Auf der Fahrt zum unscheinbaren, aber dafür unter Strom stehenden Umspannwerk blickt Stadtwerke-Chef Michael Kühne in eine grünere Zukunft. Sowohl das Dach der Energiezentrale in Velten-Süd als auch das des Hauptgebäudes in der Viktoria­straße sollen bald Solarmodule schmücken. Doch der Sonnenstrom, der tagsüber eingefangen wird, muss bis nachts vorgehalten werden, wenn die Mitarbeiter ihre E-Autos der "weißen Flotte" betanken wollen. "Zusammen mit der Technischen Hochschule in Wildau entwickeln wir gerade einen Großakku, der den Strom speichert", sagt Kühne, seit 2012 Geschäftsführer der Stadtwerke. Mit im Boot sitzen ein Start-up- und ein Elektronikunternehmen. Das Ziel: "Einen preiswerten Energiespeicher entwickeln", so der gelernte Diplom-Ingenieur für elektrische Energietechnik.
Die Zahlen, die Michael Kühne, aufs Tableau legt, beeindrucken Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD): 17 Millionen Euro Jahresumsatz, ein 15 Kilometer langes Fernwärmenetz, mehr als 8.000 Stromkunden (bei immerhin knapp 130 Anbietern in Velten), 1 500 Gaskunden plus sechs Großkunden, 72 Trafostationen, 110.000 Volt Spannung im 2017 in Betrieb genommenen Umspannwerk, das für 4,3 Millionen gebaut wurde. Auf ihrer Sommertour macht Ines Hübner mit Wirtschaftsförderin Susanne Zamacki bei den Stadtwerken Halt. "Wir wollten mit den Stadtwerken ein rein kommunalen Unternehmen etablieren", sagt Hübner.
Ende 1992 als Stadtwärme Velten GmbH gegründet, ist der Betrieb seit 2012 komplett in städtischer Hand. Besonders die Errichtung des Umspannwerks bezeichnet Kühne als große Leistung und Besonderheit eines städtischen Versorgers. Der Prokurist und Technische Leiter Steffen Carls geht noch weiter: "Herr Kühne stapelt da immer etwas tief. Das war eine herausragende Leistung." Kühne erinnert sich: "2006 sind wir an unserer Stromleistungsgrenze angelangt. Es war nicht abzusehen, ob wir alle Neuansiedlungen auch versorgen können." Die Investition habe sich ausgezahlt. "Wir sind energetisch ausreichend abgesichert, um Velten weiter wachsen lassen zu können", so Kühne.
Stolz ist er auf die 40 Prozent der die Hälfte der Veltener versorgenden Fernwärme, die aus Erneuerbaren Energien gewonnen wird: über Biorohgas und Biomethan. "Wir haben einen Partner in Eichstädt mit einer Biogasanlage." Unter den deutschlandweit rund 1.000 Stadtwerken sei Velten in den obersten zehn Prozent der umweltfreundlichsten Fernwärmeversorger.
Noch zulegen wollen die Stadtwerke bei der Gasversorgung. Kein Leichtes bei mehr als 90 Mitbewerber in diesem Sektor. 2014 haben die Stadtwerke zwar das Gasnetz der EMB Energie Mark Brandenburg übernommen, aber nicht die Kunden. "Die müssen wir begeistern", so Steffen Carls. Die Gaspreise seien deshalb niedrig (die für Strom bewegen sich im Mittelfeld). Kühne sagt, der Vorteil der Stadtwerke sei allgemein die Nähe zum Kunden. "Wir sind kein anonymes Callcenter." Für Ines Hübner läuft alles auf die Versorgungssicherheit hinaus, die Priorität habe.
Strom, Gas und Wärme sind wenig sichtbar, Erzeugung und Gewinnung kompliziert. Die Trafohäuschen vereinfachen den Draht zu den Stadtwerken. Sie sollen vandalismusfrei bleiben. Viele Häuschen sind deshalb bunt bemalt. "Wir wollen Graffiti entgegenwirken", sagt Steffen Carls bei einem Stopp an einer mit Tulpen gestalteten Trafostation. "Drei haben wir in diesem Jahr bemalen lassen, weitere in der Museumsgasse folgen. Sie bekommen historische Motive."