Kind stirbt im Schlaf
: Harmloser Husten zerreißt Familie aus Velten

In Velten starb ein 21 Monate alter Junge an einem vermeintlich harmlosen Husten. Seine Eltern warnen davor, die Symptome zu unterschätzen.
Von
Marco Winkler
Velten
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ARCHIV - Ein Teddybär und Blumen liegen am 29.11.2007 auf dem Waldfriedhof Schwerin auf dem Grab eines fünfjährigen Mädchens. Foto: Jens Büttner dpa (zu dpa "Wenn ein Kind stirbt - Verband bietet trauernden Eltern Hilfe" vom 28.07.2016) +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Junge aus Velten wurde keine zwei Jahre alt: Seine Eltern wollen nach dem Tod ihres Sohnes für mehr Achtsamkeit im Umgang mit einer Atemwegserkrankung sorgen. (Symbolfoto)

dpa / Jens Büttner
  • In Velten starb ein 21 Monate alter Junge an Pseudokrupp – Symptome wurden unterschätzt.
  • Eltern warnen vor bellendem, „blechernem“ Husten, pfeifenden Einatemgeräuschen, Heiserkeit, Atemnot.
  • Todesfälle sind selten; kalte, feuchte Luft kann akute Beschwerden lindern.
  • Die Familie bleibt anonym, will Achtsamkeit bei Eltern und Medizinern erhöhen.
  • Der Junge schlief nach Krankenhausbesuch ein; am 19. Januar verstarb er im Krankenhaus.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Er war ein aufgeweckter, lebensfroher Junge – ein Kind, das mit seinem Lachen ganze Räume füllen konnte. „Er hat die Menschen in seinen Bann gezogen“, erinnern sich seine Eltern. Mit nur 21 Monaten riss ihn eine Krankheit aus dem Leben, die viele noch unterschätzen. Seine Eltern wollen für mehr Achtsamkeit sorgen.

Der Schritt in die Öffentlichkeit verlangt ihnen viel ab, so kurz nach dem Tod ihres Kindes. „Wir machen es für unseren Sohn“, sagen die Eltern aus Velten. „Vielleicht bekommt sein Tod so noch eine Bedeutung.“ Sie wollen anonym bleiben. „Namen sind nicht wichtig“, betonen sie. Es geht ihnen um Aufklärung, nicht um Aufmerksamkeit.

Ihr Sohn litt an Pseudokrupp – einer Erkrankung der Atemwege, die oft von harmlos wirkenden Viren ausgelöst wird. Manchmal genügt schon ein gewöhnlicher grippaler Infekt, um den typischen, bellenden Husten hervorzurufen.

Todesfälle durch Krankheit Pseudokrupp sind äußerst selten

Die Eltern aus Velten wissen, dass die Erkrankung oft nicht mehr ganz so ernst genommen wird. Eine starke Luftverschmutzung, wie durch Autoabgase, ist ein wesentlicher Auslöser und Verstärker der Pseudokrupp-Anfälle. „In den 70er-Jahren trat die Erkrankung deshalb verstärkt auf.“

Ihr Sohn hatte einen besonders schweren Fall. Die Eltern möchten niemanden anklagen oder einen Schuldigen suchen. „Alle haben in ihrem Ermessen gehandelt.“ Sie wollen aufklären, für Achtsamkeit sorgen – unter Eltern und Medizinern, damit diese noch einmal genauer hinschauen und eine Erkrankung nicht zu schnell wegwischen. „Die Krankheit kann fatal sein.“

Todesfälle sind bei dieser Atemwegserkrankung selten, meist verläuft die Krankheit, die Kleinkinder zwischen sechs Monaten und sechs Jahren betrifft, recht harmlos. Doch eben nicht immer. Die beste Hilfe ist oft kalte, feuchte Luft, um die geschwollenen Schleimhäute zu beruhigen.

Am Sonntag (18. Januar) sind sie noch einmal mit ihm ins Krankenhaus gefahren. „Unser Sohn hat gehustet, hatte aber kein Fieber, er war fidel“, erinnern sich die Eltern. Auf dem Weg zurück fielen dem Jungen die Augen zu. „Wir haben ihn dann zu Hause schlafen gelegt.“ Gegen 17 Uhr holten sie ihn leblos aus dem Bett.

Die Rettungskräfte konnten ihn noch einmal zurückbringen, doch er verstarb am 19. Januar im Krankenhaus.“ Schon bei ihnen zu Hause habe das Herz stillgestanden und das Gehirn keinen Sauerstoff mehr bekommen.

Symptome des harmlosen Hustens bei Kindern

Der Gerichtsmediziner habe ihnen ein paar Tage später bestätigt: „Wir hätten nichts machen können, um ihn zu retten. Es ist eine heimtückische Krankheit.“ Die Eltern kannten sie vorher nicht. Sie hoffen, mit ihrer Geschichte Eltern zu erreichen, die vielleicht ähnliche Symptome bei ihren Kindern feststellen.

Charakteristisch ist vor allem der Husten. „Er ist blechern, geradezu bellend“, beschreiben die Eltern ihn. „Normalerweise ist die Stimme bei Kleinkindern noch sanft, doch dieser Husten hört sich wie das Bellen eines älteren Hundes an.“ Fachärzte beschreiben die Geräusche so: wie bei einem Seehund. Weitere Hauptsymptome sind pfeifende Laute beim Einatmen, Heiserkeit und Atemnot.

Nach dem Tod ihres Kindes haben die Eltern aus Velten einen starken Rückhalt erfahren. Die Kita hat einen kleinen Gedenkort eingerichtet. Familie und Freunde haben sie gestärkt. Karten, Nachrichten, kleine Gesten – das alles hat geholfen und hilft immer noch. Was die Familie zudem durch diese Extremsituation navigiert, ist ihr starker Glaube – der Islam.

Die Eltern sind dankbar für die große Anteilnahme – „für jede helfende Hand, für jedes offene Herz, für jede Umarmung und jedes stille Dasein“, heißt es in einer Danksagung.

Der Schmerz, sagen sie, lasse sich kaum in Worte fassen. Am Tag lenken die Routine und liebevolle Menschen ab. „Man spaltet sich gedanklich ab“, so die Eltern über den Überlebensmodus.

„Dann bricht die Nacht ein.“ Je ruhiger die Umgebung ist, desto lauter wird der Schmerz, desto klarer die Bilder vom verlorenen Sohn, der eben noch mit seinem riesigen blauen Plüschhasen auf dem Arm durch die Wohnung turnte und alle zum Lachen brachte.

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