zwei vor. Im Team zu spielen, ist etwas anderes, als wenn ich alleine gegen meine Freunde antrete.“

Lehramtsstudium als Plan B

Wie lange seine Karriere als eSportler dauern wird, weiß Tom Bismark nicht. Er hofft aber, dass er noch einige Zeit in der Branche unterwegs sein kann. „Meine Teamkollegen haben vor kurzem in der virtuellen Bundesliga gegen Bayer Leverkusen gespielt. Beim Gegner war ein 31-Jähriger im Kader. Es wäre schön, wenn ich auch noch so lange auf so einem Level unterwegs wäre.“

Sollte das aber nicht klappen, hat sich der Herthafan, der im Sommer am Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasium sein Abitur gemacht hat, schon einen Plan B zurechtgelegt. „Dann werde ich Englisch- und Sportlehrer“, sagt Bismark. Aktuell will er vom Studieren aber noch nichts wissen. „Ich gönne mir jetzt erst einmal ein Jahr Pause, um mich voll und ganz auf Hertha BSC konzentrieren zu können.“

Werdegang an der Konsole

Seine erste Fifa-Erfahrung hat Tom Bismark seinem großen Bruder zu verdanken. "Er war der Erste, mit dem ich Fifa gespielt habe", erinnert sich der 18-Jährige an seine Anfänge an der Konsole zurück.

Damals spielten die beiden noch mit der Playstation 3. "Und zwar Fifa07. Damit ging alles los", so der Hennigsdorfer. "Ich war damals sechs Jahre alt."

Wirklich intensiv spielte Bismark die Fußball-Simulation aber erst nach der Umstellung auf die Playstation 4. Bei Fifa14 entdeckte er dann auch die Online-Funktionen des Spiels für sich.

Im Juni 2018 qualifizierte sich Tom Bismark bei einem Scouting-Turnier für die damals neu gegründete eSport-Akademie von Hertha BSC. Seitdem ist er für den Verein unterwegs.⇥cwa