Trotz Corona-Krise: Bombardier kommt ohne Kurzarbeit und Jobabbau aus

Die neuen U-Bahn-Züge für Stockholm sind einer der Aufträge, die derzeit das Hennigsdorfer Werk auslasten.
Roland BeckerDie nach den Auflagen der EU-Kommission zu verkaufende Produktion des von Bombardier gebauten Talent 3 könnte im Extremfall für die Mitarbeiter einschneidende Folgen haben. Bombardier sieht sich derzeit nämlich nicht in der Lage zuzusichern, dass dessen Produktion in Hennigsdorf verbleibt. Firmensprecher Jörn Bischoff begründete diese Zurückhaltung: „Das ist Gegenstand von vertraulichen Verhandlungen mit potenziellen Käufern.“ Bombardier vermeidet damit bezüglich eines Abzugs der Talent-3-Produktion ein klares Dementi.
Offen ist auch, wann diese Verhandlungen abgeschlossen sein werden. Stehe das Ergebnis fest, werden die Mitarbeiter „so schnell wie möglich informiert“, so Bischoff am Montag. Der Abgabe der Talent 3-Produktion gehört zu den EU-Bedingungen, damit Alstom Bombardier übernehmen kann
Standorte noch ungewiss
Bis Ende September, so Bischoff, soll hinsichtlich der seit Jahren laufenden Neustrukturierung der deutschen Bombardier-Standorte eine Einigung mit Gewerkschaft und Betriebsrat gefunden werden. Allerdings sitzt zumindest indirekt der potenzielle Eigentümer mit am Tisch: „Wir können keine Konzepte machen, ohne Alstom einzubeziehen“, räumte Bischoff ein.
Marco Michel, neuer Bombardier-Chef für Europa, äußerte sich zur unsicheren Zukunft des Standorts nicht. Stattdessen zeigte er sich erleichtert, dass Corona die Dramatik in den Werken nicht gesteigert habe: „Wir hatten trotz Herausforderungen hinsichtlich der Lieferanten keine Stillstände und konnten Produkte ausliefern. Ich bin froh, dass wir nicht in Kurzarbeit gefallen sind.“ Auch auf Entlassungen konnte verzichtet werden. Selbst die Zahl der Leiharbeiter sei seit Ausbruch der Corona-Krise nicht gesunken.
Unter den 10 000 Mitarbeitern in den europäischen Bombardier-Werken hat es laut Michel bislang zehn Corona-Erkrankungen gegeben. Hennigsdorf sei davon nicht betroffen gewesen. Ein ausgefeiltes Sicherheitsprogramm sorgt dafür, dass sich möglichst wenige Mitarbeiter begegnen. Dazu zählt die Ausweitung der Schichtarbeit.
Ein ausgefeiltes Sicherheitsprogramm sorgt dafür, dass sich möglichst wenige Mitarbeiter begegnen. Dazu zählt die Ausweitung der Schichtarbeit. Wo der Mindestabstand zwischen den Kollegen nicht eingehalten werden kann, herrscht Maskenpflicht.
Corona-Blog:Coronavirus und die Folgen für Brandenburg und Berlin
