Milliarden-Auftrag: Stadler baut U-Bahn für Berlin

U-Bahnen für Berlin: Stadler ist da bereits in den vergangenen Jahren im Geschäft gewesen.
Roland BeckerStadler teilte am Freitagnachmittag (20. März) mit, als Sieger aus der Ausschreibung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hervorgegangen zu sein. Der Vertrag ist bis zu drei Milliarden Euro schwer. Er beinhaltet auch die Ersatzteilversorgung für mehr als drei Jahrzehnte.
Nachdem Konkurrent Alstom, der gerade dabei ist, Bombardiers Zugsparte aufzukaufen, gegen die Vergabeentscheidung des Berliner Senats geklagt hatte, entschied nun am Freitag letztinstanzlich das Berliner Kammergericht. Die Richter wiesen den Einspruch von Alstom zurück. Damit ist laut Stadler der Weg frei für die Erteilung des Zuschlags und die verbindliche Bestellung.
Der von Stadler an Land gezogene Auftrag ist einer der größten Lieferaufträge, die es in Europa je gab, teilte das Unternehmen mit.
Bestandteil des Rahmenvertrags ist eine feste Mindestbestellmenge von 606 Wagen. So wird Stadler ab 2022 in einem ersten Abruf 376 Wagen für zwei- bis vierteilige Fahrzeugeinheiten für das Klein- und das Großprofil liefern. Weitere 230 Wagen sind fest bestellt, werden jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt abgerufen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, bis zu 894 weitere Wagen aus dem Rahmenvertrag abzurufen. Das Volumen dieser festen Bestellung liegt bei rund 1,2 Milliarden Euro und umfasst ebenfalls die Ersatzteilversorgung.Mit dem Auftrag zur Erneuerung der Flotte für das Berliner U-Bahn-Netz setzen Stadler und die BVG ihre Zusammenarbeit fort. Schon heute sorgt der Schweizer Schienenfahrzeughersteller mit der Baureihe IK für umweltfreundliche Mobilität in der deutschen Hauptstadt: Auf den U-Bahn-Linien U1, U2 und U5 sind Züge von Stadler für die BVG im Einsatz. Die neue Baureihe bekommt von der BVG die Bezeichnung J/JK. Stadler spricht von energieeffizienten und geräuschreduzierten Fahrzeuge, die in verschiedenen Punkten noch optimiert werden. So sorge eine Anpassung der Bautiefe bei den Türsäulen für eine verbesserte Einstiegssituation. Zudem sei vorgesehen, die Informationsbildschirme aus dem Türbereich in den gewölbten Übergang zwischen Seitenwand und Decke zu verlegen und somit eine optimierte Durchsicht durch den gesamten Fahrzeuginnenraum zu ermöglichen."Wir sind sehr stolz, einen der größten bisher in Europa vergebenen Lieferaufträge gewonnen zu haben und diesen in Berlin für Berlin ausführen zu können. Wir haben entschieden, bereits geplante Investitionen in den Stadler-Standort in der deutschen Hauptstadt zeitlich vorzuziehen, um eine optimale Basis für die Abwicklung dieses Grossprojekts zu schaffen“, sagt Jure Mikolčić, Geschäftsführer von Stadler in Deutschland.Um den Auftrag umsetzen zu können, will Stadler bis zu 70 Millionen Euro in den Standort in Berlin-Pankow investieren. Das neue Betriebskonzept umfasst nicht nur den Bau einer neuen Produktionshalle, sondern schafft auch neuen und optimierten Raum für Logistik und Inbetriebsetzung. Die Investition sei ein klares Bekenntnis zum Standort Berlin. Im ersten Schritt sollen neben der neuen Produktions- und Inbetriebsetzungshalle zusätzliche Büroflächen sowie eine moderne Kantine für die Mitarbeitenden geschaffen. Die in Pankow geplante Halle zur Inbetriebsetzung ersetze aber nicht den Standort Velten. „In Pankow wird nur die statische Inbetriebnahme erfolgen. Das sind die ersten Schritte auf dem Weg dahin“, erläuterte Stadler-Sprecherin Silja Kollner. Stadler stehe weiter zu seinem Standort in Velten und zu dessen Aufgaben. Im Veltener Inbetriebnahmewerk arbeiten 150 Angestellte.
