Kriminalität
: Weniger Gewalt auf Hennigsdorfs Postplatz

Hennigsdorfs CDU sieht das Areal im Stadtzentrum als gefährlich an und möchte ihn überwachen lassen. Doch die Polizei stuft die Gegend nicht als Hotspot der Kriminalität ein.
Von
Roland Becker
Hennigsdorf
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Ist Hennigsdorfs Postplatz tatsächlich oder nur subjektiv empfunden ein Ort der Gefahr?

Roland Becker

Die Statistik der zur Anzeige gebrachten Straftaten scheint das auf den ersten Blick zu bestätigen: Im ersten Quartal 2020 zählte die Polizei 155 auf dem Postplatz und rundherum begangene Straftaten. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren nur 128 Delikte erfasst worden. Mithin ein Anstieg um 20 Prozent. Dennoch schätzt Hauptkommissar Matthias Krüger von der Pressestelle der Polizeidirektion Nord die Lage als nicht dramatisch ein: „Von einem Hotspot der Kriminalität würde ich beim Postplatz nicht sprechen.“ Anders gesagt: Der Postplatz ist für Hennigsdorf nicht das, was der Alexanderplatz für Berlin darstellt. Und Krüger hat seine Gründe dafür.

Schwerpunkt Ladendiebstahl

Während der Hennigsdorfer CDU-Abgeordnete René Vierkorn jüngst von „Schlägereien, Handtaschendiebstahl, Prostitution und Drogenhandel“ in Hennigsdorfs Mitte sprach, kann Krüger konstatieren, dass sich die Hälfte der erfassten Straftaten auf Ladendiebstahl und Hausfriedensbruch bezieht. In die Statistik fließen nämlich auch die Straftaten ein, die in den Geschäften rund um den Platz verübt werden. Alle Ladendiebe und jene davon, die nach dem Verhängen eines Hausverbots durch Wiederbetreten des Einkaufszentrums dagegen verstoßen haben, werden in der Postplatz-Statistik erfasst. Deren Zahl ist im ersten Quartal 2020 zum Vorjahreszeitraum stark gestiegen: von 31 auf 77 Delikte.

Rechnet man diese Zahlen heraus, bleiben noch 78 auf dem Platz begangene Straftaten. Das ist gegenüber dem ersten Quartal 2019 ein deutlicher Rückgang um 21. Krügers Zahlen stützen auch nicht die Annahme, dass der Postplatz ein Zentrum für schwere Gewalttaten ist. Die Zahl der angezeigten Körperverletzungen ist demnach im Vergleichszeitraum von 16 auf sechs gesunken. Wegen sexueller Belästigung wurde bis Ende März eine Anzeige erstattet. Gestiegen ist allerdings die Zahl der Beleidigungen. Dementsprechende Gesten oder Schimpfwörter wie „Idiot“ und „Arschloch“ wurden neun Mal zur Anzeige gebracht, im ersten Quartal 2019 war das nur einmal der Fall gewesen. Taschendiebstähle spielen laut Krüger ein völlig untergeordnete Rolle. Und die Zahl der Diebstähle gesicherter Fahrräder sei von zwölf auf acht zurückgegangen.

„Natürlich ist auf dem Postplatz mit seinem Trinkermilieu tagsüber und den sich abends am Bahnhof aufhaltenden Personen mehr los als in einer Wohnsiedlung“, räumt der Polizeisprecher ein. Doch die Zahlen seien im Vergleich mit solchen Plätzen in anderen Städten "nichts Außergewöhnliches“.

Den CDU-Abgeordneten überzeugt das noch nicht so richtig. „Ich akzeptiere es, wenn die Polizei das so sieht“, sagt er. Sein Aber folgt auf dem Fuße: „Als Politiker mag man das anders sehen. Für Hennigsdorf ist der Postplatz sehr wohl ein krimineller Hotspot.“

Schwerpunkt sichere Innenstadt

Eine Videoüberwachung könne dazu beitragen, "Straftaten noch besser zu ahnden und Täter dingfest zu machen“. Auch das subjektive Gefühl von Sicherheit könne dadurch gestärkt werden. Sein Fazit: „Ich halte eine sichere Innenstadt für gut.“ Nach intensiver Beratung mit der Polizei könnte der vorerst von der CDU zurückgezogene Antrag zur Kameraüberwachung im Herbst nochmals auf die Tagesordnung kommen.

Die rechtlichen Voraussetzungen

Laut Landespolizeigesetz kann die Polizei Straßen und Plätze per Video überwachen lassen. Allerdings muss es belastbare Erkenntnisse darüber geben, dass an diesen Orten vermehrt Straftaten drohen. Ein ausführlich begründeter Antrag auf Videoüberwachung ist bei der Polizei zu stellen. Der Polizeipräsident legt nach Prüfung dem Innenministerium einen Vorschlag zur Entscheidung vor.⇥rol