Wahl 2024 in Hennigsdorf: Von Dönerimbiss bis neue Wohnungen – das verspricht die SPD

Stark männerlastig: Unter den 27 Kandidierenden, die die SPD Hennigsdorf für die Wahl zum Stadtparlament am 9. Juni aufbietet, sind nur drei Frauen zu finden.
Roland BeckerEs gab Zeiten, da waren 40 Prozent und mehr für die SPD Hennigsdorf nichts Außergewöhnliches. Vor der Wahl zum Stadtparlament am 9. Juni bäckt die Partei kleinere Brötchen. Zu verkraften hat die SPD auch, dass die langjährige Stadtverordnete Petra Winkel mittlerweile bei der Konkurrenz gelandet ist.
Spitzenkandidat Patrick Deligas gibt die Richtung vor: „Wir haben in 30 Jahren nicht alles richtig, aber einen guten Job gemacht. Unser Ziel ist es, wieder stärkste Fraktion zu werden.“ Doch wie will die bundesweit in einer Krise steckende SPD das vor Ort erreichen?
Wahl 2024 in Hennigsdorf: Neues Wohnviertel in Neubrück
Wohnraum ist in Hennigsdorf knapp. Egal, ob eine Mietwohnung oder ein Baugrundstück gesucht werden – fündig wird man kaum. Da erstaunt es, dass im SPD-Wahlprogramm das Thema Wohnen bestenfalls versteckt zu finden ist. Unter dem Stichpunkt „Quartier Neubrück“ lässt sich das Versprechen finden, das Gebiet rund um das Asylbewerberheim „zum Wohn- und Lebensort für alle Einkommens- und Altersgruppen zu entwickeln“. Ein anspruchsvolles Ziel!
Denn seit mehr als einem Jahrzehnt kämpft die Stadt darum, das vorwiegend dem Kreis gehörende Gelände bebauen zu können. „Offene Punkte der Planung“, so Bürgermeister Thomas Günther (SPD) Ende 2022, sorgen bislang für Stillstand. Deligas konkretisiert das: „Einer zeigt auf den anderen. Keiner treibt das Projekt voran“, und spricht von „einem großen Zankapfel“ zwischen Stadt und Kreis.
Wohnungsbau in Hennigsdorf: SPD streitet mit SPD
Das Problem sieht Deligas darin, dass der schon fünf Jahre alte Bebauungsplan eine Straße vorsieht, die quer durch einen Wohnblock für Flüchtlinge geht. Der Kreis opponiert. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Deligas sieht einen Spatenstich bis 2029 als unrealistisch an. Das Ziel: Bis dahin alle Voraussetzungen zu schaffen, um in den 2030er-Jahren die bis zu 470 Wohnungen bauen zu können.
Auch hinter dem Stichwort „Viertel an der Rathenaustraße neu gestalten“ verbirgt sich der Wunsch nach Wohnungsbau. Dass auf dem Areal auf und am Parkplatz Peter-Behrens-Straße bald Wohnungen gebaut werden, dürfte eher ein Wunsch denn ein Versprechen der SPD sein. Das Areal gehört der Genossenschaft WGH. Deren Chef René Sperber sagte vor Jahresfrist: „Ich sehe hier in den nächsten drei bis fünf Jahren keinen weiteren Neubau.“

In Hennigsdorf-Nord sollen Wohnungen entstehen. Doch wann diese gebaut werden, ist bislang noch völlig offen.
Roland BeckerAuch im Wohngebiet Nord sieht Deligas Baupotenzial. Nur sind im Quartiersentwicklungskonzept die für Mietwohnungen vorgesehenen Areale am Ende der Fontanesiedlung (Heizkraftwerk Nord) mit dem Vermerk der perspektivischen Entwicklung versehen. Vor 2030 dürfte sich da kaum etwas tun. Der Bürgermeister sagte dazu: „Man muss einen langen Atem haben.“
Das eher wohlhabendere Nieder Neuendorf mit seinen bald 4000 Menschen ist für die SPD schwer zu beackern. Hier waren 2019 CDU, Grüne und AfD fast auf Augenhöhe. Vielleicht will Deligas' Mannschaft deshalb dort mit ganz konkreten Projekten punkten. Und die überraschen.
Wahl 2024 in Hennigsdorf: Fastfood für Nieder Neuendorf
Erster diesbezüglicher Punkt: „Verbesserung der Nahversorgung mit einem Döner-Imbiss“. Deligas, der selbst in dem Ortsteil wohnt, räumt ein, dass dieser von ihm stammende Vorschlag heiß diskutiert wurde. „Ich glaube aber, es gibt den Markt für einen Döner- oder Asia-Imbiss“, ist er sich sicher. Neben Apotheke und Bankautomat wird ein Vollsortimenter gefordert.

Immer mehr Menschen leben in Nieder Neuendorf. Die SPD möchte in diesem Ortsteil die Versorgung stärken. Deren Wunschkatalog reicht vom Dönerimbiss über eine Apotheke bis zum Supermarkt.
Leticia WitteDas Problem: Das Stadtparlament kann niemanden verpflichten, in Nieder Neuendorf einen Dönerspieß aufzustellen. Es gehe eher darum, die Voraussetzungen für solche Ansiedlungen zu schaffen. Hierbei streift Deligas ein schon in den Vorjahren heiß umstrittenes Thema: „Es gibt Ecken, wo noch Kleingärten neben dichter Bebauung stehen.“ Grundstücke, für die er sich eine andere Nutzung wünscht.
Auch den Netto-Markt hat die SPD im Visier. Die kaufkräftige Einwohnerschaft könne einen gut sortierten Supermarkt gebrauchen. Er wünscht sich, dass mit dem Pächter darüber gesprochen wird, ob der Netto-Markt erweitert werden „oder durch eine andere Marke ersetzt werden kann“. Die städtische HWB, der das kleine Einkaufszentrum gehört, könne hier Einfluss geltend machen.
SPD will Sportstätte Süd modernisieren
„Das ist auch aus meiner Feder“, verweist der SPD-Fraktionschef auf das Entwicklungspotenzial der Sportstätte Süd, Heimat nicht nur vom FC 98. Einige Vereine wie der für Kraftsport seien noch in Baracken untergebracht, andere wie die Kegler würden gern Platz abgeben. Die SPD möchte deshalb das Vereinsheim an der Fontanestraße ausbauen, damit darin mehr Vereine ihren Platz finden und das Lokal um Veranstaltungsräume erweitert wird.
Die Kandidatenliste der SPD für das Stadtparlament Hennigsdorf
Die SPD Hennigsdorf tritt für die Wahl zum Stadtparlament mit 27 Kandidierenden an. An der Spitze stehen Patrick Deligas, Christine Freund und Michael Wobst (parteilos).
Auf den Plätzen 4 bis 10 folgen Katharin Dziuba, Frank Kutzborski, Arletta Zebrowski, Michael Mertke, Birk Günther Grigoleit, Steffen Leber und Martin Witt
Die weiteren Platzierungen: Liven Markov, Andreas Skala, Udo Hoffmann, Daniel Mendel, Paul Winter, Dr. Hartmut Blode, Harald Politz, Enrico Heller, Sören Damm, Artemie Maschinski, Uwe Fischer, Werner Hoffmann, Ingo Kassanke, Matthias Rönnecke, Martin Blacha, Thomas Duchow und Stephan Lemme.
„Das ist ein wachsender Faktor. Wir wollen noch einen draufsetzen“, verweist Deligas darauf, den Tourismus entlang Havel, Havelkanal und im Stadtwald zu fördern. Doch wie? Hier bleibt der Spitzenkandidat ebenso vage wie das Wahlprogramm. Konkrete Projekte kann er nicht aus der Tasche ziehen.
Beim ÖPNV in Hennigsdorf ist die SPD wunschlos glücklich
Der ÖPNV taucht im Wahlprogramm erst gar nicht auf. Deligas begründet das: „Auf einen S-Bahn-Halt in Nord haben wir keinen direkten Einfluss, und mit Buslinien sind wir gut ausgestattet.“ Letzteres gelte auch für die Radwege.
Und wie wird die SPD am 9. Juni abschneiden? Man wolle nicht schlechter werden, gibt sich Deligas bescheiden. „Mit 20 bis 25 Prozent wäre ich sehr zufrieden.“ 2019 waren es 27,4 Prozent, 2014 gar 44,6 Prozent
