Letzte Tage für „Einfach Hubertus“
: Hennigsdorfer Traditionslokal schließt

Seit 1929 kann im Hubertus ein gepflegtes Bier getrunken werden. Zum Monatsende zieht das Restaurant aus. Danach wird ein Pflegedienst die Räume beziehen.
Von
Roland Becker
Hennigsdorf
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2019 beteiligte sich Christoph Groth an der landesweiten Aktion "Fontane Kulinarik". Jetzt schließt er sein Restaurant.

Roland Becker

Verantwortung abgeben

Nach acht Hubertus–Jahren hatte sich Groth vor einigen Monaten entschlossen, nicht mehr die Verantwortung für das Restaurant tragen zu wollen. Persönliche Gründe hätten dafür den Ausschlag gegeben: „Bei mir hat sich privat etwas verändert.“ Die Konsequenz: Er kündigte den Mietvertrag mit der Wohnungsgenossenschaft WGH. Zugleich aber wollte er vom Hubertus nicht ganz lassen. „Ich wollte die Verantwortung auf andere Schultern legen und selbst nur noch als angestellter Geschäftsführer weiterarbeiten“, erläutert er seine Idee. Und er fand sogar jemanden, der die Aufgabe schultern wollte: der Unternehmensberater und CDU–Stadtverordnete René Vierkorn, der zugleich zu seinen Stammgästen zählt.

So hätte eigentlich die Suche nach einer Zukunft fürs Hubertus glücklich enden können. Ist sie aber nicht. Zwar waren sich alle Beteiligten, und dazu zählen neben Groth und Vierkorn auch WGH–Chef Hartmut Schenk, einig, dass die seit 1929 an diesem Ort bestehende gastronomische Tradition beibehalten werden soll. Doch wie die Verhandlungen gelaufen sind, darüber gehen die Ansichten stark auseinander.

Noch–Inhaber Groth stellt den Konflikt so dar: „Die WGH wollte zum Schutz der Mieter keine Gastronomie mehr.“ Bei ihm würden halt um 22 Uhr noch die Teller klappern, Gäste verabschieden sich vor der Tür. Und auch die Gerüche aus der Küche hätten nicht jedem behagt.

„Hier geht eine Geschichte kaputt. Es ist katastrophal für unsere Stadt, wenn noch eine Gaststätte weg ist“, fasst Vierkorn den Verhandlungs–Scherbenhaufen zusammen. Nach seiner Darstellung sei ihm anfangs von der WGH signalisiert worden, dass man einen Weg für die Hubertus–Zukunft finden werde. Dafür solle er aber ein Konzept einreichen. Als er geantwortet habe, dass „ich will, dass alles so weiter läuft“, hätten die Schwierigkeiten begonnen. Um künftigen Ärger mit Mietern im Haus zu vermeiden, habe er ein Lüftungskonzept samt Kostenvoranschlag einreichen sollen. Er wiederum habe daraufhin vorgeschlagen, alles Erforderliche für den Fall vorzulegen, dass ihm dann der Mietvertrag zugesichert werde. „Auch für die knallende Tür hätte ich eine Lösung gefunden“, versichert er.

Nach einigem Schriftverkehr hin und her sei ihm am 20. Juli von der WGH eine Nachricht ins Haus geflattert, dass er nicht alle notwendigen Unterlagen eingereicht habe und man sich deshalb für einen anderen Mieter entschieden habe. Sein Fazit: „Die WGH hatte gar nicht vor, die Gastronomie weiterzuführen.“

Küche mit gutem Ruf

Dem widerspricht WGH–Geschäftsführer Hartmut Schenk ganz vehement. Erst einmal möchte er „ein extrem grassierendes Gerücht“ klarstellen: „Nicht wir haben Herrn Groth gekündigt. Er hat die Kündigung eingereicht.“ Ihm sei bewusst, dass das Einfach Hubertus einen guten Ruf in der Stadt habe. Auf der anderen Seite stehe: „Wir hatten auch eine Menge Ärger.“ Mieter hätten sich über Lärm und Küchengerüche beschwert. Auch um die Stellflächen im Keller habe es Zoff gegeben. Es habe deshalb sogar Wohnungskündigungen gegeben. „Dennoch hatten wir Interesse, die Gastronomie dort weiterzuführen. Aber nicht um jeden Preis“, beschreibt Schenk die Situation.

Laut Schenk habe Vierkorn die Chance gehabt, alle für einen Mietvertrag nötigen Unterlagen einzureichen. Es könne aber nicht angehen, dass jemand erst die Zusage für einen Mietvertrag erhalten will, um erst danach die nötigen Papiere wie die Absaugeinrichtung für die Küche oder die Schufa–Auskunft zu liefern. „Solche Deals machen wir mit niemanden“, stellt der WGH–Chef klar. Vierkorn seien sogar noch vier Wochen Zeit gegeben worden, in welchem man den Mitbewerber bezüglich der Entscheidung vertrösten musste.

„Die WGH hätte alle Unterlagen samt Schufa–Auskunft bekommen, wenn mir schriftlich zugesichert worden wäre, dass ich bei Vollständigkeit der Unterlagen den Mietvertrag bekomme“, stellt Vierkorn nochmals seine Sicht der Dinge dar. Er habe auch angeboten, drei Monatsmieten im Voraus zu überweisen: „Geld ist nicht mein Problem.“

Mittlerweile ist der Vertrag mit dem bislang in Neuruppin ansässigen Pflegedienst perfekt. Bier werden dessen Mitarbeiter nicht mehr zapfen.