Foodsharing
: Neben Obst und Brötchen werden auch Osterhasen gerettet

Tina Witte hat sich den Foodsavern angeschlossen. Die Nieder Neuendorferin rettet Lebensmittel, indem sie diese abholt und verschenkt.
Von
Roland Becker
Nieder Neuendorf
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  • Die Brötchen sind da! Von einer Bäckerei in Berlin holt Tina Witte (links) Backwaren ab, die nicht mehr verkauft werden. Per WhatsApp informiert sie über das Angebot.

    Die Brötchen sind da! Von einer Bäckerei in Berlin holt Tina Witte (links) Backwaren ab, die nicht mehr verkauft werden. Per WhatsApp informiert sie über das Angebot.

    privat
  • HGA_rol_witte1 Tina Witte Lebensmittelretterin Food-Sharing Nieder Neuendorf Februar 2020

    HGA_rol_witte1 Tina Witte Lebensmittelretterin Food-Sharing Nieder Neuendorf Februar 2020

    Roland Becker
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Auf den ersten Blick klingt das wie eine privat organisierte Tafel, bei der sich finanziell Bedürftige mit dem Lebensnotwendigen versorgen können. Beim Food-Sharing läuft das ein wenig anders: „Bei mir kann man auch im Mercedes vorfahren. Der einzige Sinn besteht darin, Lebensmittel zu retten.“

Nun soll der Mercedes-Besitzer allerdings nicht denen die Lebensmittel wegschnappen, die es nötig haben. Daher gelte bei Foodsavern allgemein: „Tafel first“. Tina Witte drückt es so aus: „Wir spingen nur in die Lücken, die die Tafel-Mitarbeiter nicht füllen können.“

Und diese Lücken sind mal klein, an anderen Tagen durchaus schwer wegzubekommen: „Mal komme ich mit nur sechs Brötchen wieder, ein anderes Mal mit vier großen Ikea-Taschen.“ Diese geretteten Schätze postet sie dann unter anderem in einer Whatsapp-Gruppe. Auch auf der Internetseite foodsharing.de werden Essenskörbe angeboten.

Um Lebensmittel retten zu können, muss sie allerdings erst einmal Geschäftsleute finden, die bereit sind, ihr diese zu überlassen. „Bisher bin ich vor allem zwischen Frohnau und Tegel unterwegs“, erzählt die Ex-Berlinerin. So fährt sie einen Bäcker, einen Bio-Laden, eine Kantine und eine Manufaktur für Humus an. Erste Versuche, Partner vor Ort zu finden, seien gescheitert oder noch nicht zustande gekommen. Sie denkt dabei an eine Hennigsdorfer Bäckerei und an eine Molkerei in der Region. Bei letzterer aber könnte sich was machen lassen. Dr. Kirsten Böhmann, Mitinhaberin der Luisenhof Milchmanufaktur in Velten, steht einer Zusammenarbeit offen gegenüber: „Ich kann mir vorstellen, von dem, was in unserem Hofladen übrigbleibt, etwas abzugeben.“

Auch ein anderes Problem könnte sich lösen. Bislang verteilt die Nieder Neuendorferin die geretteten Lebensmittel gleich aus ihrem Kofferraum oder platziert auf ihrem Grundstück einen Tisch. „Bei Regen haben wir schon mal ein Zelt aufgebaut“, erinnert sie sich. „Mein Wunsch wäre es aber, in Hennigsdorf einen öffentlichen Verteiler einrichten zu können, am besten wäre ein überdachter Ort mit einem Regal und einem Kühlschrank.“ Außerdem sollte dieser Verteilpunkt – im Fachjargon „Fair-Teiler“ genannt – möglichst viele Stunden am Tag zugänglich sein. Ein idealer Ort dafür sei das Gemeinschaftszentrum Conradsberg. Der städtische Jugendkoordinator Johannes Otto habe auf die Idee sehr begeistert reagiert. Seit Montag hat sie einen weiteren Fan. Auf Nachfrage sagte Bürgermeister Thomas Günther (SPD): "Mit wäre auch der Conradsberg als erstes eingefallen. Dort haben wir Kühl- und Lagermöglichkeiten.“ Außerdem würde es passen, dass dort auch die Tafel ihren Hennigsdorfer Stützpunkt hat.

Tina Witte, die ihr ehrenamtliches Engagement bei Foodsharing vor drei Jahren in Berlin begann,  möchte gern weitere Foodsaver werben. In Oberhavel gebe es bereits an die 60 davon, die in Teams organisiert sind. Sie wünscht sich weitere Mitstreiter, die Lebensmittel einsammeln und weitergeben. Und sie hofft auf weitere Unternehmen, die den Foodsavern Lebensmittel spenden, statt sie in den Müllcontainer zu schmeißen. Saisonbedingt können das auch mal Weihnachtsmänner oder Osterhasen aus Schokolade sein. Die schmecken ja auch noch nach den Festtagen.

Wer sich am Lebensmittelretten be-teiligen möchte, kann eine Mail an oranienburg@foodsharing.network schicken. Informationen gibt es auch auf www.foodsharing.de

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