Fleischabsatz in Corona-Zeiten
: Veltens Biomanufaktur Havelland auf Expansionskurs

Die Biomanufaktur Havelland möchte weiter expandieren und will in Velten einen Werksverkauf anbieten.
Von
Roland Becker
Velten
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Kann auch vegan: Geschäftsführer Thomas Schubert lässt in der Biomanufaktur Havelland auch Imbisse ohne Fleisch und Milchprodukte herstellen.

Roland Becker

Von Hamburg über den Schwerpunkt Berlin bis Dresden: Die Biomanufaktur stattet täglich 60 Supermärkte der Bio Company mit Fleisch und Wurst aus. Und der Käuferkreis steigt. „Es wird heute mehr nachgedacht, was man isst. Da geht es nicht mehr um das Kotelett für 1,99“, freut sich Schubert.

Nach den jüngsten Skandalen in der Schlachthofindustrie spielt dem 53-Jährigen in die Hände, dass er den Weg vom Tier zum Produkt in der Theke genau nachvollziehen kann. Das zu verarbeitende Fleisch stamme zu 95 Prozent aus der Region. Geschlachtet und zerlegt werden die Tiere bei Faerber in Neuruppin, einem eher kleineren Betrieb. "Da gibt es keine Drückergruppen aus Rumänien oder Bulgarien. Alle haben ordentliche Arbeitsverträge“, versichert Schubert. "Ich fahre da auch mal unangemeldet hin, um nach der Einhaltung der Hygieneauflagen zu schauen“, berichtet der Geschäftsführer. Wenn Schubert im Biosupermarkt einen Bierschinken  in die Hand nimmt, könne er anhand einer sogenannten Losnummer den Weg zurückverfolgen bis zu der Weide, auf der das Tier gestanden hat.

Dass immer mehr Menschen auf den Bio-Geschmack kommen, kann Schubert mit Fakten belegen: „Vorige Woche konnten wir drei Gaststätten akquirieren. Nächste Woche stehen Gespräche mit zwei Hotels und zwei Restaurants in Neustrelitz an. So etwas wäre vor fünf Jahren nicht denkbar gewesen. Da war der Hotellerie Bio-Fleisch viel zu teuer.“ Dazu komme, dass immer mehr Kantinen zumindest ein Bio-Gericht anbieten. Schubert ist guter Dinge, dass demnächst auch die vom Berliner Stadtreiniger BSR und von der BVG zu seinen Kunden zählen werden.

Für die Biomanufaktur also genügend Gründe, um zu expandieren. „Weil unsere Küche zu klein ist, will ich die ausgliedern und suche dafür ein neues Objekt in Veltens Umgebung“, schaut Schubert in die nahe Zukunft. Realisieren möchte er das möglichst schon im nächsten Jahr. Damit verbindet sich allerdings ein Problem: Schubert ist auf Personalsuche. Köche seien noch recht leicht zu finden. „Aber Fleischer, die sind wie Goldstaub“, stöhnt der Chef. Froh macht es ihn, wieder einen Lehrling gefunden zu haben. Das Aber: „Ich hätte lieber fünf mehr.“

Personal benötigt er auch für den geplanten Werksverkauf samt Imbiss. Fleisch und Wurst für Zuhause und die Soljanka oder die Wiener vor Ort soll es in einem separaten Containerbau frühestens ab 2021 geben.

Während des Erzählens spießt sich Thomas Schubert ein Stückchen Bio-Lammbratwurst auf. Das war nicht immer so. Bis vor zwölf Jahren arbeitete er in der konventionellen Fleischindustrie. Mit dem Wechsel des Jobs änderte sich auch sein Geschmack. Jetzt schwört er auf die gesündere Kost: „Isst man einmal Bio, landet man dort automatisch.“

ExpandierendesUnternehmen

2013 bezog die Biomanufaktur Havelland, ein Tochterunternehmen der Supermarktkette Bio Company, das Gebäude der gescheiterten Biomanufaktur Velten. Seither geht es steil bergauf. Mit elf Mitarbeitern gestartet werden jetzt 65 Angestellte bezahlt.

Wurden im ersten Jahr 2,7 Millionen Euro erwirtschaftet, waren es 2019 bereits 13 Millionen Euro.⇥rol