Aus Styropor eckig zurechtgeschnitten, ragt der Zackenkamm des Drachen „Ohnezahn“ steil aus der hölzernen Karosserie hervor. „Ohnezahn“, so hat Charlotte ihre Seifenkiste genannt. Sie setzt die Spraydose an, im Nu glänzt ihr Drache schwarz. „Das ist Freddy, der Ferrari“, sagt ein paar Meter weiter Jasper über sein Gefährt, dem er ein signaloranges Aussehen verpasst hat. Der rot-schwarze Hogwarts-Express von Max hat dagegen etwas von einem überdimensionalen Lego-Auto.

Am Mittwoch gebaut, am Donnerstag gestaltet

Auf dem Gelände und in den Räumen des Hennigsdorfer Gemeinschaftszentrums Conradsberg wird am Donnerstag überall gewerkelt. Draußen wird im leichten Nieselregen knallige Farbe versprüht. Mika sitzt im Haus und klebt Streifen auf seine „Böse Kartoffel, 9 3/4“. „An diese Stellen kommt dann keine Farbe“, erklärt er. Max arbeitet mit Bleistift und Radiergummi. Blitze zeichnet er seinem Knight-Rider-„K.I.T.T“ aufs Holz.
Alle sind eifrig beschäftigt, denn am Freitagnachmittag startet das Seifenkistenrennen.

Die Gefährte könnten 120 Kilo tragen

„Heute ist der bessere Tag“, gibt Hennigsdorfs Jugendkoordinator Johannes Otto freimütig zu. Am Mittwoch haben die 14 Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 14 Jahren, er selbst und Helferinnen und Helfer vom städtischen Fachdienst Familie, Jugend und Integration getüftelt und Durchhaltevermögen bewiesen, um die Bausätze so zusammenzuführen, dass ordentliche Seifenkisten mit Lenkrad und Bremse daraus wurden.
„Die Seifenkisten sind aus Holz und halten sogar 120 Kilo aus. Der Bausatz ist ziemlich gut, die Gebrauchsanleitung aber nicht. Es war kompliziert und sau-anstrengend“, sagt Otto. „Das Lenkrad funktioniert über ein Seil und muss sich ja auch bedienen lassen.“

Rennen musste wegen Corona verschoben werden

Es ist das erste Seifenkistenrennen in Hennigsdorf seit vielen Jahren. Lediglich Sozialarbeiter Karsten Töpfer habe sich noch vage an ein früheres erinnern können, das etwa 20 Jahre her sei, sagt Johannes Otto. Es ist ein Wunsch aus dem städtischen Bürgerhaushalt und sollte eigentlich im Sommer stattfinden, musste, wie die Stadtjugendtage, aber coronabedingt verschoben werden. Nun ist es ein Projekt der „Funi 2020“, der Ferien-Uni, bei der mehrere Workshops zeitgleich mit Hohen Neuendorf und Oranienburg stattfinden.

Auf die Deko kommt es an

In einer Ecke des Raumes ist ein Müllbasar aufgebaut, der sich nach und nach lichtet. Denn der persönliche Charme der Seifenkisten speist sich aus alten Joghurtbechern, Plastikverpackungen, Obst-Untertellern, Netzen, Konservendosen, Klopapierrollen und Kronkorken, aus denen die Kinder Auspuffe und Nummerschilderhalter, bunte Deko und Scheinwerfer zaubern.
Nebenbei wird auch noch Nathalies Geburtstag gefeiert. Die Musik kommt zwar vom Band, denn gesungen werden darf wegen Corona nicht, aber sie freut sich über ein kleines Überraschungspaket.

Die Seifenkisten werden wiederverwendet

Am Freitag werden dann auf der nur leicht abschüssigen Strecke im nahen Park die Fahrradhelme aufgesetzt. Alle werden einzeln starten. Aufs Tempo und auf die Kreativität der Seifenkiste kommt es an. Nur der Sieger darf übrigens seine gebaute Seifenkiste mit nach Hause nehmen, die anderen erhalten aber ein kleines Souvenir an den Workshop, verrät Johannes Otto.
Die anderen bunten Gefährte werden ihrer Individualität wieder entkleidet, weiß gestrichen und kommen sozusagen in die Garage des Conradbergs. Denn die Bausätze waren teuer und sollen bei Gelegenheit von anderen Jugendlichen wiederverwendet werden können. Auch bei den dicken Heuballen, die im Notfall für ein weiches Ende der rasanten Fahrt sorgen sollen, haben die Initiatoren an Nachhaltigkeit und tierische Weiterverwertung gedacht.

Das Seifenkistenrennen beginnt am Freitag um 16 Uhr im Stadtpark am Conradsberg. Zuschauer werden gebeten eine Mund-Nasen-Bedeckung mitzubringen und einen Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten.