Krankenhaus Hennigsdorf
: Aus für Standort der Oberhavel Kliniken – Gründe und Folgen

In Oberhavel führt die Krankenhausreform zu einer zentralisierten Versorgung. Oranienburg wird gestärkt, während Hennigsdorf in Zukunft ohne stationäre Betreuung auskommen muss.
Von
Stefan Zwahr
Oranienburg
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Unter anderem im Hennigsdorfer Krankenhaus trieben die Diebe am ersten Weihnachtsfeiertag ihr Unwesen (Archivbild).

Übergabe Neubau Bettenhaus Oberhavel Kliniken Standort Hennigsdorf 20 Millionen Euro zwei Jahre Bauzeit

Die Oberhavel Kliniken investierten am Standort Hennigsdorf viele Millionen Euro. Dennoch hat der Standort in der bisherigen Form keine Zukunft. Die Gründe und Folgen.

Tilman Trebs
  • Die Krankenhausreform führt zur Schließung der stationären Versorgung in Hennigsdorf zugunsten Oranienburgs.
  • Landrat Tönnies und Geschäftsführer Troppens informieren über die Gründe und Folgen.
  • Investitionen von 300-380 Mio. Euro sind für den Ausbau in Oranienburg geplant.
  • Ein medizinisches Versorgungszentrum bleibt in Hennigsdorf erhalten, aber ohne stationäre Betreuung.
  • Der Kreistag entscheidet im März 2025 über die nächsten Schritte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Krankenhausreform des Bundes führt zu massiven Veränderungen in der Krankenhaus-Landschaft der Region. Die Oberhavel Kliniken stärken den Standort Oranienburg – auf Kosten von Hennigsdorf. Dort wird es in wenigen Jahren keine stationäre Versorgung mehr geben. Die Gründe und Folgen.

Über diese radikalen Auswirkungen der Reform auf die Gesundheitsversorgung in Oberhavel informierten Landrat Alexander Tönnies (SPD) und Dr. med. Detlef Troppens, Geschäftsführer der Oberhavel Kliniken GmbH, am Dienstag (11. Februar) in einem Pressegespräch. Auch die Mitglieder des Kreistages wurden in Kenntnis gesetzt. Sie müssen den Plänen zustimmen.

Die Krankenhausreform von Karl Lauterbach

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) habe nach den Worten von Landrat Alexander Tönnies betont, „dass er die Qualität der Krankenhäuser verbessern möchte und wir zu viele Standorte haben“. Wenngleich Oberhavel über eine der wenigen Kliniken, die Gewinn erwirtschaftet, verfüge, „müssen wir etwas tun, damit es auch so bleibt.“

Was besagt die Krankenhausreform, die 2029 ihre Wirksamkeit entfalten wird? Künftig ist aus Gründen der Qualität und Wirtschaftlichkeit eine stärkere Zentralisierung der Krankenhausversorgung gewünscht. Zudem gibt es Vorgaben zur Personal- und apparativen Ausstattung, die grundsätzlich für jeden Standort gelten. Der Klinikverbund in Oberhavel – und damit die Standorte Oranienburg und Hennigsdorf –gelten somit nicht als Einheit.

An den Oberhavel-Kliniken wurden Aufgaben an den Standorten Oranienburg und Hennigsdorf verteilt. „Wir haben vor 30 Jahren die Entscheidung getroffen, beide Krankenhäuser zu spezialisieren“, so Dr. med. Detlef Troppens. Was aus Sicht des Geschäftsführers der Oberhavel Kliniken GmbH auch heute noch richtig sei, sieht Lauterbachs Gesetz nicht mehr vor. Beispielsweise könne keine Trennung der Inneren Medizin erfolgen. Das Gesetz verlangt die Bestandteile beider inneren Abteilungen an einem Standort.

So begründet der Chef der Oberhavel Kliniken den Schritt

Die Mindest-Qualitätsanforderungen können derzeit nicht an beiden Standorten gleichzeitig erfüllt werden, betont Troppens. „Die Bündelung von Kompetenzen ist das Gebot der Stunde. Auch wenn wir in Oberhavel aktuell noch solide dastehen, müssen wir jetzt unsere Strukturen überdenken, um für die Herausforderungen der Zukunft gut gerüstet zu sein.“

Es gehe darum, „die knappen Geldmittel und unser rares Personal effektiv einzusetzen“ und so zu verhindern, dass Gesundheitsleistungen aus Oberhavel verschwinden. Troppens mit Blick in die Zukunft: „Je kleiner ein Krankenhaus als Betriebseinheit ist, desto schwieriger wird es.“

Oberhavel Kliniken Oranienburg - Nancy Klatt Dezernentin für Jugend, Gesundheit und Verbraucherschutz Landrat Alexander Tönnies und Dr. med. Detlef Troppens, Geschäftsführer der Oberhavel Kliniken GmbH,

Sprachen über die Zukunft der Oberhavel Kliniken: Nancy Klatt (Dezernentin für Jugend, Gesundheit und Verbraucherschutz), Landrat Alexander Tönnies und Dr. med. Detlef Troppens, Geschäftsführer der Oberhavel Kliniken GmbH.

Stefan Zwahr

In den zurückliegenden Monaten befasste sich der Aufsichtsrat der Oberhavel Kliniken mit den möglichen Auswirkungen der Reform. Expertenrat wurde eingeholt. Ein renommiertes Institut stand beratend zur Seite. Laut Tönnies seien alle Varianten, die sich anbieten, geprüft worden. „Am Ende sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass es das Sinnvollste ist, den Standort Oranienburg zu verdichten und auszubauen.“ Dafür werde die stationäre Versorgung in Hennigsdorf aufgegeben. „Wir reden von einem Zeitraum von fünf bis sieben Jahren.“

Tönnies ist bewusst, dass es erhebliche politische Diskussionen geben wird, da die Entscheidung enorme Auswirkungen habe. „Die Alternative nichts zu tun war keine. Dann hätten wir in zehn Jahren kein Krankenhaus mehr.“ Über einen Neubau wurde nachgedacht. Dieser scheide jedoch aus finanziellen Gründen aus.

Aus für Hennigsdorf – das spricht für Oranienburg

Für den Standort Oranienburg sprach die Erreichbarkeit. 87 Prozent der Bevölkerung von Oberhavel können das Gelände innerhalb von 30 Auto-Fahrminuten erreichen. Für Hennigsdorf liegt dieser Wert bei 80 Prozent, in Gransee bei 19.

„Die von uns beauftragten Gutachten und Machbarkeitsanalysen weisen eindeutig in eine Richtung“, betont Troppens. „Wenn wir neben den gesetzlichen Vorgaben Kriterien wie die Erreichbarkeit, das Einzugsgebiet, Kapazitäten und die Auslastung betrachten, ist eine Konzentration der Angebote unserer Kliniken im Süden der Region am Standort Oranienburg unabdingbar.“ Das sei sowohl hinsichtlich einer noch besseren Behandlungsqualität als auch mit Blick auf den zunehmenden Fachkräftemangel so.

Neben Oranienburg soll der Klinikstandort Gransee als Grundversorgung im Norden erhalten bleiben – soweit es gesetzlich möglich ist, ohne Abstriche, wie Tönnies betont.

Welche medizinische Versorgung wird nach Abschluss des Prozesses in Hennigsdorf angeboten? Laut Tönnies soll ein medizinisches Versorgungszentrum auf jeden Fall erhalten bleiben. Von einem ambulanten Grundversorgungszentrum ist die Rede. Tönnies: „Es soll weiterhin eine medizinische Versorgung an dem Standort geben. Es wird halt kein Krankenhaus mehr sein.“

Aktuell werden in Hennigsdorf knapp 600 Ärzte und Pfleger beschäftigt. Auf deren Zukunft angesprochen sagt Troppens: „Bei einer Zusammenlegung der Standorte bleiben keine Mitarbeiter übrig, da es keine Doppelstruktur gibt.“ Alle würden auch künftig gebraucht. Seine Vision für Hennigsdorf: „Wir werden versuchen, ein ambulantes Grundversorgungsangebot zu leisten.“ Das sei aber – so ehrlich müsse man sein – nicht verbunden mit einem 24-Stunden-Angebot an Wochenenden. Das sei nicht leistbar.

Millionen-Investitionen in Oranienburg

Auch am Standort Oranienburg wird es Veränderungen geben. „Das, was hier ist, kann weiter genutzt werden. Für ein 500-Betten-Haus ist es aber deutlich zu wenig. Es muss also ein zweiter Gebäudekomplex – der deutlich größer ist, als das, was hier schon steht – errichtet werden.“ Dies erfordere Investitionen von 300 bis 380 Millionen Euro.

Der Zeitplan von fünf bis sieben Jahren ist nach den Worten von Troppens ambitioniert. Es komme darauf an, schnell eine politische Entscheidung zu treffen. Der Kreistag wird im März 2025 über die nächsten Schritte beraten. In der Folge bestehe ab 2026 die Möglichkeit, Fördergelder für notwendige Anpassungen zu beantragen.

Der Bund will 50 Milliarden für den Transformationsprozess ausschütten. „Der Landkreis als Träger des Krankenhauses arbeitet deshalb schon jetzt an den erforderlichen Planungen, um rechtzeitig entsprechende Anträge stellen zu können“, so Tönnies. „Für Oberhavel ist es wichtig, diese Mittel effektiv zu nutzen, um eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen.“

Tönnies wirbt um Verständnis für die Pläne. „Wir investieren lieber in die Zukunft, als – wie es anderen Kreisen passiert – in die Rettung. Wir treten in einen geplanten Änderungsprozess ein, der fachlich abgewogen ist und sich nicht in Notfallrettung ergeht.“ Die Krankenhausreform mit ihren festen Vorgaben zwinge auch Oberhavel zu mittelfristigen Veränderungen. „Wie wir den Balanceakt zwischen Qualitätssicherung, dem Erhalt einer flächendeckenden Versorgung und der Finanzierbarkeit schaffen können, gilt es jetzt gemeinsam zu beraten.“

Dabei ist und bleibe es oberstes Ziel, die medizinische Grundversorgung an den drei Klinikstandorten weiterhin zu gewährleisten und die Erstversorgung von Schlaganfall und Herzinfarkt im gesamten Landkreis – auch im ländlichen Norden Oberhavels – zu sichern.